Iran-Konflikt : USA schicken bis zu 3500 weitere Soldaten in den Nahen Osten

Wegen neuer Spannungen im Nahen Osten infolge der Tötung des ranghohen iranischen Generals Ghassem Soleimani verlegen die USA Medienberichten zufolge zusätzlich bis zu 3500 Soldaten in die Region. Das berichteten am Freitag mehrere US-Medien unter Berufung auf Quellen im US-Verteidigungsministerium.

Hören
Drucken
Teilen
Diese Truppen machten sich am 1. Januar von den USA in Richtung Nahen Osten auf.

Diese Truppen machten sich am 1. Januar von den USA in Richtung Nahen Osten auf.

Melissa Sue Gerrits/The Fayetteville Observer via AP

Der «Washington Post» zufolge sollen die Truppen zunächst in Iraks Nachbarland Kuwait stationiert werden. Dem Nachrichtensender CNN zufolge handelt es sich bei den Soldaten um Fallschirmjäger aus dem US-Bundesstaat North Carolina. Aus deren Verband waren am Mittwoch bereits 750 Soldaten nach Kuwait verlegt worden. Eine offizielle Bestätigung lag zunächst nicht vor.

Soleimani, der Kommandeur der iranischen Al-Kuds-Brigaden, wurde in der Nacht zum Freitag bei einem US-Raketenangriff nahe dem Flughafen der irakischen Hauptstadt Bagdad getötet. Die US-Regierung rechtfertigte den Einsatz als einen «Akt der Selbstverteidigung» angesichts unmittelbar bevorstehender Angriffe Soleimanis auf US-Bürger. Die US-Regierung setze weiter auf eine «Deeskalation» im Nahen Osten, erklärte Aussenminister Mike Pompeo. Irans oberster Führer, Ajatollah Ali Chamenei, drohte den USA hingegen mit «schwerer Rache». Auch mit Teheran verbündete Milizen drohten Vergeltung an.

Die US-Streitkräfte sind derzeit zudem mit rund 5000 Soldaten im Irak vertreten und haben Tausende weitere Truppen in anderen Ländern der Region wie in Bahrain und in Saudi-Arabien.

Pompeo betont gegenüber Lawrow Willen zur «Deeskalation» in Nahost

Die USA sind nach Darstellung von US-Aussenminister Mike Pompeo auch nach dem Luftangriff gegen den ranghohen iranischen General Ghassem Soleimani um «Deeskalation» im Nahen Osten bemüht. Das habe Pompeo in einem Telefonat mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow klargemacht, erklärte das Aussenministerium am Freitag. Pompeo habe betont, der Luftangriff auf Soleimani in Bagdad sei ein Akt der Selbstverteidigung gewesen, um bevorstehende Aktionen der Iraner abzuwenden, hiess es weiter. Russland ist mit Truppen unter anderem in Iraks Nachbarland Syrien vertreten, wo ebenfalls US-Truppen und vom Iran unterstützte Kräfte aktiv sind.

Lawrow warnte nach Angaben seines Ministeriums, das Vorgehen der USA könne schwerwiegende Konsequenzen für den Frieden und die Stabilität in der Region haben. Moskau habe Washington nachdrücklich aufgefordert, es solle nicht versuchen, seine Ziele auf internationaler Ebene mit illegitimen Methoden durchzusetzen, hiess es. Stattdessen sollten Probleme am Verhandlungstisch gelöst werden.

EU-Aussenbeauftragter: Spirale der Gewalt im Irak muss gestoppt werden

Die EU hat alle Beteiligten zur Zurückhaltung aufgerufen. «Die derzeitige Spirale der Gewalt im Irak muss gestoppt werden, bevor sie ausser Kontrolle gerät», sagte der EU-Aussenbeauftragte Josep Borrell am Freitag in Brüssel. Die EU rufe alle Beteiligten und ihre Partner dazu auf, grösste Zurückhaltung zu üben und Verantwortung in diesem entscheidenden Moment zu zeigen.

Die fortlaufende Eskalation bedrohe die gesamte Region, die bereits enorm gelitten habe, sagte Borrell. Für langfristige Lösungen und eine Stabilisierung des Mittleren Osten seien mehr Dialog nötig sowie das Fördern gegenseitigen Verständnisses. Die EU sei bereit, ihr Engagement mit allen Seiten fortzusetzen, um zur Entschärfung der Spannungen beizutragen und die Dynamik des Konflikts umzukehren.

New York verstärkt Sicherheitsvorkehrungen

Derweil sind in der Millionenmetropole New York die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt worden. «Sie werden viel mehr Polizisten sehen, die sehr schnell einsatzbereit sind», sagte Bürgermeister Bill de Blasio bei einer Pressekonferenz am Freitag. «Es gibt keine Möglichkeit vorherzusagen, was als nächstes passiert.»

Zuvor hatte De Blasio bereits per Twitter geschrieben, dass er mit der New Yorker Polizei beraten habe, wie zentrale Orte in New York «von jeglichem Versuch des Irans oder seinen terroristischen Verbündeten, Vergeltung gegenüber Amerika zu suchen» geschützt werden könnten. «Wir werden gegenüber dieser Bedrohung auf lange Zeit wachsam sein müssen.» Polizeichef Dermot Shea betonte allerdings, dass es derzeit keine «spezifische glaubhafte Bedrohung» gebe.