Weltkrieg II
Versöhnung, aber keine Entschuldigung: Japans Präsident besucht Pearl Harbor

Shinzo Abe besucht als erster japanischer Regierungschef den US-Stützpunkt auf Hawaii. Damit wolle er eine Botschaft der Versöhnung aussenden, kündigte er vorher an. Entschuldigen für den Angriff auf Pearl Harbor will er sich jedoch nicht.

Felix Lee, Peking
Drucken
Teilen
Japans Premier Shinzo Abe und Verteidigungsministerin Tomomi Inada vor dem Flug nach Hawaii.akumi Sato/keystone

Japans Premier Shinzo Abe und Verteidigungsministerin Tomomi Inada vor dem Flug nach Hawaii.akumi Sato/keystone

KEYSTONE

Offiziell entschuldigen will sich der japanische Regierungschef Shinzo Abe für die Attacke seines Landes auf Pearl Harbor vor 75 Jahren weiterhin nicht. Schliesslich hat das US-Präsident Barack Obama bei seinem Besuch in Hiroshima auch nicht getan. Und doch gelten beide Besuche als Meilenstein in der Vergangenheitsbewältigung beider Staaten. «Wir wollen eine Botschaft der Versöhnung aussenden», kündigte Abe vor seinem Besuch auf dem US-Militärstützpunkt an.

Als erster japanischer Regierungschef seit Ende des Zweiten Weltkriegs wird Abe heute Dienstag den US-Militärstützpunkt Pearl Harbor in Hawaii besuchen. Begleitet wird er von US-Präsident Barack Obama. Abe wolle «der Soldaten auf beiden Seiten des Pazifiks gedenken». Wie das Weisse Haus in Washington mitteilte, wollen die beiden Oberhäupter an der Gedenkstätte Blumen niederlegen. Unter den Anwesenden werden auch Überlebende des Angriffs und Veteranen aus dem Pazifik-Krieg sein.

Pearl Harbor: Der Tag der Schande
6 Bilder

Pearl Harbor: Der Tag der Schande

Akihito war 2009 in Pearl Harbor

Es handelt sich um eine Art Gegenbesuch. Ebenfalls als ein Zeichen der Versöhnung besuchte Obama im vergangenen Mai Hiroshima, um dort der Opfer der Atombombe zu gedenken, die die USA im August 1945 auf die japanische Hafenstadt abgeworfen hatten. Mehr als 100 000 Menschen kamen dabei ums Leben. Nachdem die USA wenige Tage später eine weitere Atombombe auf Nagasaki abwarfen, kapitulierte der japanische Kaiser.

US-Präsident Obama besucht Hiroshima
17 Bilder
1945 wurde die Stadt durch den Abwurf einer Atombombe verwüstet – heute gedenkt ein Friedensdenkmal dem tragischen Ereignis.
Der Helikopter des US-Präsidenten über der «Atombombenkuppel» im Friedenspark von Hiroshima.
US-Präsident Barack Obama und Japans Premierminister Shinzo Abe.

US-Präsident Obama besucht Hiroshima

Keystone

Zwar hatte Japans derzeitiger Kaiser Akihito die Gedenkstätte von Pearl Harbor 2009 besucht und einen Kranz niedergelegt. Aber auch er hatte sich nicht bei den Amerikanern entschuldigt.

Anders als etwa Deutschland haben die Japaner eine intensive Aufarbeitung ihrer Gräueltaten während des Zweiten Weltkriegs stets vermieden. Bis heute bestreiten grosse Teile der japanischen Bevölkerungen etwa auch die Kriegsverbrechen, die die japanische Armee an Chinesen oder Koreanern begangen hatte.

Der Angriff auf Pearl Harbor

Der Angriff japanischer Kampfflugzeuge am 7. Dezember 1941 auf den US-Flottenstützpunkt Pearl Harbor löste den Eintritt der Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg aus. Die amerikanische Luftüberwachung erspähte an jenem Morgen kurz vor 8 Uhr auf ihren Radarschirmen Kampfjets. Der diensthabende Offizier dachte zunächst, es handle sich um eigene Flieger, die vom amerikanischen Festland kamen. Die USA befanden sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht im Krieg.
Stattdessen griffen in zwei Wellen 360 japanische Flugzeuge den Hauptstützpunkt der US-Pazifikflotte an. Insgesamt 2403 Amerikaner kamen ums Leben. (Fle)

Für Japan eine Sensation

Dass mit Abe nun ausgerechnet ein Rechtskonservativer als erster japanischer Regierungschef Pearl Harbor offiziell einen Besuch abstattet, gilt für japanische Verhältnisse als eine Sensation. Das weiss auch die Administration des scheidenden US-Präsidenten Barack Obama zu würdigen. Abes Besuch werde zeigen, wie Feinde zu Verbündete werden, heisst es aus dem Weissen Haus.

Der Besuch der beiden Staatsoberhäupter soll demonstrieren, dass die beiden Länder in der Lage sind, gemeinsam auch einen solch tragischen Abschnitt in der Geschichte zu überwinden, sagte der Sprecher weiter. Obama werde die Kraft der Versöhnung der beiden Länder und die Wichtigkeit der Allianz zwischen den USA und Japan noch einmal explizit hervorheben.

Für Obama wird es das letzte Treffen mit einem ausländischen Regierungschef sein, bevor er Ende Januar von Donald Trump abgelöst wird. Japan sieht mit dem Republikaner als US-Präsidenten unsicheren Zeiten entgegen. Trump hat bereits angekündigt, Japan den Schutz vor China, Russland und Nordkorea durch die US-Armee aufzukündigen.

Aktuelle Nachrichten