Visa-Streit eskaliert

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Türkei–USA Der Konflikt zwischen Ankara und Washington verschärft sich. Staatschef Recep Tayyip Erdogan beschuldigt die USA, «Agenten» in ihrem Konsulat zu beschäftigen, und fordert die Abberufung des US-Botschafters aus Ankara.

Aktueller Auslöser des Streits war vergangene Woche die Festnahme eines türkischen Bediensteten des US-Generalkonsulats in Istanbul. Ihm werden Verbindungen zur Bewegung des Erdogan-Erzfeindes und angeblichen Putsch-Drahtziehers Fethullah Gülen vorgeworfen. Die USA ­reagierten am vergangenen Wochenende auf die Festnahme mit der Aussetzung der Visumsver­gabe für türkische Staatsbürger. Ankara konterte mit einem Visa-Stopp für US-Bürger.

Neue Spannungen wegen verurteilter Journalistin

Staatschef Erdogan hatte zunächst nur «Bedauern» über die Visa-Entscheidung der Amerikaner geäussert, redet sich aber nun immer weiter in Rage: Er bezeichnete den festgenommenen Konsulatsmitarbeiter als «Spion» und beschuldigte die USA, in ihrem Konsulat «Agenten» zu beschäftigen. Erdogan sagte, die türkische Regierung erkenne den US-Botschafter John Bass nicht länger als Vertreter der USA an und forderte dessen Abberufung. Nötig sein wird dies nicht: Bass wird als Botschafter ohnehin nach Kabul wechseln und die Türkei am kommenden Wochenende verlassen.

Für zusätzliche Spannungen sorgte ausserdem die Verurteilung einer Journalistin des «Wall Street Journal». Ein türkisches Gericht verhängte gegen die Reporterin Ayla Albayrak am Dienstag eine Haftstrafe von 25 Monaten wegen «Terrorpropaganda» für die kurdische PKK. Das Urteil wurde in Abwesenheit gefällt. Die Journalistin, die die türkische und die finnische Staatsbürgerschaft besitzt, hält sich zurzeit in den USA auf. (sda)