Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Vier Bataillone für das Baltikum

Das westliche Verteidigungsbündnis Nato verlegt Truppen in die baltischen Staaten. Die Botschaft ist klar an Russland gerichtet, aber auch symbolisch. Die geplanten Truppen wären für Russland keine wirkliche Barriere.
Remo Hess
US-Verteidigungsminister Ashton Baldwin Carter (mit Brille) während des Nato-Ministertreffens in Brüssel. (Bild: epa/Virginia Mayo)

US-Verteidigungsminister Ashton Baldwin Carter (mit Brille) während des Nato-Ministertreffens in Brüssel. (Bild: epa/Virginia Mayo)

BRÜSSEL. Während in Brüssel die Nato-Verteidigungsminister tagen, üben rund 10 000 Soldaten in Estland, Lettland und Litauen den Ernstfall. Panzer und Flugzeuge wurden für die Operation «Säbelschlag» vorübergehend ins Baltikum verlegt.

Die Einheiten aus 13 Ländern trainieren das Zusammenspiel im internationalen Verbund. Aber vor allem senden sie eine Botschaft aus, die lautet: Die Nato ist bereit, ihre Bündnispartner gegen Bedrohungen jeglicher Art zu verteidigen. Dabei ist klar, dass vor allem Bedrohungen aus Russland gemeint sind. Seit der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim 2014 und der bis heute andauernden Destabilisierung der Ostukraine fürchtet man sich in den baltischen Hauptstädten Tallin, Riga und Vilnius, Russland könnte sein Aggressionspotenzial demnächst gegen sie richten.

Im Fokus der Strategen

Schon seit längerem fordern die baltischen Staaten deshalb Verstärkung auf ihrem Gebiet. Dem kommt das westliche Verteidigungsbündnis nun nach. Es werde eine Verlegung von «vier robusten, multilateralen Bataillonen in die Staaten Estland, Lettland, Litauen und Polen» geben, sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg gestern in Brüssel. Das bedeutet die permanente Stationierung von zwischen 800 und 1000 einsatzbereiten Soldaten in jedem der Länder.

Die geographische Exponiertheit des Baltikums ist schon seit längerem wieder vermehrt in den Fokus der Militärstrategen gerückt. Zuletzt war es der ehemalige Nato-Oberbefehlshaber Wesley Clark, der zusammen mit weiteren hohen Ex-Militärs den Schwachpunkt in der Nato-Ostflanke beschrieben hat.

In dem Bericht mit dem Titel «Die baltische Lücke schliessen» weisen Clark und Co. darauf hin, dass das Baltikum eine 1400 Kilometer lange Grenze mit Russland teile. Dagegen verbinde lediglich ein rund 65 Kilometer breiter Landstreifen, zwischen der russischen Enklave Kaliningrad und Weissrussland, das Gebiet mit Polen und damit mit dem Nato-Territorium.

Russische Übermacht

Im Falle eines Angriffs und der Besetzung der «Suwalki-Lücke», wie der Korridor militärisch heisst, seien die drei Länder Estland, Lettland und Litauen mit wenig Aufwand von der Nato abgeschnitten. Zudem habe Russland wesentliche Teile seiner Armee in der baltischen Grenzregion und in Kaliningrad stationiert und sei zahlenmässig weit in der Übermacht, heisst es in dem Bericht.

Mit der Verlegung von Truppen ins Baltikum trägt die Nato diesem Schwachpunkt Rechnung und stärkt nun also ihre Ostflanke. Dabei weiss sie jedoch, dass mit den vier Bataillonen einem Angriff Russlands nicht viel entgegengesetzt werden kann. Es gehe mehr darum, die Kosten in die Höhe zu treiben und zu zeigen, dass ein Angriff auf das Baltikum das gesamte Nato-Bündnis betreffe, wie von Nato-Offiziellen zu erfahren ist.

«Nato will keine Konfrontation»

Für Generalsekretär Jens Stoltenberg bedeutet die Stationierung, die erst am Nato-Gipfel in Warschau vom 8. bis 9. Juli definitiv abgesegnet wird, allerdings eine Gratwanderung. Einerseits muss er Nato-Mitglieder wie Polen und die baltischen Staaten, die Russland gerne offensiver gegenübertreten möchten, ernst nehmen. Andererseits ist die Kooperation Moskaus bei der Lösung der Konflikte in der Ostukraine und in Syrien unverzichtbar. Stoltenberg wird denn auch nicht müde zu betonen, dass «die Nato keine Konfrontation mit Russland will» und «die politischen wie auch die militärischen Kanäle offenbleiben».

Die Balten wollen mehr

Die neuen Truppen im Baltikum werden im Turnus von sechs bis neun Monaten rotieren. Dies auch, um die Nato-Russland-Grundakte nicht zu verletzen. Die Vereinbarung wurde 1997 im Nachgang zur Nato-Osterweiterung geschlossen und verbietet die Stationierung von «substanziellen Kampftruppen» in den ehemaligen Staaten des Warschauer Pakts.

Gefahr für die tarierte Mischung zwischen Abschreckung und Dialog droht Stoltenberg aber durch ungewollte Provokationen. So diskutieren Polen und die baltischen Staaten unabhängig von der Nato eine gemeinsame Initiative für einen regionalen Luftabwehrschild, wie der litauische Verteidigungsminister Juozas Olekas gegenüber der «Financial Times» sagte.

Zudem fordern sie lautstark den Ausbau der Luft-Polizei-Operationen mit Nato-Kampfflugzeugen. Zurzeit sind lediglich vier britische Eurofighter und vier portugiesische F-16 im Baltikum stationiert – viel zu wenig nach der Ansicht der baltischen Regierungen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.