Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vom Sparkommissar zum Regierungschef auf Zeit

Carlo Cottarelli soll Italien als Übergangsregierungschef in Neuwahlen führen. Keine einfache Aufgabe für den 64-jährigen Finanzexperten.
Dominik Straub, Rom
Italiens designierter Regierungschef Carlo Cottarelli. (Allesandra Di Meo/EPA)

Italiens designierter Regierungschef Carlo Cottarelli. (Allesandra Di Meo/EPA)

Carlo Cottarelli  Er hatte es kommen sehen: «Ich glaube nicht, dass sich die Parteien auf eine stabile Regierung werden einigen können; ich glaube eher, dass es eine Übergangsregierung geben wird, die baldige Neuwahlen vorbereiten muss», erklärte der 64-jährige Ökonom Carlo Cottarelli wenige Tage nach den Wahlen vom 4. März, bei denen keine Partei eine regierungsfähige Mehrheit im Parlament erreicht hatte. Cottarelli sollte mit seiner Prognose Recht behalten.

Dass er persönlich diese Übergangsregierung anführen sollte, konnte er nicht ahnen. Und er wollte es auch nicht glauben, als Staatspräsident Sergio Mattarella Anfang Mai schon einmal die Bildung einer Notregierung erwogen hatte und sein Name genannt wurde. «Eher ruft mich Inter an, um mir zu sagen, dass ich Mauro Icardi als Stürmer ersetzen soll», wehrte der eingefleischte Fan von Internazionale Mailand entsprechende Gerüchte ab. Inter hat nicht angerufen – dafür am Sonntagabend Mattarella.

Auf der Suche nach Verschwendung

Cottarelli ist in der italienischen Politik kein Unbekannter, obwohl er nie Politiker war. Einen Namen gemacht hat er sich als Sparkommissar der Regierung von Enrico Letta, der ihn 2013 damit beauftragte, im italienischen Staat nach Quellen der Geldverschwendung zu suchen. Der Ökonom, der einen Drittel seines Lebens beim Internationalen Währungsfonds (IWF) verbracht hatte, wurde schnell fündig: Insgesamt hat er Einsparungsmöglichkeiten im Umfang von 34 Milliarden Euro ausgemacht.

Sein Dossier hat Cottarelli dann aber nicht Letta übergeben, sondern Matteo Renzi, der seinen Parteifreund inzwischen aus dem Amt gedrängt hatte. Und Renzi zeigte sich nicht allzu interessiert an den Vorschlägen. Im Jahr 2014 trennte sich Renzi vom Sparkommissar seines Vorgängers – und von den 34 Milliarden Euro, die Cottarelli kürzen wollte, wurden nur 8 bis 10 Milliarden eingespart.

Haushaltspolitisch vertritt Cottarelli im Vergleich zu der geplatzten Regierungskoalition aus Cinque Stelle und Lega entgegengesetzte Positionen: Wirtschaftswachstum durch eine Aufblähung der Schulden zu erreichen, hält er für eine «Illusion», der Austritt aus dem Euro wäre in seinen Augen «ein Trauma».

Cottarelli, der nach seiner Pensionierung beim IWF an der Mailänder Uni ein «Observatorium über die Staatsfinanzen» aufgebaut hat, rechnete aus, was die Wahlversprechen von Cinque Stelle und Lega gekostet hätten. Er kam auf Mehrbelastungen des Haushalts zwischen 108 und 125 Milliarden Euro – während sich die von den Populisten aufgelisteten Gegenfinanzierungen auf gerade einmal 550 Millionen Euro beliefen. Derartige Experimente sind unter Cottarelli nicht zu erwarten – aber mehr als eine Atempause wird er seinem Land in seiner kurzen Amtszeit nicht verschaffen können. (dsr)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.