Viel Lob für Hollande

Noch Anfang Jahr sah es um die Popularität des französischen Präsidenten François Hollande schlecht aus. Doch seit den Terrorattacken punktet er bei seinen Landsleuten wieder.

Stefan Brändle
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PARIS. Es war kein weiterer Terroranschlag, als am Mittwochabend ein dunkles Auto eine wachhabende Polizistin vor dem Elysée-Palast umfuhr. Doch Präsident François Hollande suchte die verletzte Frau noch im Ambulanzfahrzeug auf. Seit ein paar Tagen ist der 60jährige Staatschef überall. Tagsüber war er auf dem in den Persischen Golf auslaufenden Flugzeugträger Charles-de-Gaulle, am Dienstag im Ehrenhof der Pariser Polizeipräfektur. An der Trauerfeier für die drei ermordeten Polizisten der Terroranschläge sagte er mit echter Anteilnahme und ohne falsches Pathos: «Sie haben ihre Mission mit Mut, Bravour und Würde erfüllt, sie sind tot, damit wir in Freiheit leben können.»

Wie zuvor in einer Pariser Synagoge fand er auch gestern im Arabischen Institut die richtigen Worte für die französischen Moslems: Er stellte sich schützend vor sie, «die ersten Opfer von Fanatismus, Fundamentalismus und Intoleranz». Zugleich erinnerte er sie aber auch an «die Werte, die nicht verhandelbar sind und es nie sein werden, wie Freiheit und Demokratie».

Souverän hatte Hollande auch die Grosskundgebung vom Sonntag angeführt. Ruhig und gefasst schritt er voran, während sich hinter ihm sein politischer Gegner Nicolas Sarkozy wie ein Schulbub ins vordere Glied drängte.

Aus dem Umfragetief

Natürlich steht die Rolle des betroffenen und versöhnlichen Staatsoberhauptes jedem Politiker gut an. Die Franzosen zeigen sich aber erkenntlich: In einer neuen Umfrage erklären 88 Prozent, Hollande habe seine Aufgabe gut gemeistert. Das ist das gegenteilige Ergebnis früherer Umfragen, in denen der seit zweieinhalb Jahren amtierende Präsident auf zwölf Prozent Sympathiepunkte abgesackt war und Gegenstand eines eigentlichen «Hollande-Bashings» wurde: Bei öffentlichen Auftritten zog mehrmals ein Kleinflugzeug ein Transparent mit der Aufschrift «Hollande démission» über ihn her, und auf Internet blühten Seiten wie «Ich bin dumm, ich habe für Hollande gestimmt».

Seine Beliebtheitswerte sind mittlerweile wieder auf 20 Prozent gestiegen, in einem Fall sogar auf 29 Prozent. Für Hollande ist das schon viel, sehr viel. Sogar Sarkozy musste widerwillig einräumen, Hollande habe «getan, was zu tun war». Auch die Zeitung «Le Monde» lobt das präsidiale Auftreten «sans faute», also ohne Fehl und Tadel. Der bekannte Kolumnist Alain Duhamel schaut bereits weiter und meint, für Hollande sei «das Schlimmste nicht mehr sicher». Damit meint er, der sozialistische Staatschef habe bei den Präsidentschaftswahlen 2017 vielleicht doch wieder eine Chance.

Das muss sich noch weisen. Die Gründe für das Hollande-Tief sind geblieben: Die Wirtschaftsflaute lässt die Arbeitslosigkeit weiter steigen, und der Präsident machte auch bei seinem letzten grossen TV-Auftritt Anfang Monat einen hilflosen Eindruck. Die Terroranschläge könnten zudem eine neue gesellschaftliche Front – neben der ökonomischen – öffnen.

Rechtsopposition wartet schon

Hollande erklärte deshalb am Mittwoch, er wolle nun auch den geplanten Abbau der Streitkräfte «überdenken». Was er nicht sagte: Die Verkleinerung der Armee um 34 000 Soldaten bis 2019 hatte er in den letzten Jahren selber vorangetrieben. Die Rechtsopposition wird Hollande darauf hinweisen, wenn die Zeit der «nationalen Einheit» abgelaufen ist. Das wird nicht lange auf sich warten lassen. Aber Hollande hat nun doch klar gemacht, dass er seinen Mann stehen kann – und seinen rechten Widersachern Sarkozy und Le Pen das Feld nicht kampflos überlassen wird.

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