US-Wirtschaft wächst, aber der Wohlstand sinkt

WASHINGTON Die Amerikaner haben seit der Rezession drastische Einbussen bei Löhnen und Gehältern hinnehmen müssen. Ihr Wohlstand sinkt spürbar.

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WASHINGTON Die Amerikaner haben seit der Rezession drastische Einbussen bei Löhnen und Gehältern hinnehmen müssen. Ihr Wohlstand sinkt spürbar.

Wer nach einer Erklärung für den wachsenden Zuspruch zu Protestbewegungen wie «Besetzt die Wall Street» in den USA sucht, findet sie in einer Studie der Ökonomen Gordon Green und John Coder. Demnach haben US-Bürger seit Beginn der Rezession im Dezember 2007 im Durchschnitt fast ein Zehntel ihres Haushaltseinkommens verloren. So viel wie seit Jahrzehnten nicht.

Wachstum, aber tiefere Löhne

Die beiden Volkswirte liefern auch eine Erklärung, warum die Amerikaner in Umfrage zu Protokoll geben, die Rezession sei noch nicht vorüber. Obwohl diese nach objektiven Standards bereits im Juni 2009 zu Ende war. Seitdem wuchs die US-Volkswirtschaft wieder kontinuierlich auf niedrigem Niveau. In der Lohntüte der Amerikaner schlug sich das aber nicht wieder. Im Gegenteil mussten die Beschäftigten nach Ende des Rezession deutlich höhere Abschläge hinnehmen als vorher.

Verloren Haushalte während des Abschwungs im Schnitt 3,2 Prozent an Einkommen, beschleunigte sich der Trend danach. Das bescheidene Wachstum der Gesamtwirtschaft ging mit Verlusten in Höhe von 6,7 Prozent einher. Das mittlere US-Einkommen liegt nun bei 49 909 Dollar. Green und Coder sprechen «von einem signifikanten Abbau des Lebensstandards».

Aus der Vielzahl der Gründe für diesen Trend ragt die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit heraus. Trotz eines bescheidenen Wachstums um 103 000 Arbeitsplätze im vergangenen Monat, bleibt die Erwerbslosenquote bei 9,1 Prozent auf hohem Niveau. Drastisch verändert hat sich auch die Länge der Arbeitslosigkeit. Vor der Finanzkrise dauerte es im Schnitt 16,7 Wochen, bis ein Arbeitsloser einen neuen Job fand. Heute sind es 40,5 Wochen. Die längste durchschnittliche Dauer seit 60 Jahren.

Neuer Job, weniger Einkommen

In einer weiteren Studie zeigt der Arbeitsmarkt-Experte Henry Faber von der Princeton University auf, wie sich dies auf Löhne auswirkt: Arbeitslose, die einen neuen Job gefunden haben, müssen im Schnitt mit 17,5 Prozent weniger Lohn gegenüber ihrer früheren Stelle rechnen. (T.S.)

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