Vor Minimalkompromiss an der Klimakonferenz

LIMA. Dass die Klimakonferenz in Lima planmässig am Freitag enden würde, war nicht absehbar. Unklar blieb gestern auch, mit welchen Ergebnissen.

Christian Mihatsch
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LIMA. Dass die Klimakonferenz in Lima planmässig am Freitag enden würde, war nicht absehbar. Unklar blieb gestern auch, mit welchen Ergebnissen. Am zweitletzten Tag hatte sich die Gruppe der Entwicklungsländer «G-77 und China» zu internen Beratungen zurückgezogen, da die Verhandlungen vorher nicht mehr vorankamen. Dabei haben die Entwicklungsländer einen Vorschlag erarbeitet, der von den Industriestaaten sofort abgelehnt wurde. Darauf haben die Länder die beiden Vorsitzenden der wichtigsten Arbeitsgruppe gebeten, einen bereinigten Vorschlag zu machen. Dieser lag dann um neun Uhr abends vor.

Allgemeine Unzufriedenheit

Damit war aber niemand glücklich. «Der Text ist ein Versuch, den Verhandlungsprozess voranzubringen», sagte Todd Stern, der US-Chefunterhändler. Über die Qualität des Inhalts sagte er nichts. Diese hängt noch davon ab, für welche Optionen sich die Länder schliesslich entscheiden werden. Aus Sicht vieler NGO sind aber alle unzureichend: «Dieser Text beschleunigt unseren Weg zu einer Erwärmung um vier Grad», erklärte Alex Rafalowicz von TWN, einem Netzwerk von Organisationen aus der Dritten Welt.

Aus Sicht der Industriestaaten ist zweierlei positiv. Der Verhandlungstext sagt nichts zur Finanzierung. Die Entwicklungsländer wollten, dass detailliert festgehalten wird, wie viel Geld wann von den Industriestaaten für den Klimaschutz in den Entwicklungsländern bereitgestellt wird. Für die Industriestaaten war das von Anfang an eine «rote Linie»; sie haben sich damit durchgesetzt. Die meisten Optionen im Text unterscheiden auch nicht länger zwischen Industrie- und Entwicklungsländern. Dies war eine Forderung aller Industriestaaten.

Auf 2015 verschoben

Der Text sagt anderseits wenig über die Emissionsziele, die die Länder bis Ende März 2015 an die UNO-Klimakonvention melden sollen. Damit diese Eingaben vergleichbar sind, müssten sie einheitlich sein und klar darlegen, wie die Länder zu ihren Emissionszielen gekommen sind. Ob so das Zwei-Grad-Ziel erreicht werden kann, ist fraglich. Dabei sind sich die Wissenschafter einig, dass die Klimaerwärmung auf zwei Grad begrenzt werden soll. Andernfalls werden Kipppunkte erreicht, ab denen sich der Klimawandel selbst verstärkt und nicht mehr zu stoppen ist. Damit haben die Delegierten die schwierigen Entscheide auf 2015 verschoben. Im Dezember soll in Paris ein neuer Weltklimavertrag verabschiedet werden. Dieser soll «für Jahrzehnte gelten», sagte Todd Stern, und natürlich die Einhaltung des Zwei-Grad-Ziels gewährleisten.

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