USA wollen Spion freilassen

Wegen Spionage für Israel war Jonathan Pollard in den USA zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Nun soll er begnadigt werden. Israelische Politiker streiten einen Zusammenhang mit dem Iran-Abkommen ab.

Susanne Knaul
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Gilt in der jüdischen Bevölkerung in Israel als Held: Der Spion Jonathan Pollard. (Bild: epa/Abir Sultan)

Gilt in der jüdischen Bevölkerung in Israel als Held: Der Spion Jonathan Pollard. (Bild: epa/Abir Sultan)

JERUSALEM. In einigen Monaten, vielleicht sogar früher, könnte Jonathan Pollard ein freier Mann sein. Seit 30 Jahren sitzt der Amerikaner hinter Gittern. Wegen Spionage für Israel war er in den USA zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Pollard war wiederholt als Pfand gehandelt worden, um die Regierung in Jerusalem zu Kompromissen im Friedensprozess mit den Palästinensern zu ermuntern. Die Vermutung des «Wall Street Journals», das Weisse Haus versuche, mit der Entlassung Pollards die Stimmung in Israel zu besänftigen, die mit Unterzeichnung des Iran-Abkommens einen Tiefpunkt erreichte, wollte in Jerusalem niemand bestätigen. «Im Fall von Pollard geht es um Gerechtigkeit und Gnade», kommentierte der Knesset-Abgeordnete Michael Oren, ehemals israelischer Botschafter in den USA, «beim Atomabkommen und Sicherheit und Überleben.»

Warnung vor Präventivschlag

Die Regierungen in Washington und Jerusalem ziehen in verschiedene Richtungen bei ihren Bemühungen, Einfluss auf den US-Kongress zu gewinnen, der in wenigen Wochen über das Iran-Abkommen entscheiden soll. US-Aussenminister John Kerry schlug einen ungewohnt scharfen Ton an und warnte Israel vor einem unilateralen Präventivschlag gegen iranische Atomanlagen. Gegenüber NBC warnte Kerry von dem «Fehler, der tiefgreifende Konsequenzen für Israel und die gesamte Region» haben würde.

Gesundheitlich angeschlagen

Jonathan Pollard wäre nach 30jähriger Haftzeit ohnehin Kandidat für eine Begnadigung. «Noch gibt es keine offizielle Erklärung über den Zeitpunkt seiner Entlassung», erklärte Anne Pollard, die geschiedene Frau des 60-Jährigen, in einem Interview mit dem israelischen Channel 2. Der Häftling könnte am 21. November freikommen, sollte die US-Regierung keine Einwände dagegen erheben.

Nie zuvor ist ein Amerikaner, der für einen alliierten Staat spionierte, so schwer bestraft worden. Pollard hat sich während seiner Haftzeit nichts zuschulden kommen lassen, er birgt heute keine Gefahr mehr für die USA und ist zudem gesundheitlich angeschlagen. Jahrzehntelang belastete die Affäre die bilateralen Beziehungen. Die in den USA lebenden Juden sahen sich konfrontiert mit der doppelten Loyalität, und innerhalb Israels kam es zu heftigen Kontroversen über die nebulösen Hintergründe des Falls.

Jonathan Pollard selbst behauptete, von Rafi Eitan, dem damaligen Chef des israelischen Geheimdienstes, im Stich gelassen worden zu sein. Das Ehepaar hatte, als sich der Verdacht verdichtete, Zuflucht in der israelischen Botschaft gesucht, war dann aber offenbar auf Anweisung Eitans an den FBI ausgeliefert worden. Erst 1995, zehn Jahre nach Pollards Verurteilung, gewährte ihm Israel die Staatsbürgerschaft. Im gleichen Jahr brachte das Cameri-Theater in Tel Aviv ein Schauspiel mit der Geschichte des Spions auf die Bühne. Nach der Vorstellung standen die Zuschauer Schlange, um einen Appell für Pollards Entlassung zu unterzeichnen. In der jüdischen Bevölkerung Israels gilt er als Held.

Grosse Summen vom Mossad

Pollard war Mitarbeiter des amerikanischen Marine-Nachrichtendienstes und begann 1983 auf eigene Initiative Israel geheime Informationen zu liefern. Laut www.jonathanpol lard.org ging es dabei um die Aufrüstung mit Raketen und mit unkonventionellen Waffen, die von «Syrien, Irak, Libyen und Iran» aus gegen Israel hätten eingesetzt werden können. Eine polygraphische Untersuchung des FBI habe später bewiesen, dass Pollard «aus ideologischen Motiven» heraus handelte. Israelischen Informationen zufolge erhielt er in den weniger als zwei Jahren seiner Spionagetätigkeit grosse Summen vom Mossad. «Pollard hat sich das Recht auf Freiheit verdient», kommentierte der Knesset-Abgeordnete Nachman Schai. «Er wird jetzt entlassen werden.»