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US-Moslems fürchten Rache und Gewalt

Moslems in den USA blicken mit Sorge in die Zukunft. Das Massaker von Orlando ist derzeit Wahlkampfthema Nummer eins. Vor allem Äusserungen von Donald Trump drohen das Klima weiter zu vergiften. Er weist den Moslems eine Kollektivschuld zu.
Thomas Spang

ORLANDO/FORT PIERCE. Nach dem Massaker im Orlando fürchten viele US-Moslems um ihre Sicherheit, weil das Verbrechen zu gefährlicher Stimmungsmache missbraucht werde. Aber es nagen auch selbstkritische Fragen innerhalb der moslemischen Gemeinde.

«Dass ihr einander kennt»

An der Wand des Islamic Center in der der Kleinstadt Fort Pierce in Zentralflorida steht ein denkwürdiges Zitat aus dem Koran: «Dass ihr einander kennt». Die Mahnung der Sure hat für das 1990 eröffnete Gotteshaus eine ganz neue Bedeutung bekommen. Denn in der umgewandelten Kirche hatte nicht nur der Massenmörder von Orlando, Omar Mateen, gebetet, sondern auch Moner Mohammad Abusalha, der als Freiwilliger nach Syrien gegangen war und sich dort in die Luft sprengte. «Das ist unser Pech», sagt Adel Nefzi, der zu den Führern der Moschee gehört und sich nicht erklären kann, warum ausgerechnet diese Gemeinde in dem verschlafenen Nest zwei Terroristen hervorgebracht hat. Gewiss habe es nicht an der Religion gelegen, die hier gepredigt wird, versichert der Chemieprofessor.

Habiba Haque wischt sich eine Träne aus dem Gesicht. «Er hat uns in Verdacht gebracht», hält die zweifache Mutter Attentäter Mateen vor, der zuletzt am Freitag vor dem Massaker im Schwulenclub Pulse in das Gotteshaus gekommen war. «Wir arbeiten so hart daran, zu zeigen, dass wir gute Menschen sind», fügt Habib hinzu, die nun um die Zukunft ihrer Familie in den USA fürchtet.

Erste Moslems waren Sklaven

Diese Sorge teilt Habib mit vielen Angehörigen der Minderheit, die etwa ein Prozent an der US-Bevölkerung ausmacht. Die ersten Moslems kamen unfreiwillig als Sklaven in die USA und mussten zum Christentum konvertieren. Ein Schicksal, das späteren Migranten erspart blieb, die 1929 im Örtchen Ross fernab in North Dakota die erste Moschee auf amerikanischem Boden gegründet hatten.

Im Unterschied zu vielen Ländern in Europa, aber auch zu anderen Einwanderern in den USA galten Moslems lange als fast vorbildlich integriert. Sie haben nach der jüdischen Gemeinde den höchsten Bildungsstand, sind wirtschaftlich erfolgreich, dienen den US-Streitkräften und interpretieren den Islam eher moderat. Die Mehrheit glaubt nach einer PEW-Umfrage, dass es mehr als nur einen Weg zur Erlösung gibt.

«Ein paar von denen töten»

Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 hat sich das Bild der islamischen Gemeinde aber zunehmend verschlechtert. Nach dem Massaker von Orlando, bei dem Mateen 50 Menschen tötete und 53 verletzte, steuert die negative Stimmung einem Höhepunkt entgegen. Äusserungen von Donald Trump lassen Führer der Moslems in den USA Racheakte und Gewalt fürchten.

Die Sorge scheint berechtigt. Sowohl in Fort Pierce als auch im Islamischen Zentrum von Orlando quellen die E-Mail-Eingänge der Moslems von hasserfüllten Nachrichten über.

Die Verkäuferin einer Drogerie in Fort Pierce weiss von einem Kunden, der laut darüber nachdachte, ob es angesichts der Morde von Orlando nicht Zeit werde, ein paar «von denen» umzubringen.

Trump: «Sie schützen die Täter»

Auch der republikanische Präsidentschaftskandidat kennt keine Mässigung mehr. In einer mit Unrichtigkeiten, Übertreibungen und Weglassungen gespickten Rede wies Trump am Montag in New Hampshire einer ganzen Religionsgruppe eine Kollektivschuld zu. Er erneuerte sein Versprechen, die Einreise von Moslems in die USA zu stoppen, und weitete dieses aus zu einem Einwanderungsverbot für Menschen aus Ländern, in denen es Terror gebe. Die Hetze Trumps gipfelte in einem Interview mit Fox, in dem der Präsidentschaftskandidat behauptet, es gebe «Tausende Schützen wie diesen Mateen, mit derselben Mentalität in diesem Land». Die Moslems wüssten, wer diese Leute seien, und täten nichts.

Moslems für aktive Prävention

Generell scheint die aber nicht zu stimmen. Laut einer Studie der Eliteuniversität Duke bekommen die Sicherheitsbehörden aus den islamischen Gemeinden mehr Hinweise auf verdächtige Personen als durch die Geheimdienste.

Der Dachverband der US-Moslems drängt die Führer der örtlichen Moscheen, ein mit Experten entwickeltes Programm umzusetzen, das helfen soll, Radikalisierung zu verhindern. Dazu gehöre, zu wissen, wer zu den Freitagsgebeten kommt. Oder wie die Sure im Islam-Zentrum von Fort Pierce mahnt: «Dass ihr einander kennt».

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