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USA verzichten auf Manöver

Donald Trump prescht vor und sagt die Truppenübungen mit seinen militärischen Bündnispartnern in Südkorea ab. Bislang folgten jedoch keine erkennbaren Entspannungsschritte aus Nordkorea.
Angela Köhler, Tokio
Bilder wie diese von gemeinsamen koreanisch-amerikanischen Truppenübungen südlich von Seoul wird man diesen Sommer nicht sehen. (Bild: Jeon Heon Kyun/EPA; 31. März 2014)

Bilder wie diese von gemeinsamen koreanisch-amerikanischen Truppenübungen südlich von Seoul wird man diesen Sommer nicht sehen. (Bild: Jeon Heon Kyun/EPA; 31. März 2014)

US-Präsident Donald Trump hält seine Zusagen vom Singapur-Gipfel ein. Das Pentagon teilte gestern mit, in diesem Jahr werde das für August geplante amerikanisch-südkoreanische Manöver «Ulchi Freedom Guardian» als Zeichen des Entspannungswillens abgesagt. Damit kommt Washington Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un entgegen. Der Diktator ist unterdessen zu einem zweitägigen Besuch in Peking eingetroffen, um sich dort weitere Rückendeckung zu holen. Bislang gibt es keine Anzeichen, dass Pjöngjang konkrete Schritte zur atomaren Abrüstung eingeleitet hat.

Das Verteidigungsministerium in Seoul hat die amerikanische Entscheidung kurz und kommentarlos bestätigt. Dies sei ein Beschluss, um die Dialogbemühungen mit Nordkorea zu verstärken, und sei in «enger Kooperation» mit Südkorea erfolgt. Es gäbe jedoch noch keine Festlegungen über andere geplante Militärübungen, wurde lediglich mitgeteilt. Die USA haben im Süden der Koreanischen Halbinsel etwa 28500 Soldaten stationiert, die regelmässig mit den Verbündeten in der Region militärisch trainieren. Im vergangenen Jahr waren an dem Manöver «Ulchi Freedom Guardian» 17500 US-Militärs sowie An­gehörige der Streitkräfte aus Australien, Neuseeland, Kanada, Dänemark, den Nieder­landen, Grossbritannien und Kolumbien beteiligt gewesen.

Einflussnahme aus Peking

Bei dieser Militärübung wird in unterirdischen Bunkern südlich von Seoul mit Computersimulationen die Abwehr eines nordkoreanischen Angriffs geübt. Das Pentagon betont stets den defensiven Charakter dieser Übung. Nach dem Singapur-Gipfel mit Kim Jong Un hatte Donald Trump solche «Kriegsspiele» als «provokativ, unangemessen und kostspielig» bezeichnet und den Stopp in Aussicht gestellt. Das war mit Südkorea nicht abgesprochen und hatte für erheb­liche Irritationen vor allem in Japan gesorgt. Tokio wünscht unter allen Umständen eine Fortsetzung der gemeinsamen Manöver mit den USA.

Japan vermutet hinter dem Einlenken von Präsident Trump den Einfluss des chinesischen Präsidenten Xi Jingping. Nach Informationen der Zeitung «Asahi Shimbun» unter Berufung auf chinesische Diplomaten soll Xi Nordkoreas Führer bei seinem Treffen Anfang Mai aufgefordert haben, Trump mit einer solchen Forderung unter Zugzwang zu bringen. Kim befindet sich seit gestern erneut in Peking. Südkoreanische Medien berichten, Ziel dieser bereits dritten Kim-Reise nach China in diesem Jahr seien Konsultationen über das weitere Vorgehen nach dem Singapur-Gipfel. Nach japanischer Analyse hat Kim Jong Un bislang noch keinen einzigen Schritt unternommen, um seine Nuklearanlagen abzubauen. Satellitenaufnahmen würden beweisen, dass keine der sechs bekannten Raketenabschussstationen und Testbasen auch nur ansatzweise abgebaut würden, berichtet die Zeitung «Japan Times».

Ungeachtet der Behauptung von Trump, Kim habe ihm zugesagt, eine dieser Anlagen sei «beinahe zerstört», gebe es keine Aktivitäten, die darauf hinweisen. Das unter grossem Propaganda-Donner Ende Mai angeblich gesprengte Nukleartestgelände sei seit über einem Jahr schon nicht mehr benutzt worden. Zudem äusserten Experten Zweifel an der Sprengung. Der damit verbundene Rauch sei seltsamerweise vertikal aufgestiegen und nicht wie bei Tunnelsprengungen üblich horizontal.

Bewusst im Unklaren gelassen?

Da läge der Verdacht nahe, dass lediglich überirdische Verwaltungsgebäude zerstört wurden. Damit wäre es relativ einfach, die Anlage in kürzester Zeit zu reaktivieren. Internationale Beobachter vermuten, dass Kim Jong Un seinen Gegenspieler Donald Trump beim Singapur-Gipfel auch bewusst im Unklaren gelassen hat, über welches Atomwaffenarsenal Nordkorea eigentlich verfügt.

Shannon Kile, Experte des schwedischen Friedensforschungsinstituts Sipri, schätzt konservativ, dass «Nordkorea ein kleines Arsenal von bis zu 20 Atomsprengköpfen produziert haben könnte». Allerdings vergrössere Pjöngjang seine Bestände an waffenfähigem Plutonium weiter und könnte inzwischen genug produziert haben, um bis zu 30 Atomsprengköpfe herzustellen, vermutet der Sipri-Experte. Ungeachtet des offenkundigen Stillstands bei der Denuklearisierung Nordkoreas, gibt sich das Weisse Haus beinahe euphorisch. Das Atomproblem sei nun gelöst, äusserte Präsident Donald Trump am vergangenen Wochenende, zum Teil wegen der gemeinsamen Gipfelerklärung von Singapur, «aber wichtiger als dieses Dokument ist: Ich habe jetzt ein gutes Verhältnis zu Kim Jong Un.»

Trumps Begeisterung bringt nun offenbar auch die Bilderordnung im präsidialen Sitz in Washington durcheinander. Wie das «Wall Street Journal» berichtet, hat das Weisse Haus Hochglanzfotos von der Begegnung Trump–Kim aufhängen lassen. Zuvor hingen dort Bilder von der Begegnung mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.

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