Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

USA: Gefeuert via Twitter

Bereits im Herbst gab es Gerüchte über eine Entlassung von Aussenminister Rex Tillerson. Nun ist es offiziell: Tillerson muss gehen. Sein Nachfolger wird der CIA-Direktor und enge Trump-Vertraute Mike Pompeo.
Renzo Ruf, Washington
Muss sein Amt als US-Aussenminister niederlegen: Rex Tillerson bei einer Medienkonferenz am Montag in Abuja. (Bild: Jonathan Ernst/AP)

Muss sein Amt als US-Aussenminister niederlegen: Rex Tillerson bei einer Medienkonferenz am Montag in Abuja. (Bild: Jonathan Ernst/AP)

Renzo Ruf, Washington

Es ist bezeichnend, dass Donald Trump gestern in seiner ersten öffentlichen Stellungnahme über den neuen Aussenminister sagte: «Wir befinden uns stets auf der gleichen Wellenlänge.» Denn Mike Pompeo, der auf Wunsch des Präsidenten den formlos entlassenen Aussenminister Rex Tillerson ersetzen soll, hat in seiner Amtszeit als Direktor des Auslandgeheimdiensts CIA (Central Intelligence Agency) viel Zeit darin investiert, seinem direkten Vorgesetzten entgegenzukommen. So hält sich Pompeo fast jeden Tag im Weissen Haus auf, um Trump persönlich über die aktuelle sicherheitspolitische Bedrohungslage zu informieren.

Und weil der Präsident rasch das Interesse verliert, wenn er das Gefühl hat, ein Berater doziere, untermauert Pompeo seine Ausführungen gerne mit «sackstarken Grafiken» («killer graphics»), Karten, Fotos und Videos. «Das ist unsere Aufgabe, nicht wahr? Wir müssen unser Material in einer Art und Weise präsentieren, dass er die Informationen, die wir kommunizieren wollen, bestens versteht», sagte der CIA-Direktor im vorigen Jahr der «Washington Post».

Positive Signale seitens der Falken

Damit gewann Pompeo das Vertrauen seines ultimativen Vorgesetzten und wurde zu einem Aushängeschild im Kabinett von Präsident Donald Trump. In Washington allerdings sind die Meinungen über seine Amtszeit geteilt. Die aussenpolitischen Falken begrüssen es, dass Pompeo mit seiner Meinung selten hinter dem Berg hält und die amerikanische Souveränität in klaren Worten verteidigt.

So warf der CIA-Direktor zu Jahresbeginn dem Politbetrieb in der Hauptstadt vor, die Bedrohungen, mit denen sich die USA konfrontiert sähen, viel zu lange ignoriert zu haben. Dies wurde auch als Spitze gegen Russland verstanden. Seine Kritiker hingegen stossen sich an seinem grobschlächtigen Auftreten. So sorgte Pompeo in der Vergangenheit mit abfälligen Äusserungen über andersgläubige Amerikaner, umstrittene Verhörmethoden der Geheimdienste, die diplomatischen Avancen Washingtons gegenüber Teheran und über die Internetplattform Wikileaks für Aufsehen. Auch politische Gegner kriegten immer wieder ihr Fett weg.

Und dennoch gehen Beobachter davon aus, dass Pompeo das Bestätigungsverfahren im Senat problemlos meistern werde. Die entsprechenden Anhörungen sollen im kommenden Monat beginnen. Gleichzeitig wird der Senat auch über die Bestätigung von Gina Haspel debattieren, die Pompeo als CIA-Direktorin ersetzen soll. Dabei kommt dem ehemaligen Berufsmilitär, Juristen und Unternehmer zugute, dass er im Parlament immer noch über zahlreiche Fürsprecher verfügt – auch wenn er während seiner Amtszeit im Repräsentantenhaus, die von 2011 bis 2017 dauerte, als Hinterbänkler verspottet wurde. In seinem Wahlbezirk im Bundesstaat Kansas wurde er überdies «Abgeordneter von Koch» genannt; das Holdingunternehmen Koch Industrie, das sich im Besitz der Gebrüder Charles und David Koch befindet, gehörte in der Tat zu den Geldgebern Pompeos.

Tillerson galt einst als künftiger Star

Die Personalie zeigt aber auch, wie schnell der Präsident das Vertrauen in ein Aushängeschild seiner Regierung verlieren kann. Tillerson galt vor Amtsantritt als künftiger Star: ein schwerreicher Mann, der sich als Konzernchef des weltweit tätigen Unternehmens Exxon Mobil bewährt hatte. In der Praxis allerdings zeigte sich rasch, dass sich Tillerson und Trump nicht verstanden. Der Präsident störte sich am diplomatischen Gehabe Tillersons und daran, dass er seine Befehle nicht umsetzte. Der Aussenminister wiederum fand, Trump sei «ein Idiot», der von der Weltpolitik keine Ahnung habe. Bereits im Herbst kursierte deshalb in Washington das Gerücht, Tillerson stehe vor seiner Entlassung. Der Aussenminister wies dies im November noch zurück.

Vorige Woche dann soll ihm Stabschef John Kelly mitgeteilt haben, dass seine Tage im Kabinett gezählt seien. Tillerson befand sich zu diesem Zeitpunkt auf einer langen, anstrengenden Reise durch Afrika. Also beschloss der Aussenminister, möglichst schnell nach Washington zurückzukehren. Der Präsident machte sich aber nicht die Mühe, Tillerson persönlich über seinen Entscheid zu informieren. Der amerikanische Aussenminister erfuhr von seiner Entlassung, so wie der Rest der Welt auch: über den Kurznachrichtendienst Twitter.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.