VERHANDLUNGEN: Neuer Anlauf für Wiedervereinigung

Die Zypern-Gespräche sollen noch diesen Monat in Genf fortgesetzt werden. Darauf einigten sich die Vertreter der beiden Volksgruppen.

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Blickt man in die Gesichter, wird offenbar alles gut. Beim gemeinsamen Händedruck der beiden zyprischen Volksgruppenführer mit UNO-Generalsekretär António Guterres sah man am Sonntagabend in New York zufriedene Mienen. Am meisten schien sich Guterres zu freuen, dem es gelungen war, den griechischen Inselpräsidenten Nikos Anastasiades und den türkischen Volksgruppenchef Mustafa Akinci nach jüngsten Zerwürfnissen zu einer Wiederaufnahme ihrer Friedensbemühungen zu überreden. Die Verhandlungen sollen noch im Juni in Genf fortgesetzt werden.

In Akincis Gesichtszügen glaubte man allerdings bei dem Medienauftritt des Trios noch etwas Skepsis zu lesen. Tatsächlich bedeutet die Wiederaufnahme der Gespräche keineswegs, dass nun eine Lösung der Zypernfrage in Reichweite ist. Die von ethnischen Griechen und Türken besiedelte Insel ist geteilt, seit die Türkei im Sommer 1974 den Nordteil besetzte, um eine geplante Annektierung Zyperns durch die damalige Athener Obristenjunta zu verhindern.

Von allen bisher unternommenen Versuchen zu einer Wiedervereinigung, gelten die im Mai 2015 zwischen Anastasiades und Akinci aufgenommen Verhandlungen als bisher aussichtsreichster Anlauf. Beide Politiker sind engagierte Befürworter einer Lösung. Ziel ist ein Bundesstaat mit weitgehender Selbstverwaltung der beiden Volksgruppen. Die Verhandlungen sind weit gediehen. Es bleiben aber Differenzen in wichtigen Punkten. Grösste Hürde ist das Thema Sicherheit und Garantien. Akinci und die Regierung in Ankara bestehen darauf, dass die Türkei auch künftig Garantiemacht Zyperns bleibt – zum Schutz der türkischen Minderheit, die etwa ein Fünftel der Inselbevölkerung stellt.

Bei dieser Frage geht es auch um die Zukunft der mehr als 30 000 türkischen Besatzungstruppen im Norden der Insel. Die griechische Seite fordert ihren Abzug. Als EU-Staat brauche Zypern auch keine Garantiemächte, argumentiert Präsident Anastasiades. Für die Inselgriechen ist das ein heikles Thema, denn mit ihrer Rolle als Garantiemacht begründete die Türkei 1974 die Invasion.

Gerd Höhler, Athen