Vom Busfahrer zum Kronprinzen

Um Hugo Chávez steht es nicht gut. Für den schlimmsten Fall hat er schon vorgesorgt. Letzte Woche hat der krebskranke venezolanische Staatschef einige seiner Amtsbefugnisse an seinen Vizepräsidenten Nicolás Maduro delegiert. Dessen Karriere ist beachtlich.

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schnitt - In this photo released by Miraflores Press Office, Venezuela's Vice-President Nicolas Maduro delivers a speech at the presidential palace in Caracas, Venezuela, Tuesday, Dec. 11, 2012. Maduro said on Venezuelan television Chavez was recovering in Cuba after an operation targeting an aggressive cancer that has defied multiple treatments. The operation was "complex" but was completed "correctly and successfully," he said. (AP Photo/Miraflores Press Office, Francisco Batista) (Bild: Francisco Batista (Miraflores Press Office))

schnitt - In this photo released by Miraflores Press Office, Venezuela's Vice-President Nicolas Maduro delivers a speech at the presidential palace in Caracas, Venezuela, Tuesday, Dec. 11, 2012. Maduro said on Venezuelan television Chavez was recovering in Cuba after an operation targeting an aggressive cancer that has defied multiple treatments. The operation was "complex" but was completed "correctly and successfully," he said. (AP Photo/Miraflores Press Office, Francisco Batista) (Bild: Francisco Batista (Miraflores Press Office))

Um Hugo Chávez steht es nicht gut. Für den schlimmsten Fall hat er schon vorgesorgt. Letzte Woche hat der krebskranke venezolanische Staatschef einige seiner Amtsbefugnisse an seinen Vizepräsidenten Nicolás Maduro delegiert. Dessen Karriere ist beachtlich. Immer wieder hat die bürgerliche Opposition gelästert über den fehlenden Universitätsabschluss des 1,90 Meter grossen, kräftigen Mannes mit dem buschigen Schnauzbart. Über seine rüde Sprache und die legeren Klamotten. Doch Maduro hat bewiesen, dass er andere Qualitäten besitzt: eine ungezwungene Art, politische Durchsetzungsfähigkeit und vor allem Loyalität. In den letzten eineinhalb Jahren war Maduro, der am 23. November seinen 50. Geburtstag feierte, in den wichtigen Momenten stets an der Seite des Präsidenten. Die Freundschaft der beiden ist aber schon viel älter.

Gewerkschaftsführer und Bodyguard

Kennengelernt haben sie sich nach Chávez gescheitertem Putsch 1992. Maduro war damals Busfahrer, sozialistisch-maoistischer Gewerkschaftsführer, Hobby-Baseballspieler und wegen seiner Statur auch ab und an Bodyguard politisch engagierter Gesinnungsgenossen – er beschützte den späteren Vizepräsidenten José-Vicente Rangel in dessen glücklosem Präsidentschaftswahlkampf 1983. Zusammen mit seiner neun Jahre älteren Frau und späteren Parlamentspräsidentin Cilia Flores besuchte Maduro Chávez im Gefängnis. Gemeinsam fachsimpelten sie stundenlang und schmiedeten Pläne für ein sozialistisches Venezuela. Die Sympathie war gegenseitig, doch im Gegensatz zu vielen anderen Weggefährten, die sich später mit Chávez überwarfen, ergab sich Maduro widerspruchslos der Führerschaft des acht Jahre älteren Militärs. Im Präsidentschaftswahlkampf 1998 war er einer der Koordinatoren in Chávez' siegreichem Wahlkampf.

Im Kielwasser der chavistischen Revolution wurde Maduro ins Parlament gewählt und avancierte 2005 zum Parlamentspräsidenten. War der Sprössling einer Arbeiterfamilie in seinen Jugendjahren für ausschweifende Rockparties und stetes Zuspätkommen bekannt, zeigte er als Parlamentspräsident plötzlich Strenge: Die Abgeordneten verdonnerte er zum Stempeln, wer zu spät kam, musste Bussgelder zahlen. Aus dieser Zeit stammt sein Spitzname «Der Oberlehrer». Zugleich tolerierte er den Nepotismus seiner Frau, die Dutzende Verwandte auf die Gehaltsliste des Parlaments setzte. Ein Prozess gegen das Paar wegen ungerechtfertigter Bereicherung wurde eingestellt.

Jovial und umgänglich

2006 machte ihn Chávez zum Aussenminister. Doch seine Sprüche blieben undiplomatisch. So bezeichnete er den US-Staatssekretär John Negroponte einmal als «zweitrangigen Beamten mit Vorstrafenregister» – doch seinem Mentor gefiel es. Sechs Jahre behielt ihn Chávez, der sonst gerne die Minister rotiert. Erst im Oktober nach seiner Wiederwahl und offenbar schon die neuerliche Krebsdiagnose ahnend, machte er Maduro zum Vizepräsidenten, dem verfassungsmässig die Nachfolge zusteht.

Maduro ist kein charismatischer Redner, gilt aber als jovial und umgänglich. Der Asthmatiker liebt riesige Sandwiches und ist Anhänger des indischen Gurus Sai Baba.

Sandra Weiss