US-WAHLEN: Ein Debakel für die Meinungsforscher

Wie schon beim Brexit lagen bei den US-Wahlen die meisten Meinungsforscher daneben. Auch die Schweiz kennt Kontroversen um die falsche Interpretation von Umfragen.

Michel Burtscher
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Die Mehrheit der Meinungsforscher lagen mit ihren Prognosen daneben. Donald Trump ist Präsident der USA - und das hat auch Einfluss auf die Schweiz. (Bild: NARONG SANGNAK)

Die Mehrheit der Meinungsforscher lagen mit ihren Prognosen daneben. Donald Trump ist Präsident der USA - und das hat auch Einfluss auf die Schweiz. (Bild: NARONG SANGNAK)

Die Wahlnacht in den Vereinigten Staaten war nicht nur bitter für Hillary Clinton und ihre Anhänger, sondern auch für die meisten Umfrageinstitute, Datenjournalisten und Analysten des Landes. Fast alle hatten einen Sieg der Demokratin vorausgesagt. So schätzte beispielsweise die «New York Times» die Chance, dass Clinton gewinnt, noch am Wahltag auf 84 Prozent. Statistik-Guru Nate Silver war zwar zurückhaltender. Doch auch sein Modell ging von einem Sieg Clintons aus – mit einer Wahrscheinlichkeit von 71 Prozent. Sie alle lagen falsch – es ist eine Blamage für die Branche. Dabei erlebte diese in den vergangenen Jahren einen Aufschwung, einige Medienhäuser leisten sich eigene Abteilungen für Wahlprognosen.

