Aus diesen zwei Gründen wird Donald Trump 2024 nochmals antreten

Seine Niederlage gegen Joe Biden will der Republikaner weiterhin nicht eingestehen. Im Hintergrund zeichnen sich erste Schritte für eine Rückkehr an die Macht in vier Jahren ab. Trump wäre nicht der erste Präsident, dem das gelingen würde.

Samuel Schumacher
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Donald Trump steht im Regen. Doch er will einfach nicht gehen.

Donald Trump steht im Regen. Doch er will einfach nicht gehen.

Keystone

Donald Trump kann noch so klammern und wütend twittern: Der Republikaner hat das Rennen ums Weisse Haus verloren und wird seinen Posten am 20. Januar 2021 räumen müssen. Für all seine Gegner ist das aber längst kein Grund, sich entspannt zurückzulehnen. Denn Donald Trump könnte in vier Jahren erneut antreten und seinen Erzfeind Joe Biden aus dem Weissen Haus verdrängen.

Grover Cleveland ist der bislang einzige Amerikaner, der abgewählt wurde (1889) und vier Jahre später erneut ins Weisse Haus einzog.

Grover Cleveland ist der bislang einzige Amerikaner, der abgewählt wurde (1889) und vier Jahre später erneut ins Weisse Haus einzog.

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Trump 2024? Rechtlich wäre das absolut möglich. Die amerikanische Verfassung beschränkt die Regentschaft eines US-Präsidenten zwar auf maximal zwei Amtszeiten. Es steht aber nirgendwo geschrieben, dass diese beiden Amtszeiten unmittelbar aufeinander folgen müssen. Und das ist nicht nur graue Theorie, sondern kam in der amerikanischen Geschichte bereits einmal vor: Grover Cleveland trat vier Jahre nach seiner Abwahl als demokratischer Präsident 1889 erneut an und gewann eine zweite Amtszeit (1893 bis 1897).

Sein einstiger Stabschef ist überzeugt: Trump kommt zurück

Dass Trump 2024 einen erneuten Sturm aufs Weisse Haus in Betracht zieht, steht für seinen einstigen «Chief of Staff» Mick Mulvaney ausser Frage. Er gehe «fest davon aus», dass der dann 78-jährige Trump in vier Jahren noch einmal nach dem höchsten Amt greifen wolle, sagte Mulvaney. Sein Parteikollege Mitt Romney, der als Kandidat der Republikaner einst selber versuchte, Barack Obama aus dem Weissen Haus zu verdrängen, sagt zudem in der Polit-Talkshow «Meet the Press», der amtierende US-Präsident werde auch in Zukunft die dominierende Figur und Stimme in der republikanischen Partei bleiben.

«Donald Trump ist der 900-Pfund-Gorilla der Republikanischen Partei. Er wird nicht verschwinden.»

Wieso sollte er auch? Mehr als 70 Millionen Amerikaner haben ihm ihre Stimme gegeben: Das ist – nach Joe Biden mit knapp 75 Millionen – das zweitbeste Resultat bei einer Präsidentschaftswahl in der gesamten amerikanischen Geschichte. Eindrücklich ist nicht nur die Zahl, sondern auch die breite Allianz an Wählern, die Trump zusammentrommeln konnte. Sogar bei afroamerikanischen Wählern und bei Latinos konnte der Republikaner gegenüber 2016 stark zulegen.

94 Prozent der Republikaner finden, Trump habe seinen Job gut gemacht

An seiner Beliebtheit innerhalb der Partei bestehen ebenfalls wenig Zweifel. In einer aktuellen Umfrage sagten 94 Prozent der Republikaner, sie seien immer noch zufrieden mit Trumps Amtsführung. Kurz: Wenn Trump wirklich nochmals antreten sollte, dürfte es schwierig sein für alternative republikanische Kandidaten, ihn aus dem Rennen zu drängen. Er ist jetzt schon so gut wie der Sieger der republikanischen Vorwahlen.

Es gibt gleich zwei Gründe, die Trump dazu bewegen dürften, es 2024 tatsächlich nochmals zu versuchen. Einerseits zeigt seine aktuelle Weigerung, Bidens Sieg zu anerkennen, wie sehr ihn die Abwahl kränkt. Seinem Kontrahenten in vier Jahren alles zurückzahlen zu können, dürfte für ihn Grund genug sein, den zehrenden Wahlkampf erneut auf sich zu nehmen. Und zweitens drohen Trump nach seinem Auszug aus dem Weissen Haus diverse Gerichtsverfahren. Er könnte sich zwar selber begnadigen, aber nur gegen die Verfahren auf nationaler Ebene. Die Staatsanwälte im Bundesstaat New York etwa, die ihn wegen krummer Geldgeschäfte vor Gericht ziehen könnten, kann er nicht stoppen – ausser, er wird 2024 wieder gewählt und erhält damit erneut Immunität vor Strafverfolgungen.

Dahin will Donald Trump 2024 zurück: Das Weisse Haus in Washington.

Dahin will Donald Trump 2024 zurück: Das Weisse Haus in Washington.

Keystone

Um seinen politischen Brand durch die kommenden vier Jahre zu retten, streckt der einstige TV-Unternehmer offenbar bereits die Fühler nach einer neuen Plattform aus. Seine 89 Millionen Twitter-Follower reichen ihm offenbar nicht. Trump will laut dem US-Medienportal «Axios» einen eigenen Online-Fernsehsender gründen. Seinem einstigen Heimsender «Fox News» traut Trump nicht mehr, seit sich dessen Moderatoren in Interviews neuerdings auch getrauen, kritische Fragen an den Präsidenten zu stellen. Zudem wagten die Analytiker des konservativen Senders in der Wahlnacht noch vor der Konkurrenz die Prognose, dass Trump im einstigen Republikaner-Staat Arizona verlieren wird.

Trumps neues Wahlkampf-Instrument: ein eigener TV-Sender

Das machte ihn wütend.

«Fox hat sich verändert. Jemand hat mich gefragt, was sich in den vergangenen vier Jahren am meisten verändert hat. Und ich habe gesagt: Fox.»

Das sagte er am Wahltag den Moderatoren der Sendung «Fox & Friends». Ein Alternative zu einem eigenen Sender wäre eine Kooperation mit der Fernsehstation «One America News Network» (OANN), das sich auf die Fahne geschrieben hat, nur positiv über Trump zu berichten. OANN, laut eigenen Angaben der viertmeist geschaute Sender der USA, würde Trump als Kommentatoren mit Handkuss nehmen.

Erfahrung als TV-Präsentator hätte Trump. Zwischen 2004 und 2017 war er der Star in insgesamt 192 Folgen der Reality-TV-Show «The Apprentice» («Der Lehrling»), in der sich durchgestylte Aspiranten um einen Job in einer von Trumps Firmen bewerben konnten. Doch seine Firmen werden inzwischen von seinen Kindern geführt. Trump braucht eine andere Beschäftigung. Sein Lieblingsjob wird 2024 wieder frei.