Vom Folterlager in die Fabrik: Verrichten Uiguren Zwangsarbeit für Apple und Co.?

Zehntausende Uiguren wurden in ganz China an Zulieferer für westliche Unternehmen vermittelt.

Fabian Kretschmer aus Peking
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Apple steht, neben vielen anderen, auf der Liste der westlichen Firmen, die Zwangsarbeit von Uiguren bezogen haben sollen.

Apple steht, neben vielen anderen, auf der Liste der westlichen Firmen, die Zwangsarbeit von Uiguren bezogen haben sollen.

Mark Schiefelbein / AP

China Die Anklageliste scheint endlos: Der amerikanische Tech-Riese Apple befindet sich darunter, genau wie die südkoreanische Konkurrenz Samsung und Chinas führender Smartphone-Produzent Huawei. Auch deutsche Unternehmen lassen sich unter der Liste an 83 Weltmarken finden, etwa Volkswagen, Siemens und Adidas. Sie alle sollen von der wirtschaftlichen Ausbeutung der muslimischen Minderheit der Uiguren profitieren.

Das zumindest legt eine am Sonntag veröffentlichte Studie der australischen Denkfabrik «Australian Strategic Policy Institute» (Aspi) nahe. Unter Auswertung von Satellitenbildern, Zulieferlisten der Unternehmen und Medienberichten haben die Studienautoren insgesamt 27 Fabriken in ganz China identifiziert, in die seit 2017 mindestens 80000 Uiguren vermittelt wurden. Dort sollen die Anhänger des Türkvolks aus der westchinesischen Provinz Xinjiang unter Zwangsarbeit auch für Zulieferer westlicher Firmen schuften.

Rund eine Million Uiguren aus der abgelegenen Region Xinjiang hatte die chinesische Regierung laut Menschenrechtsorganisationen in Internierungslagern weggesperrt. Dort berichteten Insassen, die mittlerweile ausser Landes leben, von körperlicher Folter und politischer Indoktrinierung.

Uiguren verübten Terroranschläge

Nachdem die Kommunistische Partei die Einrichtungen zunächst geleugnet hatte, präsentierte sie die Lager schliesslich als «Ausbildungszentren», um die Muslime zurück in die Gesellschaft zu integrieren und zu deradikalisieren. Tatsächlich waren Anhänger der Uiguren für etliche Terroranschläge der letzten Jahre verantwortlich.

Der Aspi-Bericht zeigt nun, wie deren Zukunft heute ausschaut. Die Provinzregierung würde «Kopfgeld» an Mittelsmänner für jeden vermittelten Uiguren zahlen. Bei den Arbeitsangeboten würde es sich de facto um Zwangsarbeit handeln, da den Muslimen stets willkürliche Inhaftierung drohe.

Eine Reportage der «Washington Post» legt nahe, dass die Abläufe der Fabriken denen der Umerziehungslagern in Xinjiang ähneln. In einer Produktionsstädte bei Qingdao würden etwa die dort arbeitenden Frauen ebenfalls in den Abendstunden Ideologiekurse belegen müssen und seien in ihrer Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt. In der betroffenen Fabrik werden über einen südkoreanischen Zulieferer knapp acht Millionen Turnschuhe für den US-Sportartikelhersteller Nike produziert.

Der deutsche Automobilhersteller Volkswagen, der auch in dem Report vorkommt, streitet die Anschuldigen ab: Keiner der in der Studie genannten Zulieferer würde derzeit direkt an VW liefern.