US elections party in Brussels (Bild: Keystone)
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USA ELECTION DAY (Bild: Keystone)
Indian Hindu sena to support US Republican presidential candidate Donald Trump (Bild: Keystone)
Donald Trump elected US President (Bild: Keystone)
Donald Trump elected US President (Bild: Keystone)
Donald Trump elected US President (Bild: Keystone)
2016 Election Trump (Bild: Keystone)
US Presidential Election.. (Bild: Keystone)
WAHLTAG, PRAESIDENTSCHAFTSWAHLEN, (Bild: Keystone)
WAHLTAG, PRAESIDENTSCHAFTSWAHLEN, (Bild: Keystone)
US election party in Netherlands (Bild: Keystone)
US elections party in Brussels (Bild: Keystone)
US election party in Switzerland (Bild: Keystone)
WAHLTAG, PRAESIDENTSCHAFTSWAHLEN, (Bild: Keystone)
Election night 2016 in US embassy in London (Bild: Keystone)
Philippines 2016 US Election (Bild: Keystone)
Election night 2016 in US embassy in London (Bild: Keystone)
Melbourne kissing mural of Republican Donald Trump and Democrat Hillary Clinton (Bild: Keystone)
WAHLTAG, PRAESIDENTSCHAFTSWAHLEN, (Bild: Keystone)
WAHLTAG, PRAESIDENTSCHAFTSWAHLEN, (Bild: Keystone)
US election night in Sydney (Bild: Keystone)
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US election night in Canberra (Bild: Keystone)
US Presidential Election (Bild: Keystone)
US Presidential Election (Bild: Keystone)
WAHLTAG, PRAESIDENTSCHAFTSWAHLEN, DEMOKRATEN, (Bild: Keystone)
2016 Election Pennsylvania Voting (Bild: Keystone)
WAHLTAG, WAHLPARTY, WAHLEN, PRAESIDENTSCHAFTSWAHLEN USA, VEREINIGTE STAATEN VON AMERIKA, (Bild: Keystone)
WAHLTAG, PRAESIDENTSCHAFTSWAHLEN, (Bild: Keystone)
2016 Election Trump (Bild: Keystone)
Election 2016 (Bild: Keystone)
WAHLTAG, PRAESIDENTSCHAFTSWAHLEN, (Bild: Keystone)
US election night in Canberra (Bild: Keystone)
WAHLTAG, PRAESIDENTSCHAFTSWAHLEN, (Bild: Keystone)
Hillary Clinton umarmt Ehemann Bill, Tochter Chelsea klatscht in die Hände. (Bild: Keystone)
Der republikanische Kandidat Donald Trump küsst seine Frau Melania. (Bild: Keystone)
Lady Gaga an einer Veranstaltung von Hillary Clinton. (Bild: Keystone)
PRAESIDENTSCHAFTSWAHLEN, DEMOKRATEN, WAHLKAMPF, (Bild: Keystone)
US Presidential Election 2016 (Bild: Keystone)
US Presidential Election 2016 (Bild: Keystone)
WAHLTAG, PRAESIDENTSCHAFTSWAHLEN, (Bild: Keystone)
ELECTION CALIFORNIA VOTING (Bild: Keystone)
First Lady Michelle Obama, Noch-Präsident Barack Obama, Kandidatin Hillary Clinton mit Tochter Chelsea und Ehemann Bill (von links). (Bild: Keystone)
PRAESIDENTSCHAFTSWAHLEN, DEMOKRATEN, WAHLKAMPF, (Bild: Keystone)
PRAESIDENTSCHAFTSWAHLEN, REPUBLIKANER, WAHLKAMPF, (Bild: Keystone)
Sängerin Madonna performt für Hillary Clinton. (Bild: Keystone)
PRAESIDENTSCHAFTSWAHLEN, DEMOKRATEN, WAHLKAMPF, (Bild: Keystone)
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Präsident Barack Obama unterstützt Hillary Clinton. (Bild: Keystone)
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ELECTIONS NEVADA (Bild: Keystone)
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Clinton, Trump cardboards in Berlin (Bild: Keystone)
Beyoncé trat an einer Wahlveranstaltung von Hillary Clinton auf. (Bild: Keystone)
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Die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton. (Bild: Keystone)
PRAESIDENTSCHAFTSWAHLEN, REPUBLIKANER, WAHLKAMPF, (Bild: Keystone)
PRAESIDENTSCHAFTSWAHLEN, REPUBLIKANER, WAHLKAMPF, (Bild: Keystone)
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PRAESIDENTSCHAFTSWAHLEN, DEMOKRATEN, WAHLKAMPF, (Bild: Keystone)
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Exhcnage rate slogans ahead of US presidential elections (Bild: Keystone)
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Sänger Jimmy Buffett an einer Veranstaltung von Hillary Clinton. (Bild: Keystone)
Wird Hillary Clinton die erste amerikanische Präsidentin? (Bild: Keystone)
Melania Trump an einer Wahlveranstaltung ihres Mannes Donald. (Bild: Keystone)
PRAESIDENTSCHAFTSWAHLEN, DEMOKRATEN, WAHLKAMPF, (Bild: Keystone)
PRAESIDENTSCHAFTSWAHLEN, REPUBLIKANER, WAHLKAMPF, (Bild: Keystone)
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PRAESIDENTSCHAFTSWAHLEN, DEMOKRATEN, WAHLKAMPF, (Bild: Keystone)
PRAESIDENTSCHAFTSWAHLEN, REPUBLIKANER, WAHLKAMPF, (Bild: Keystone)
PRAESIDENTSCHAFTSWAHLEN, REPUBLIKANER, WAHLKAMPF, (Bild: Keystone)
PRAESIDENTSCHAFTSWAHLEN, REPUBLIKANER, WAHLKAMPF, (Bild: Keystone)
PRAESIDENTSCHAFTSWAHLEN, REPUBLIKANER, WAHLKAMPF, (Bild: Keystone)
PRAESIDENTSCHAFTSWAHLEN, DEMOKRATEN, WAHLKAMPF, (Bild: Keystone)
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PRAESIDENTSCHAFTSWAHLEN, REPUBLIKANER, WAHLKAMPF, (Bild: Keystone)
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PRAESIDENTSCHAFTSWAHLEN, REPUBLIKANER, WAHLKAMPF, (Bild: Keystone)
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PRAESIDENTSCHAFTSWAHLEN, DEMOKRATEN, WAHLKAMPF, (Bild: Keystone)
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PRAESIDENTSCHAFTSWAHLEN, DEMOKRATEN, WAHLKAMPF, (Bild: Keystone)
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Musiker Ted Nugent spielt für Donald Trump. (Bild: Keystone)
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Bruce Springsteen bei seinem Auftritt an Clintons Wahlveranstaltung. (Bild: Keystone)
Jon Bon Jovi und Lady Gaga unterstützen Hillary Clinton. (Bild: Keystone)
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PRAESIDENTSCHAFTSWAHLEN, DEMOKRATEN, WAHLKAMPF, (Bild: Keystone)
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US elections party in Brussels (Bild: Keystone)

Analysten verwiesen gestern auf einen «Shy Trump Effect», wie sie es nannten. Demnach wollten die Wählerinnen und Wähler bei den Umfragen nicht zugeben, dass sie den Republikaner wählen. Michael Hermann, Politgeograph und Leiter der Forschungsstelle Sotomo in Zürich, hält diese Erklärung für plausibel.

