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In Nordamerika werden gerade alle Hitzerekorde gebrochen – und es ist noch nicht mal Juli

Der Nordwesten der USA und Kanadas erlebt gerade eine Hitzewelle, wie sie nur alle 1000 Jahre vorkommt. Schuld daran ist ein sogenannter Hitzedom – und der Klimawandel.

Dennis Frasch/Watson.ch
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Im ganzen Nordwesten Amerikas wurden sogenannte «Cooling Centers» (zu Deutsch: Kühlzentren) eingerichtet, damit sich die Leute etwas abkühlen können.

Im ganzen Nordwesten Amerikas wurden sogenannte «Cooling Centers» (zu Deutsch: Kühlzentren) eingerichtet, damit sich die Leute etwas abkühlen können.

Keystone

Der pazifische Nordwesten der USA sowie der Bundesstaat British Columbia in Kanada erleben derzeit eine Hitzewelle, wie sie seit Messbeginn noch nie aufgezeichnet wurde. Es wird erwartet, dass so ziemlich alle Temperaturrekorde gebrochen werden. Und dabei ist es noch nicht einmal Juli.

Meteorologen sprechen von einem Ereignis, das nur einmal alle 1000 Jahre auftritt und warnen davor, dass diese Regel aufgrund des Klimawandels bald nicht mehr zutreffen dürfte.

Ein Blick auf die Zahlen, was genau hinter dieser Hitzewelle steckt und was der Klimawandel damit zu tun hat.

Wie heiss ist es genau?

In den vergangenen Wochen prognostizierten Computermodelle scheinbar unmögliche Temperaturen im Nordwesten Amerikas. Meteorologen in den USA und Kanada rätselten, ob eine Hitzewelle dieses Ausmasses überhaupt möglich sei, da es in dieser Region noch nie zu einem Ereignis dieser Grössenordnung gekommen ist. Hatten die Modelle Unrecht?

Nein. In Portland im US-Bundesstaat Oregon zeigte das Thermometer am Sonntag über 44 Grad an – absoluter Rekord. Die bisher höchsten Temperaturen mit jeweils 41,7 Grad wurden 1965 und 1981 erreicht. Bereits am heutigen Montag könnte der Rekord erneut gebrochen werden. Und ein Ende der Hitze ist nicht in Sicht.

Auch im nördlich von Portland liegenden Seattle wurde es heiss. 38,3 Grad heiss, um genau zu sein. Es ist erst das vierte Mal, dass die Stadt Temperaturen von über 100 Grad Fahrenheit (37,78 Grad Celsius) erreichte.

Im kanadischen Lytton wurden am Sonntag 46,1 Grad gemessen. Damit wurde ein fast 100-jähriger Temperaturrekord gebrochen. Die höchste je aufgezeichnete Temperatur in Kanada lag bei 45 Grad, gemessen 1937 in der Provinz Saskatchewan. Auch hier soll es am Montag noch heisser werden.

Die betroffenen Bundesstaaten haben den Notstand ausgerufen, da in diesen Regionen, mit traditionell milden Sommern, nur wenige Leute eine Klimaanlage im Haus haben. Mobile Klimageräte und Ventilatoren waren in vielen Geschäften ausverkauft, Sportveranstaltungen wurden abgesagt, die Stromversorger bereiteten sich auf mögliche Ausfälle vor. Städte und Gemeinden haben sogenannte «Cooling Centers» (zu Deutsch: Kühlzentren) eingerichtet, damit sich die Leute etwas abkühlen können.

Woher kommen diese Temperaturen?

Schuld an der Hitzewelle ist ein sogenannter «Heat Dome» – also ein Hitzedom. Der Name kommt nicht von ungefähr: Ein Hitzedom bezeichnet ein Hochdruckgebiet, das sich wie ein Deckel auf einem Topf über eine Region legt und die Wärme einschliesst.

Der Hitzedom im Nordwesten Amerikas.

Der Hitzedom im Nordwesten Amerikas.

CBS News

Grund für dieses Ereignis dürften kühles Wasser im östlichen und warmes Wasser im westlichen Pazifik sein. Diese Temperaturunterschiede erzeugen Winde, die dichte, tropische Luft aus dem Westen nach Osten blasen. Schliesslich bleibt diese warme Luft im Jetstream gefangen – einer Luftströmung, die sich gegen den Uhrzeigersinn um den Globus dreht – und landet an der Westküste der USA. Das Jetstream-Muster ist dabei stark verändert – ein Phänomen, das als welliger Jetstream bekannt ist. In der Mitte dieses welligen Jetstreams sammelt und intensiviert sich die Hitze.

Bereits vorletzte Woche sorgte ein Hitzedom im Südwesten der USA für Temperaturrekorde. In Palm Springs wurden bis zu 50,5 Grad erreicht und Las Vegas verzeichnete einen Rekordwert von 45,5 Grad.

Was hat der Klimawandel damit zu tun?

Es ist schwierig, ein bestimmtes Wetterereignis mit dem Klimawandel in Verbindung zu bringen. Die Klimawissenschaft ist sich zudem uneins darüber, ob diese extremen Jetstream-Störungen, wie oben beschrieben, aufgrund des Klimawandels noch wahrscheinlicher werden.

Der Trend zeigt jedoch je länger je mehr in Richtung länger anhaltender, intensiverer Hitze. Die Wissenschaft ist sich einig darüber, dass die Hitze extremer und extreme Hitze wahrscheinlicher wird.

Dies hängt mit den global steigenden Temperaturen zusammen. Auf den ersten Blick scheinen einige wenige Grad mehr keinen grossen Unterschied zu machen, in Wirklichkeit führt dies jedoch zu einem viel grösserem Spektrum an möglicher Hitze, sagt beispielsweise die Non-Profit-Organisation «Climate Central».

Beispiele dafür finden sich nicht nur in den USA. Vergangene Woche wurde es in Sibirien zum Beispiel 31,4 Grad heiss. Und das sieben Breitengrade nördlich des Polarkreises.

Wissenschaftler sehen in der Reduktion des globalen CO2-Ausstosses den einzigen Weg, um die Erderwärmung zumindest zu verlangsamen. Im Nordwesten der USA und Kanadas gibt es jedoch kein Entkommen der momentanen Temperaturen. Es wird zwar erwartet, dass diese Hitzewelle bis Ende nächster Woche abklingt. Für die Woche des amerikanischen Nationalfeiertages am 4. Juli wird jedoch bereits die nächste Hitzewelle prognostiziert.

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