USA starten Charmeoffensive in der Arktis

Nachdem Donald Trumps Kaufangebot von Grönland abgelehnt wurde, versucht Amerika sein arktisches Glück jetzt auf anderem Weg.

Niels Anner aus Kopenhagen
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Hier in der grönländischen Hauptstadt Nuuk wollen die Amerikaner ihre Zelte aufschlagen. (Bild: Pixabay)

Hier in der grönländischen Hauptstadt Nuuk wollen die Amerikaner ihre Zelte aufschlagen. (Bild: Pixabay)

Donald Trump sorgte für Schlagzeilen, als er im Sommer vorschlug, die USA sollten Grönland kaufen. Sowohl die grönländische wie die dänische Regierung machten sofort klar, dass die teilautonome Insel, die zum dänischen Königreichs gehört, nicht zum Verkauf stehe. Trump sagte daraufhin trotzig seinen vorgesehenen Besuch in Kopenhagen ab. Doch das amerikanische Interesse an Grönland ist seither nicht kleiner geworden. Trumps Kaufabsicht war Ausdruck dafür, dass die USA die riesige Insel wegen ihrer Lage in der Arktis als strategisch enorm wichtig ansehen. In Nordgrönland betreibt die US-Armee die für ihre Raketenabwehr wichtige Basis Thule.

Abgesehen von dieser Militärbasis haben die USA die Arktis allerdings lange vernachlässigt – ganz im Gegensatz zu Russland. Moskau hat in seinem arktischen Territorium schon vor Jahren Flughäfen renoviert und wiedereröffnet, Geschwader an strategisch wichtige Stellen verlegt und neue U-Boote in den Norden entsandt. Damit markiert Russland Präsenz in einer Region, die sich durch das wegschmelzende Polareis rasant verändert und neue Handelswege und Rohstoffe freigibt. An beidem ist auch China stark interessiert. Es versucht seit längerem, in Grönland zu investieren, wurde aber bisher von Dänemark abgeblockt.

Mitarbeiter für US-Konsulat in Nuuk gesucht

Dem chinesischen und russischen Gebaren wollen die USA nicht mehr länger tatenlos zusehen. Deshalb startet Amerika in der Arktis jetzt eine neue Charmeoffensive: Als ersten Schritt will Washington in der grönländischen Hauptstadt Nuuk ein Konsulat eröffnen. Dafür wird ein gut zu sichernder Standort «mit Meersicht» sowie grönländisch sprechendes Personal gesucht. «Die Amerikaner wollen mit den Grönländern sprechen können», erklärt Peter Jakobsen, Dozent an der dänischen Verteidigungsakademie. Im Konsulat sollen sieben Personen die Interessen der USA vertreten. Zum Vergleich: Das grönländische Aussenministerium hat gerade mal 15 Angestellte.

Vor wenigen Tagen war eine hochrangige US-Delegation in Nuuk und hat fast alle Minister getroffen. Mit dabei war auch der Spitzenbeamte Ulrich Brechbühl des US-Aussenministeriums. In einem Interview zählte er auf, was die USA Grönland alles bieten könnten: neben einer militärischen Führungsrolle auch Innovation, Bildung und Hilfe bei den ökonomischen Problemen. Zwischen den Zeilen gesagt: Dinge, die Dänemark vernachlässigt. Die Regierung in Kopenhagen bringt das in eine heikle Lage: Sie muss ihren engen Nato-Partner USA bei Laune halten, aber gleichzeitig klarmachen, dass Grönland dänisches Territorium ist – eines, das es dem kleinen Königreich erlaubt, in der Arktis weltpolitisch mitzureden.

Kritiker warnen davor, dass die USA keine Rücksicht auf die Probleme Grönlands nehmen werden, zumal der Wohlfahrtsstaat nach dänischem Vorbild aufgebaut ist. Dänemark subventioniert zudem die Staatskasse Grönlands zur Hälfte. Grundsätzlich aber stossen die Amerikaner in Nuuk auf offene Türen: Grönland hat mit bloss 56000 Einwohnern, langen Distanzen und der von Eis dominierten Geografie enorm hohe Kosten für Infrastruktur und ist deshalb stark an Investitionen interessiert. Zudem möchte man die von der Fischerei dominierte Wirtschaft breiter abstützen, zum Beispiel mit Minenindustrie und Tourismus. Nach der Trump-Episode vom Sommer zeigten sich touristische Akteure begeistert: Viele Amerikaner hätten dadurch überhaupt erst wahrgenommen, dass man Grönland bereisen könne.

Aktivisten wollen Trump nach Grönland einladen

Die USA haben signalisiert, dass sie militärisch in Grönland stärker werden wollen – und dafür in Flughäfen und Häfen investieren könnten. Wirtschaftlich werden Möglichkeiten für US-Firmen ausgelotet, in Bereichen, wo bisher vor allem chinesische Investoren Hoffnungen schürten. Weiter zählen zur US-Offensive die Unterstützung der Universität mit einem amerikanischen Programm oder US-Stipendien plus Unterstützung beim Ausbau des Tourismus.

Grönländische Aktivisten, die sich ein vom dänischen Mutterland unabhängiges Grönland wünschen, forderten, ihr Land solle aktiv auf die Amerikaner zugehen, ja Trump sogar einladen. Darin zeige sich auch die verbreitete Unzufriedenheit gegen die ehemalige Kolonialmacht Dänemark, sagte die linke Politikerin Aaja Larsen:

«Viele haben das Gefühl, dass das eigene Land zweitrangig behandelt wird.»