Von politischer Lösung weit weg

Mit der Bildung einer Gegenregierung fachen die Huthi-Rebellen den Krieg im Land weiter an. Saudi-Arabien sucht derweil nach Schuldigen für seine erfolglose Intervention.

Michael Wrase/Limassol
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Der 70 Stundenkilometer schnelle Hybrid-Katamaran der Vereinigten Arabischen Emirate war am Freitag auf dem Weg vom jemenitischen Aden zur saudischen Hafenstadt Jiddah am Roten Meer. Am «Tor der Tränen» wurde er von einer iranischen Antischiffsrakete getroffen und sank. Die Öffentlichkeit schenkte dem Angriff der jemenitischen Huthi-Rebellen in der nur 27 Kilometer breiten Meeresstrasse, die das Rote Meer mit dem Golf von Aden verbindet, kaum Beachtung. In Schifffahrtskreisen jedoch wurde er mit allergrösster Sorge registriert.

Einmal mehr hätten die Huthi gezeigt, dass sie den internationalen Seeverkehr an einem neuralgischen Punkt bedrohen könnten, konstatierte der auf Sicherheitspolitik spezialisierte britische Informationsdienst «Jane's Defence Weekly». Auch nach anderthalb Jahren Krieg habe es die von Saudi-Arabien geführte «arabische Koalition» nicht geschafft, Jemen mit seinen strategisch so bedeutenden Seewegen unter seine Kontrolle zu bekommen. Und erst recht nicht, die gestürzte jemenitische Regierung von Präsident Hadi zurück nach Sanaa zu bringen. Dort bildeten die Huthi am Dienstag eine Gegenregierung der «nationalen Errettung».

Rebellen attackieren saudisches Territorium

Dem Kabinett von Adens Ex-Gouverneur Abdelasis Ben Habtur werden insgesamt 27 Minister angehören. Unter ihnen befinden sich auch fünf Frauen. Zum Zeitpunkt ihrer Vereidigung hielt sich auch UNO-Nothilfekoordinator Stephen O'Brien in der jemenitischen Hauptstadt auf. Der Brite verlangte grössere Anstrengungen zur Bekämpfung der Hungersnot, von der 1,5 Millionen Kinder betroffen sind. Die beste humanitäre Lösung sei, sagte er, eine politische Lösung – die aber nach der Bildung der Huthi-Gegenregierung nicht in Sicht ist.

Vielmehr dürfte der einseitige Schritt der schiitischen Rebellen den Konflikt weiter anfachen. Auf die verheerenden Luftangriffe der Saudi haben die schiitischen Huthi-Milizen inzwischen mit eigenen Offensiven reagiert. Nicht nur auf See wird die arabische Koalition unter Druck gesetzt. Massive Unruhe verbreiten die nur leicht bewaffneten Huthi auch im Süden von Saudi-Arabien, wo gut befestigte saudische Armeestellungen an der Grenze zu Jemen ohne grössere Gegenwehr besetzt werden konnten.

Wegen der Rückschläge im Nachbarland habe in Saudi-Arabien nun die Suche nach Schuldigen begonnen, berichtet das Internetportal Intelligence Online. Die Regierenden in Riad hätten sich in die Anschuldigung verrannt, dass die in Jemen eingesetzten iranischen Waffen nur mit Unterstützung des Nachbarn Oman ihren Bestimmungsort erreichen könnten.

Als «Verbindungsmann» zu Iran wird in Saudi-Arabien der omanische Staatsminister im Sultanspalast, General Sultan bin Mohammed al-Naamani, genannt. Der inoffizielle Geheimdienstkoordinator soll die Behörden Omans angewiesen haben, Waffenlieferungen an die Huthi zu erleichtern.

In der omanischen Hauptstadt Muscat werden derartige Anschuldigungen nicht einmal kommentiert. Dort ist man stolz auf die eigenständige Aussenpolitik, die über Jahrzehnte exzellente Beziehungen zu den arabischen Golfstaaten, den USA, der ehemaligen Kolonialmacht Grossbritannien sowie zu Iran garantierte. Wenige Wochen nach Ausbruch des Konflikts in Jemen bot sich das Sultanat Oman daher als neutraler Vermittler an, was von Riad schroff abgelehnt wurde.

Oman verweigerte sich der «arabischen Koalition»

Der Grund dafür war die Weigerung Omans, Truppen für die in Jemen kämpfende «arabische Koalition» bereitzustellen. Saudi-Arabien habe sich bereits damals an der Bush-Doktrin vom 11. September orientiert, wonach diejenigen, «die nicht für uns sind, gegen uns sind», analysiert der holländische Islamwissenschafter Harald Viersen.

Der omanische Sultan Qaboos, der sich von seiner Krebserkrankung anscheinend gut erholt hat, habe «die wechselnden Dynamiken» im Süden Arabiens allerdings erkannt und Schritte zur Stabilisierung eingeleitet, meint Islamwissenschafter Viersen. Dennoch bleibe abzuwarten, ob sich ein kleines Land wie Oman mit nur drei Millionen Einwohnern in einem «zunehmend polarisierten Umfeld» auch als eigenständige neutrale Kraft behaupten könne.

Als gute Nachbarn haben die Omani die Saudi noch nie betrachtet – auch wenn dies die Staatspropaganda immer wieder behauptet. In privaten Gesprächen machen sie keinen Hehl aus der Tatsache, dass man sich von den Wahabiten im Norden bedroht fühlt.