Verbrechen fordern mehr Opfer als Krieg

genF. Gewaltverbrechen fordern weltweit mehr Menschenleben als Kriege. Sie haben wirtschaftliche Verluste in Milliardenhöhe zur Folge. Minister aus über 60 Staaten haben in Genf über die Verringerung bewaffneter Gewalt diskutiert.

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Gewaltverbrechen fordern einen hohen Tribut. Jährlich sterben mindestens 490 000 Menschen durch bewaffnete Gewalt ausserhalb von Konfliktgebieten, heisst es in einem gestern publizierten Bericht des UNO-Entwicklungsprogramms (UNDP) und der in Genf ansässigen Forschungsgruppe Small Arms Survey.

Verbrechen kosten Milliarden

Zu den menschlichen Verlusten kommen in den 90 untersuchten Ländern ausserdem wirtschaftliche Ausfälle in Form von Produktionseinbussen zwischen 95 und 163 Milliarden Dollar. Am schwersten betroffen sind dem Bericht zufolge die USA mit schätzungsweise etwa 45 Milliarden Dollar. Den Berechnungen liegen unter anderem Kosten für medizinische Versorgung, Gerichtsverfahren und Verdienstausfälle zugrunde. Jedes der Todesopfer hätte weiterhin ein produktives Mitglied der Gesellschaft sein können, sagte Achim Wennmann von Small Arms Survey. Ihr gewaltsamer Tod sei damit als wirtschaftlicher Verlust messbar.

Die Daten für die meisten der untersuchten Länder stammen aus dem Jahr 2004, für Nordamerika liegen aktuelle Zahlen von 2007 vor. Zu den Ländern mit den meisten Gewaltverbrechen gehören aber Kolumbien, El Salvador, Guatemala, Jamaika und Südafrika. Insgesamt wird die Zahl der Toten im Zusammenhang von bewaffneten Konflikten und Kriminalität auf jährlich mehr als 740 000 beziffert.

Schweizer Initiative

An dem von der Schweiz und dem UNDP einberufenen Treffen zur «Genfer Erklärung» haben Regierungsvertreter aus über 60 Staaten Massnahmen geprüft, um die Auswirkungen bewaffneter Gewalt zu verringern. Bundesrätin Micheline Calmy-Rey sagte, bewaffnete Gewalt sei das grösste Hindernis zur Verwirklichung der Millenniums-Entwicklungsziele. (ap)

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