US-Luftangriff in Jemen

In Jemen profitieren Jihadisten vom Krieg Saudi-Arabiens im ärmsten Land der Arabischen Halbinsel. Ein Jahr nach dem Beginn des Krieges hat erstmals die US-Luftwaffe eingegriffen.

Michael Wrase
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Al-Qaida-Kämpfer im Süden Jemens mit auf einem Lastwagen montierter Flabkanone gegen Luftangriffe. (Bild: epa)

Al-Qaida-Kämpfer im Süden Jemens mit auf einem Lastwagen montierter Flabkanone gegen Luftangriffe. (Bild: epa)

LIMASSOL/SANAA. Bei einem amerikanischen Luftangriff auf ein Ausbildungslager der Terrororganisation Al Qaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) in Jemen sind nach Pentagon-Angaben Dutzende Jihadisten getötet worden. Als die US-Jets am Montagabend angriffen, hätten die Terroristen in einer Schlange auf ihr Abendessen gewartet, berichten lokale Augenzeugen. Mindestens 50 Jihadisten seien getötet worden.

Mit den Bombardements, hiess es in Washington, demonstriere man die Entschlossenheit im Kampf gegen Al Qaida, die das Bürgerkriegsland Jemen auch als Basis für die Bedrohung von Amerikanern nutze.

Saudi-Arabiens Verantwortung

Analysten in Jemen begrüssten die Angriffe. Sie reichten bei weitem aber nicht aus, um Al Qaida wirksam zu bekämpfen, betonte der Politologe Hisham al-Omeisy. Verärgert wies er darauf hin, dass die vor sieben Jahren aus einer Fusion zweier südarabischer Al-Qaida-Ableger hervorgegangene AQAP inzwischen die gesamte Region Hadramaut sowie andere Gebiete im Süden des Landes kontrolliere. Den eklatanten Machtzuwachs der Terrorgruppe habe aber Saudi-Arabien mit seinem kontraproduktiven Bombenkrieg gegen die schiitischen Huthi-Rebellen erst ermöglicht.

Allein die Region Hadramaut ist mehr als viermal so gross wie die Schweiz. Die Provinzhauptstadt Mukalla hat einen Tiefseehafen mit einen wichtigen Ölterminal sowie einen internationalen Flughafen. Die 1,5 Millionen Einwohner der Provinz müssen sich islamischem Sharia-Recht unterwerfen und, wie in Saudi-Arabien, Kontrollen der Religionspolizei akzeptieren. Für die Terroristen der AQAP ist die riesige Provinz Hadramaut zudem ein ideales Terrain zur Ausbildung von neuen Rekruten sowie zur Vorbereitung von Terroranschlägen in Arabien, Europa und anderen Weltgegenden.

Vergleich mit Afghanistan

Terrorismusexperten vergleichen den Nutzen der Provinz für die Jihadisten mit Afghanistan, von wo aus Al Qaida einst die Vorbereitungen für die Anschläge des 11. Septembers 2001 koordiniert hatte. Es ist inzwischen erwiesen, dass zumindest einer der Attentäter auf das französische Satiremagazin «Charlie Hebdo» dafür in einem Ausbildungslager von AQAP in Süd-jemen trainiert worden war.

Die Terrorgruppe hat bereits weitere Anschläge sowie Racheaktionen für die Opfer des amerikanischen Luftangriffs angekündigt. Eine Zerschlagung von AQAP oder zumindest die Eindämmung ihrer terroristischen Aktivitäten wäre nur dann möglich, wenn in Jemen eine politische Lösung gefunden würde. Anzeichen dafür gibt es nicht.

UNO kritisiert Saudis scharf

Die saudische Regierung stellte vergangene Woche zwar das Ende der «Hauptphase militärischer Aktivitäten» in Jemen in Aussicht. Ähnlichen Verlautbarungen war bisher aber meist eine Intensivierung des Krieges gefolgt, der bereits über 6000 Zivilisten das Leben kostete. Die Schuld für die hohen Opferzahlen gab die UNO in der letzten Woche Saudi-Arabien. Die von Riad angeführte Koalition sei für doppelt so viele zivile Opfer verantwortlich wie alle anderen Kriegsparteien zusammen, sagte UNO-Menschenrechtskommissar Zeid al-Hussein. Saudi-Arabien weist solche Vorwürfe stets zurück. Der Krieg in Jemen wird in den von Riad kontrollierten Medien im Nahen Osten als Erfolgsgeschichte dargestellt. Tatsächlich beherrschen die schiitischen Huthi-Rebellen aber noch immer die Hauptstadt Sanaa, den Norden Jemens und Teile der Küste am Roten Meer.

Angriff auf Freunde der Freunde

Bei Gefechten um die jemenitische Stadt Taiz beobachte eine BBC-Produzentin unlängst AQAP-Terroristen, die auf Seiten der prosaudischen Kriegspartei kämpften. Der US-Luftangriff war so gesehen ein Angriff auf Alliierte Saudi-Arabiens, das wiederum als wichtigster Bündnispartner der USA in der Region gilt.