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USA/TÜRKEI: Wo ist Reza Zarrab?

Ein New Yorker Strafprozess könnte Recep Tayyip Erdogan in Bedrängnis bringen. Es gibt Anhaltspunkte, dass er von heiklen Embargo-Geschäften profitiert hat.

Je näher der 27. November rückt, desto unruhiger werden manche Leute in Ankara. In zehn Tagen beginnt in New York der Prozess gegen den iranisch-türkischen Geschäftsmann Reza Zarrab. Er wird beschuldigt, mit dubiosen Gold- und Geldtransfers zwischen der Türkei und dem Iran das US-Embargo gegen Teheran unterlaufen zu haben.

Zugleich ist Zarrab eine Schlüsselfigur im Korruptionsskandal, der Ende 2013 die Regierung des damaligen Premierministers und heutigen Staatschefs Recep Tayyip Erdogan erschütterte. Zwischen den Embargoverstössen und der Bestechungsaffäre gibt es offenbar Verbindungen. Packt Zarrab jetzt vor Gericht aus? Dafür gibt es immer mehr Anzeichen. Entsprechend steigt die Nervosität in Ankara. Zarrab war mit Frau und Tochter auf dem Weg nach Disney World, als er im März 2016 auf dem Flughafen Miami festgenommen wurde. Seither sass er in New York in Untersuchungshaft. Ihm könnten bei einer Verurteilung mehrere Jahrzehnte Haft drohen.

Staatlicher Bankmanager ebenfalls in Haft

Seit Monaten bemüht sich die türkische Regierung um eine Freilassung Zarrabs und die Einstellung des Verfahrens. Sogar Erdogan persönlich setzte sich in Gesprächen mit US-Präsident Donald Trump und dessen Vorgänger Barack Obama für Zarrab ein. Dafür gibt es Gründe. Die US-Ankläger interessieren sich zunehmend für die Verbindungen Zarrabs zu Erdogan.

Es gibt offenbar Anhaltspunkte, dass Zarrab den Premier über seine Iran-Transaktionen informierte und dessen Unterstützung suchte. Nach Erkenntnissen der Ermittler soll Zarrab 5,4 Millionen Dollar an eine Stiftung gezahlt haben, die eng mit Erdogans Familie verbunden ist. Wegen angeblicher Verwicklung in die Iran-Geschäfte sitzt inzwischen auch ein Top-Manager der staatlichen türkischen Halk Bank in den USA in Untersuchungshaft: Hakan Atilla wurde im März dieses Jahres am Kennedy-Flughafen in New York festgenommen. Im Zusammenhang mit der Affäre hat die US-Justiz inzwischen überdies Haftbefehl gegen Erdogans früheren Wirtschaftsminister Zafer Caglayan erlassen.

Anwältin hat keinen Kontakt mehr zum Angeklagten

Der Fall Zarrab zieht also immer weitere Kreise. Und nun ist der Untersuchungshäftling auch noch verschwunden. Er wurde laut offizieller Mitteilung am 8. November aus dem Bundesgefängnis entlassen. Seine türkische Anwältin Seyda Yildirim hält es für möglich, dass Zarrab «woanders» untergebracht wurde – weil er möglicherweise als Kronzeuge geschützt wird? Sie habe jedenfalls keinen Kontakt mehr zu ihrem Mandanten, sagte die Anwältin am Mittwoch der Zeitung «Hürriyet». Auch der Anwalt des mitangeklagten Halk-Managers Atilla berichtet, Zarrab arbeite schon seit einiger Zeit nicht mehr mit der Verteidigung zusammen.

Hat der 34-jährige Zarrab einen Deal mit den Anklägern gemacht? Wird er in der Hoffnung auf eine milde Strafe vor Gericht auspacken und die Hintergründe der Iran-Transaktionen sowie die mögliche Verwicklung politischer Amtsträger enthüllen? Dann könnte aus dem Fall Zarrab ganz schnell ein Fall Erdogan werden.

Gerd Höhler, Athen

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