US-Armee muss abspecken

US-Verteidigungsminister Chuck Hagel plant, die Streitkräfte aus finanziellen Gründen deutlich zu reduzieren. Die Armee soll auf eine Truppenstärke wie vor dem Zweiten Weltkrieg schrumpfen.

Thomas Spang/Washington
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Umfasste die US-Armee 1990 noch über zwei Millionen Soldaten, so sollen es bald nur noch 450 000 sein. (Bild: epa/Stephen Morton)

Umfasste die US-Armee 1990 noch über zwei Millionen Soldaten, so sollen es bald nur noch 450 000 sein. (Bild: epa/Stephen Morton)

Sicherheitshalber holte sich der Minister vor der Präsentation seiner Haushaltsvorschläge den Segen seiner Kommandeure ab. Diese gaben Hagel Rückendeckung für die drastischen Sparmassnahmen, die einen Abbau der Landstreitkräfte auf 440 000 bis 450 000 Soldaten vorsehen. Damit geht der Pentagon-Chef noch über die bisher vorgesehene Reduzierung der Armee hinaus, die bereits für lautes Grummeln im Kongress verantwortlich war.

Auch bei der Rüstungsindustrie und innerhalb des Pentagon regt sich Widerstand gegen das Zusammenschrumpfen der Armee auf eine Truppenstärke, wie sie zuletzt 1940 vor dem Zweiten Weltkrieg bestand. 1990 zählte das US-Militär noch rund 2,05 Millionen Soldaten. Rund 1,3 Millionen sind es aktuell im Jahr 2013. «Das wird eine Schlacht gegen den Berg», sagt Mieke Eoyang von der Denkfabrik «Third Way» in Washington voraus. In der politischen Umgebung eines Wahljahres sei es für Kongressmitglieder extrem schwierig, grösseren Veränderungen zuzustimmen. Dabei hat der Kongress den Verteidigungsminister selber in die Situation gebracht, Sparpotenziale zu erschliessen. Dank der automatischen Kürzungen des sogenannten «Sequesters» wird das Pentagon-Budget noch über die Deckelung auf 496 Milliarden US-Dollar im Jahr 2015 hinaus abgebaut. «Verteidigungsminister Hagel hat wiederholt klargemacht, dass es ihm anders lieber wäre, er aber keine andere Wahl hat», rechtfertigt Pentagon-Sprecher John Kirby den Entwurf.

Privilegien für Offiziere gestrichen

Im laufenden Haushaltsjahr haben die US-Streitkräfte noch rund 600 Milliarden Dollar zur Verfügung; mehr als das Militär in jedem anderen Land der Welt. Pro Kopf entspricht das Ausgaben von 2000 Dollar im Jahr. Verglichen damit gibt China, das im globalen Vergleich auf dem zweiten Platz liegt, bei einem Verteidigungshaushalt von 112 Milliarden Dollar je Einwohner nur 83 Dollar aus. Hagels Rotstift zum Opfer fallen sollen auch A-10-Kampfflugzeuge der Air Force, die einmal beschafft worden waren, um Panzer aus der Luft zu bekämpfen. Zur Ausmusterung vorgesehen ist auch das legendäre U2-Spionageflugzeug, für das es neben der unbemannten Aufklärungsdrohne «Global Hawk» keinen Bedarf mehr gibt. Unangetastet bleiben die Ausgaben für die Kriegsführung im Cyberspace sowie für die Flugzeugträger der Supermacht.

Besonders kontrovers sind die geplanten Kürzungen beim Sold sowie den Sozial- und Rentenleistungen. Personalkosten machen rund die Hälfte der Verteidigungsausgaben aus. Demnach müssen Offiziere für ein Jahr ganz auf Gehaltserhöhungen verzichten, während die unteren Dienstgrade mit einem Zuwachs von einem Prozent unter der Inflationsrate bleiben. Gleichzeitig will das Pentagon steuerfreie Mietzuschüsse und andere Privilegien streichen. Nicht angetastet werden bisher die Rentenbezüge.

Zwei Kriege zur gleichen Zeit

«Es macht keinen Sinn, eine grosse Bodenstreitmacht zu behalten, wenn man keinen Bodenkrieg führt», rechtfertigt ein hoher Mitarbeiter der Regierung gegenüber der «New York Times» die Einschnitte. «Wir werden immer noch eine bedeutsame Armee haben, die agil, schlagkräftig und modern sein wird.» Kritiker der geplanten Kürzungen bezweifeln allerdings, ob die Streitkräfte damit weiterhin in der Lage sein werden, zwei Kriege zur gleichen Zeit zu führen. Ein Anspruch, an dem sich amerikanische Militärplaner seit dem Kalten Krieg orientiert haben.

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