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Venezuela: Verwirrung um vermeintliches Attentat auf Maduro

Bei einer Rede von Staatschef Nicolás Madura in Caracas ist es zu einer Explosion gekommen. Die Hintergründe sind unklar. Maduro beschuldigt den kolumbianischen Präsidenten Juan Manuel Santos, hinter dem Attentat zu stecken.
Sandra Weiss, Puebla
Sicherheitskräfte schützen Nicolás Maduro mit schusssicheren Decken. (Bild: Xinhua, Caracas, 4. August 2018)

Sicherheitskräfte schützen Nicolás Maduro mit schusssicheren Decken. (Bild: Xinhua, Caracas, 4. August 2018)

«Das ist der Moment der wirtschaftlichen Erholung», verspricht Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro, als plötzlich ein Knall zu hören ist. Es ist Samstag, 17.41 Uhr, Maduro spricht vor der Nationalgarde auf der Avenida Bolivar in Caracas. Ein hilfloser Blick nach oben, Bodyguards stürmen auf die Bühne und breiten ihre Schutzschirme aus. Die Kamera des Staatsfernsehens schwenkt weg von der Tribüne in die Totale, wo noch Normalität herrscht. Dann 20 Sekunden später noch ein Knall, und die in strammer Formation aufgestellten Soldaten ergreifen planlos die Flucht. Der Staatssender blendet ab, und dann ist Schluss mit der Übertragung.

Keine zwei Stunden später tritt Maduro gefasst im Fernsehen auf und spricht von einem Sprengstoffanschlag mit zwei Drohnen. Sieben Militärs wurden seinen Angaben zufolge dabei verletzt. «Heute haben sie versucht, mich umzubringen. Sie sind wieder gescheitert. Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos steckt dahinter», behauptet er, «zusammen mit Ultrarechten aus Kolumbien, Venezuela und den USA.» Mehrere Verdächtige seien festgenommen worden, alle Beweise gesichert. Maduro droht den Verantwortlichen mit «Höchststrafen ohne Pardon».

Doch eine Gasexplosion?

Journalisten, die sich in der Nähe der Tribüne aufgehalten hatten oder kurz danach am Tatort eintrafen, wurden festgenommen, gefilzt und ihr Material konfisziert. Santos liess über soziale Netzwerke ausrichten, er sei mit der Taufe seiner Enkelin beschäftigt, nicht damit, andere Regierungen zu stürzen. Kolumbiens scheidender Staatschef gehört zu den dezidiertesten Kritikern des venezolanischen Sozialismus. Das Nachbarland hat mit dem Grossteil des Flüchtlingsstroms aus Venezuela zu kämpfen. Erst vor wenigen Tagen erteilte Santos einer halben Million venezolanischer Migranten ein Bleiberecht.

Die Nachrichtenagentur AP vermeldete kurz nach dem Ereignis unter Berufung auf Feuerwehrleute, bei dem Vorfall habe es sich um eine Gasexplosion in einer Wohnung in der Nähe gehandelt und untermauerte die Hypothese mit entsprechenden Bildern. Auf ihnen sind Ermittler zu sehen, die mit gelben Dreiecken mehrere Fundstücke auf dem Vordach vor dem Appartement sichern. Nach Angaben des Portals «Efecto Cocuyo» handelt es sich um eine Wohnung in der Avenida Lecuna, einen Block von der Tribüne entfernt. Die Polizei vermeldete, in dem Appartement seien Fragmente der Drohnen und Sprengstoffreste gefunden worden. Ein Soldat, der an der Veranstaltung teilnahm, erklärte derweil der spanischen Zeitung «El País», er habe keine Drohne gesehen und keine Schüsse gehört.

Am Abend bekannten sich gleich zwei Gruppen von Offizieren und Soldaten zum Attentat. Auf ­Twitter erklärte eine «Nationale ­Bewegung T-Shirt-Soldaten», sie habe zwei mit Plastiksprengstoff C4 beladene Drohnen auf die Rednertribüne zugesteuert, sie seien aber von Scharfschützen abgeschossen worden.

Angst vor Attentat geschürt

Medien wurde ein anonymes Bekennerschreiben von angeblichen Offizieren zugespielt, in dem es hiess, die Operation Phoenix habe nicht geklappt. «Aber unser Kampf geht weiter, um die Un­abhängigkeit, Souveränität und öffentliche Ordnung wiederherzustellen», hiess es. Die Regierung verletze systematisch die Verfassung und die Demokratie, so die Bekenner. Es gehe ihnen darum, dass die Bevölkerung wieder etwas zu essen bekomme, die Kranken Medikamente und das Geld wieder einen Wert habe.

Venezuela-Experte Phil Gunson von der Crisis Group wollte ein inszeniertes Attentat nicht ausschliessen, «um Maduros Behauptungen von Verschwörungen zu untermauern». In den letzten Tagen, in denen sich Demonstrationen und Streiks gegen die Mangelwirtschaft häuften, hatten ­Regierungsanhänger in sozialen Netzwerken die Furcht vor Attentaten angeheizt. «Egal, was die Wahrheit hinter dieser Geschichte ist, das Regime wird sie dazu nutzen, hart gegen Gegner vorzugehen und die Repression aus­zuweiten», sagt Eric Farnsworth, Lateinamerika-Experte vom Coun­cil of the Americas.

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