Vatikan-Maulwurf mit Sex-Appeal

Ihr Bild prangte diese Woche auf den Titelseiten aller italienischer Zeitungen: Francesca Immacolata Chaouqui, 33 Jahre alt, schwarze Haare, dunkle Mandelaugen.

Dominik Straub/Rom
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Francesca Immacolata Chaouqui Ex-Vatikan-Mitarbeiterin (Bild: twitter)

Francesca Immacolata Chaouqui Ex-Vatikan-Mitarbeiterin (Bild: twitter)

Ihr Bild prangte diese Woche auf den Titelseiten aller italienischer Zeitungen: Francesca Immacolata Chaouqui, 33 Jahre alt, schwarze Haare, dunkle Mandelaugen. Von Juli 2013 bis Mai 2014 hatte die PR-Fachfrau im Vatikan gearbeitet: Sie war Mitarbeiterin der von Papst Franziskus eingesetzten Kommission zur Durchleuchtung der vatikanischen Finanzen (Cosea) – und hatte damit Zugang zu brisantesten Informationen.

Mitteilsam auf vielen Kanälen

Die Anhängerin des erzkonservativen Opus Dei war am Wochenende im Vatikan festgenommen und nach einer Nacht – wegen fehlender Fluchtgefahr und kooperativen Verhaltens – wieder freigelassen worden. Laut dem vatikanischen Staatsanwalt hatte sie, zusammen mit dem 20 Jahre älteren spanischen Kurienprälaten Lucio Angel Vallejo Balda, vertrauliche Dokumente der Cosea an zwei italienische Journalisten weitergereicht. Chaouqui nannte sich unschuldig – vielmehr habe sie ihren Gönner und Förderer Vallejo Balda von seinem Geheimnisverrat abbringen wollen.

Seither wird gerätselt, wie die in Kalabrien als Tochter eines Marokkaners und einer Italienerin geborene Chaouqui zu ihrem Posten in einer derart heiklen Kommission wie der Cosea kommen konnte. Sie war die einzige Frau und jüngstes Mitglied des Gremiums. Und das mitteilsamste: Auf Twitter plauderte sie umgehend aus dem Nähkästchen. Etwa, dass der frühere vatikanische Staatssekretär Tarcisio Bertone «korrupt» sei. Oder dass der emeritierte Papst Benedikt an Leukämie leide. Zumindest letzteres ist nachweislich falsch.

Zwischendurch leistete sie sich einen homophoben Ausfall und lästerte über die «widerwärtige Pseudoliebe von Leuten, die aus Egoismus ein Kind wollen». Chaouqui behauptete, ihr Twitter-Account sei gehackt worden. Sie machte aber auch Schlagzeilen mit freizügigen Fotos auf Facebook. Der US-Verein Go-Topless lobte, sie sei die einzige Vatikan-Angestellte, die ihren nackten Oberkörper zeige. Das Kompliment hat ihr im Kirchenstaat nicht geschadet; sie knüpfte laufend neue Kontakte: Als Mitglied der Cosea hatte sie auch Zugang zur Mensa des vatikanischen Pilgerheims Santa Marta, in dem der Papst wohnt. Sie ist dort laut Medien «ein- und ausgegangen».

Wegen Party in Ungnade gefallen

Im April 2014 aber fiel sie – mit Vallejo Balda – bei Franziskus in Ungnade. Die beiden hatten an der Heiligsprechung Johannes Pauls II. auf der Dachterrasse der vatikanischen Finanz- und Wirtschaftsbehörde einen opulenten Empfang für 150 handverlesene VIP-Gäste organisiert. Das entsprach nicht dem Bild einer armen Kirche für die Armen, die dem Pontifex vorschwebt. Vallejo Balda wurde in der Folge bei der Besetzung eines Chefpostens im neugeschaffenen zentralen Wirtschaftsamt übergangen. Für Chaouqui gab es nach der Auflösung der Cosea im Mai 2014 keinen Posten mehr im Kirchenstaat.