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Verbot der Gay Pride in Istanbul durchgesetzt

ISTANBUL. Mit einem massiven Polizeiaufgebot hat die türkische Regierung gestern ein Verbot der jährlichen Schwulen- und Lesbenparade in Istanbul durchgesetzt.
Jürgen Gottschlich
Verhaftung an der Gay Pride. (Bild: epa)

Verhaftung an der Gay Pride. (Bild: epa)

ISTANBUL. Mit einem massiven Polizeiaufgebot hat die türkische Regierung gestern ein Verbot der jährlichen Schwulen- und Lesbenparade in Istanbul durchgesetzt. Hunderte Polizisten bewachten den zentralen Taksim-Platz und säumten den Istiklal-Boulevard, wo die Gay Pride eigentlich stattfinden sollte. Rund 20 Wasserwerfer waren an allen Ecken der Istiklal-Strasse positioniert. Bis zum Nachmittag wagten sich denn auch nirgendwo Abordnungen der Schwulenverbände auf die Strasse. Zu sehen waren lediglich einige Regenbogenfahnen an den Eingängen zu einschlägigen Cafés und Bars in den Seitenstrassen der Istiklal.

Drohungen im Vorfeld

Bereits am Samstag hatten die Veranstalter der Gay Pride beschlossen, dass sie nicht versuchen werden, ihre Parade trotz Verbots durchzuführen. Zu gross war die Angst vor gewaltsamen Auseinandersetzungen. Denn nicht nur hatte die Stadtverwaltung unter Verweis auf den derzeitigen Fastenmonat Ramadan die Veranstaltung verboten – islamistische und nationalistische Organisationen hatten im Vorfeld auch öffentlich verkündet, sie würden die Gay Pride gewaltsam angreifen, sollte der Staat den Marsch zulassen.

Vor Wochenfrist war eine Gruppe von Schwulen und Lesben angegriffen worden, als sie auf der Istiklal-Strasse eine Solidaritätsbotschaft für die Opfer des Angriffs auf die Schwulen-Disco in Orlando verlesen wollten.

Hasserfülltes Klima

Von den Freiräumen, die sich die Schwulenbewegung im Zuge der Gezi-Proteste im Jahr 2013 erkämpft hatte, ist aktuell nichts mehr zu sehen. Immer mehr bestimmen Islamisten das Klima. Schon vor zehn Tagen war ebenfalls unweit der Istiklal-Strasse ein Plattenladen von Islamisten überfallen worden. Die dort versammelten jungen Leute wurde von islamistischen Schlägern übel verprügelt, einer sogar lebensgefährlich verletzt. Ihr Vergehen: Sie hatten es gewagt, während des Ramadan Musik zu hören und Bier zu trinken.

Präsident Recep Tayyip Erdogan verurteilte den Angriff zwar, gab aber auch den Opfern die Schuld, weil sie sich im Ramadan ungehörig benommen hätten.

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