Überraschung nach Ja zur Minarett-Initiative

Von einem solchen Effekt war schon im Juni in Grossbritannien die Rede, nachdem die Befürworter des Brexit an der Urne triumphiert hatten. Auch damals hatten die Demoskopen ein anderes Ergebnis vorausgesagt. Es ist laut Hermann ein Phänomen, das vor allem bei Protestwahlen und -abstimmungen auftritt – und eines, das auch in der Schweiz schon zu reden gab: Im Jahr 2009 sagte eine Mehrheit der Stimmbevölkerung Ja zur Minarett-Initiative – zur Überraschung vieler. Denn auch hier hatten die Meinungsforscher ein anderes Ergebnis vorausgesagt. Gemäss der letzten Umfrage vor dem Urnengang waren 37 Prozent «bestimmt oder eher dafür», Minarette zu verbieten. 53 Prozent waren «bestimmt oder eher dagegen». Das Endergebnis war dann jedoch 57,5 Prozent Ja zu 42,5 Prozent Nein. Diese Diskrepanz löste Kopfschütteln aus. Das zuständige Forschungsinstitut GFS Bern und dessen damaliger Leiter Claude Longchamp wurden hart kritisiert – von Politikern und den Medien. Umfragen seien Momentaufnahmen und keine Voraussagen, verteidigte sich dieser. Auch damals wurde gemutmasst, die Teilnehmer der Umfrage hätten nicht die Wahrheit gesagt. Ob das aber wirklich so war, ist schwierig nachzuweisen. «Dafür müsste man wiederum Umfragen durchführen und stünde vor dem gleichen Problem», sagt Hermann.

Die kanadische Zeitung "The Globe and Mail". (Bild: Printscreen)
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Die amerikanische Zeitung "Daily Journal". (Bild: Printscreen)
Die niederländische Zeitung "Het Parool". (Bild: Printscreen)
Die amerikanische Zeitung "Journal Star". (Bild: Printscreen)
Die chilenische Zeitung "Las Ultimas Noticias". (Bild: Printscreen)
Die kanadische Zeitung "Le Journal de Québec". (Bild: Printscreen)
Die amerikanische Zeitung "Los Angeles Daily News". (Bild: Printscreen)
Die amerikanische Zeitung "New York Post". (Bild: Printscreen)
Die libanesische Zeitung "The Daily Star". (Bild: Printscreen)
Die kanadische Zeitung "The Desert Sun". (Bild: Printscreen)
Die amerikanische Zeitung "The Herald". (Bild: Printscreen)
Die neuseeländische Zeitung "The New Zealand Herald". (Bild: Printscreen)
Die australische Zeitung "The West Australian". (Bild: Printscreen)
Die kanadische Zeitung "Vancouver Metro". (Bild: Printscreen)
Die amerikanische Zeitung "Los Angeles Times". (Bild: Printscreen)
Die französische Zeitung "Libération". (Bild: Printscreen)
Die amerikanische Zeitung "The New York Times". (Bild: Printscreen)
Die amerikanische Zeitung "Daily News". (Bild: Printscreen)
Die amerikanische Zeitung "The Orange County Register". (Bild: Printscreen)

Die kanadische Zeitung "The Globe and Mail". (Bild: Printscreen)

«Es werden sich wieder alle auf die Umfragen stürzen»

Der Unterschied zwischen den Umfragen und dem tatsächlichem Ergebnis könnte aber auch auf andere Faktoren zurückzuführen sein, wie Hermann sagt: beispielsweise auf eine falsche Gewichtung der Umfragen, weil die Beteiligung einzelner Gruppen falsch eingeschätzt wird oder die Konfliktlinien anders verlaufen als gewohnt. Er verweist auf einen weiteren Aspekt, der auch für die Schweiz gelte: «Populistische Parteien und Anliegen werden unterschätzt.» Bei Trump hätten die Forscher und die Medien nicht wahrhaben wollen, dass es möglich sein könnte, dass er gewählt wird. Das habe im Unterbewusstsein bestimmt auch eine Rolle gespielt.

Hermann zeigt sich überrascht, dass gerade die Demoskopen in den USA so falsch lagen. «Dort gibt es so viele Umfragen.» Durch solche Ereignisse leide der Ruf des ganzen Berufsstands. «Doch schon beim nächsten Mal werden sich wieder alle auf die Umfragen stürzen», sagt der Politgeograph.

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