Viele offene Fragen nach dem Terrorangriff in Mali

Die Zahl der Opfer hat inzwischen auch die malische Regierung erhöht. 22 Tote sollen es sein, während UNO-Soldaten, die an der Befreiungsaktion im Hotel Radisson Blu in Bamako teilgenommen hatten, deren 27 gezählt haben wollen.

Walter Brehm
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Mokhthar Belmokhtar Algerischer Jihadist (Bild: epa)

Mokhthar Belmokhtar Algerischer Jihadist (Bild: epa)

Die Zahl der Opfer hat inzwischen auch die malische Regierung erhöht. 22 Tote sollen es sein, während UNO-Soldaten, die an der Befreiungsaktion im Hotel Radisson Blu in Bamako teilgenommen hatten, deren 27 gezählt haben wollen. Die Frage nach den Opfern ist nicht die einzige, die auch vier Tage nach dem Terrorangriff in Malis Hauptstadt ungeklärt ist.

Zwei oder zehn Täter

Unklar ist nach wie vor auch die Zahl der Angreifer. Zwei sollen unter den Toten sein, die aus dem Hotel geborgen wurden. Ob sie allein gehandelt haben, wie die Regierung in Bamako am Samstag erklärte, ist umstritten, die malische Polizei hatte am Freitag noch von zehn Terroristen gesprochen. Madibo Traoré, Chef der malischen Streitkräfte, sagte, lediglich die Sicherheitskräfte des Landes suchten derzeit nach «mehr als drei weiteren Verdächtigen». Ob es sich dabei um entkommene Täter oder Helfer handelt, teilte er nicht mit.

Malis Präsident Boubacar Keita, der neben der dreitägigen Staatstrauer auch für zehn Tage den Ausnahmezustand erklärt hatte, wurde auch nicht konkreter. Er kündigte aber martialisch eine entschlossene Reaktion auf den Terrorangriff an: «Wir werden keine Ecke der Welt unberücksichtigt lassen, um die Flüchtigen zu finden.» Die Terroristen verdienten es nicht, «Menschen» genannt zu werden.

Der totgesagte Terrorchef

Die Frage, wer die Täter denn waren, ist bisher aber auch nicht abschliessend geklärt. Zwei Jihad-Organisationen hatten die Mordtat als gemeinsame Aktion für sich reklamiert; «Al Qaida im islamischen Maghreb» (Aqim) und «Al Murabitoun» (die Wächter). Die zweite Gruppe war Anfang dieses Jahres aus einem Zusammenschluss der «Bewegung für Einheit und Jihad in Westafrika» (Mujao) und der «Maskierte-Männer-Brigade» des berüchtigten Jihad-Terroristen Mokhtar Belmokhtar entstanden, der sich zuvor mit seiner Brigade von der Aqim abgespalten hatte. Die Frage ist insofern von Interesse, weil die Gruppe schon zwei Terroranschläge in Mali für sich reklamiert hat und zudem ein Schlaglicht auf die Zuverlässigkeit von Geheimdiensten wirft. Der Algerier Belmokhtar ist von Terror-Fahndern schon mehrfach für tot erklärt worden, gilt jetzt aber wieder als möglicher Drahtzieher des Anschlags in Bamako. Das französische Verteidigungsministerium hält dies bereits für «zweifelsfrei» erwiesen.

Welt-Jihad oder Separatismus?

Ebenfalls umstritten ist unter internationalen Terrorexperten, ob der Überfall auf das «Radisson Blu» einer internationalen Terrorstrategie folgte oder ein nationales Ziel in Mali hatte.

Eine Verbindung zum Anschlag in Paris ist nicht ausgeschlossen – als weiterer Angriff auf Frankreich, das in Mali noch immer militärisch engagiert ist, nachdem es einen Vormarsch von Jihadisten und Tuareg aus Nordmali nach Bamako verhindert hatte. Dabei könnte es auch um eine Rivalität zwischen dem «Islamischen Staat» (IS) und Al Qaida um die Vorherrschaft im internationalen Jihad und um die Rekrutierung junger radikaler Islamisten gehen, erklärte Peter Neumann, der am Kings College in London über Radikalisierung forscht .

Nach Meinung von Jean-Hervé Jezequel von der Internationalen Krisen-Gruppe in Brüssel könnte der Überfall in Bamako allerdings auch im Zusammenhang mit der im Juni unterzeichneten Friedensvereinbarung für Nordmali stehen, die von Tuareg-Extremisten und Jihadisten abgelehnt wird.