Verhandeln – aber bitte ohne Tabu

Von Irak über Syrien und Libanon bis nach Jemen wird Krieg geführt. Ein direkter Krieg gegen die Jihadisten des «Islamischen Staates» (IS), aber auch Stellvertreter-Kriege regional engagierter internationaler Mächte.

Walter Brehm
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Von Irak über Syrien und Libanon bis nach Jemen wird Krieg geführt. Ein direkter Krieg gegen die Jihadisten des «Islamischen Staates» (IS), aber auch Stellvertreter-Kriege regional engagierter internationaler Mächte. Der Machtkampf zwischen Iran und Saudi-Arabien wird als Religionskrieg zwischen sunnitischen und schiitischen Moslems bemäntelt – mit verbaler oder militärischer Schützenhilfe aus Moskau, Teheran und Washington.

In Syrien und Irak sind die USA direkt militärisch involviert, sie führen eine Staatenallianz im Luftkrieg gegen das IS-Kalifat und haben zudem in Irak gerade ihr Kontingent von «Militärberatern» aufgestockt. In Jemen muss die saudi-arabische Luftwaffe gerade erkennen, dass ihr Bombenkrieg nach US-Vorbild gegen die schiitischen Huthi-Rebellen nicht zu gewinnen ist. Dieser Erkenntnis verschliesst sich Washington in Irak und Syrien noch. Im US-Wahlkampf um die Nachfolge Barack Obamas wird sich aber trefflich über den Einsatz von US-Kampftruppen streiten lassen.

Tabu bleibt bis dato in Washington, dass Saudi-Arabien mit seiner wahhabitisch-salafistischen Staatsreligion den Jihad-Terroristen des IS und der Al Qaida das ideologische Rüstzeug für ihre blutigen Feldzüge liefert – und dass Teheran dieses vor allem in Irak und Syrien benützt, um schiitische Kämpfer zu stützen, die den IS-Jihadisten an Brutalität kaum nachstehen. Solange dieses politische Tabu nicht angetastet wird, hat eine politische Konfliktlösung weder in Jemen noch in Syrien oder Irak eine Chance.

walter.brehm@tagblatt.ch