Viele haben Bekannte in der Schweiz

Das Zentrum von Pristina ist überschaubar. Passanten schlendern durch die Fussgängerzone, die im Grunde aus einer einzigen Strasse besteht, die zum Mutter-Teresa-Platz führt. Dort finden Veranstaltungen statt, vor Wochen kam es hier aber auch zu grossen Demonstrationen gegen die neue Regierung.

Sidonia Küpfer
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Das Zentrum von Pristina ist überschaubar. Passanten schlendern durch die Fussgängerzone, die im Grunde aus einer einzigen Strasse besteht, die zum Mutter-Teresa-Platz führt. Dort finden Veranstaltungen statt, vor Wochen kam es hier aber auch zu grossen Demonstrationen gegen die neue Regierung. Kleine Geschäfte und viele Cafés säumen die Strasse, und am Ende prangt das Swiss Diamond Hotel. Das Fünfsternehotel verleiht der sonst sehr einfachen Gegend einen Hauch von Luxus. Für Touristen gibt es nicht viel zu sehen. Ein beliebter Punkt für Erinnerungsfotos ist das Newborn-Denkmal – ein dreidimensionaler Schriftzug des 2008 neugeborenen Kleinstaates, der gerade einmal 1,8 Millionen Bürger zählt.

Tagsüber sind die Cafés gut gefüllt mit vorwiegend jungen Leuten. Arbeit haben die wenigsten. Heiss zu und her geht es nachts. Zum Kochen kommt die Stimmung vor allem, wenn albanische Musik läuft – oder die Songs von Rita Ora, der erfolgreichen Britin mit kosovarischen Wurzeln.

Alle reden von Reisefreiheit

Als Ausländerin wird man herzlich aufgenommen. Im Gespräch mit jungen Leuten kommt man sehr schnell auf ein Thema: Welchen Pass hast du? Wohin bist du schon gereist? Dass Kosovaren ohne Visum nicht in den Schengenraum einreisen können, ist ein allgegenwärtiges Thema. Fast jeder hat einen Bekannten, der in der Schweiz wohnt. 170 000 Menschen mit kosovarischem Hintergrund leben hier, rund acht Prozent der kosovarischen Bevölkerung. Und sie investieren fleissig in ihre Heimat: Die Beiträge machen zwölf Prozent des Bruttoinlandproduktes (BIP) von Kosovo aus, wie Präsidentin Atifete Jahjaga diese Woche in Winterthur erklärte.

Schweiz ist viertgrösster Geber

Die Schweiz engagiert sich seit Jahren finanziell und militärisch. 2014 waren Ausgaben des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) von 22,4 Millionen Franken geplant. Der Löwenanteil der jährlich 65 Millionen Franken fällt auf das Militär: Mit der Swisscoy beteiligt sich die Schweiz an den friedensfördernden Massnahmen der Mission Kosovo Force (Kfor). Die Schweiz ist damit der viertgrösste bilaterale Geber für das junge Land. An der Arbeitslosigkeit von 45 Prozent und geschätzten 75 Prozent bei den unter 25-Jährigen konnte dies aber nichts ändern. Deshalb stand für Präsidentin Jahjaga bei ihrem Schweizbesuch Anfang Woche das Anregen von Investitionen – durch die Schweiz oder durch die Diaspora – im Mittelpunkt.