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US-Bürger wird von Ureinwohnern getötet

Die indigenen Bewohner der Nördlichen Sentinel-Insel leben als Jäger und Sammler. Der Zutritt ­zu ihrem Eiland ist verboten. Ein amerikanischer Missionar wollte nun mit dem Kajak zu ihnen vordringen.
Ulrike Putz, Singapur
John Allen Chau (rechts) wollte die Ur-Einwohner missionieren. (Bild: AP/Sarah Prince, Kapstadt, 21. November 2018)

John Allen Chau (rechts) wollte die Ur-Einwohner missionieren. (Bild: AP/Sarah Prince, Kapstadt, 21. November 2018)

Ein US-amerikanischer Missionar ist auf einer zu Indien gehörenden Inselgruppe von indigenen Insulanern mit Pfeil und Bogen getötet worden. Fischer hatten den 27-jährigen John Allen Chau am vergangenen Freitag zu der Nördlichen Sentinel-Insel gebracht. Anschliessend beobachteten sie, wie Ureinwohner mit Pfeil und Bogen auf den Mann schossen, als er in seinem Kajak auf den Strand zupaddelte.

Am ersten Tag habe Chau noch abgedreht, am zweiten ­hätten sie gesehen, wie er an Land gegangen und im Dickicht verschwunden sei, sagten die inzwischen verhafteten Fischer indischen Medien. Als es dunkel wurde, seien sie irgendwann davongefahren. Als die Fischer am Dienstag nachsehen wollten, was aus ihrem Passagier geworden sei, hätten sie vom Wasser aus seinen Leichnam am Strand liegen gesehen.

Die Andamanen und Nikobaren sind eine Gruppe von etwa 570 Inseln, die auf Höhe Thailands von Nord nach Süd aufgereiht im Indischen Ozean liegen. Nur 37 der Inseln sind besiedelt, der Zutritt zu den meisten von ihnen ist streng verboten: einerseits, weil die tropischen Eilande für Indien von grosser strategischer Bedeutung als Militärstützpunkt sind.

Kontakt mit Aussenwelt unerwünscht

Andererseits, weil das Parlament im fernen Neu-Delhi beschlossen hat, die auf den mit weissem Sand umkränzten und mit Kokospalmen bewachsenen Inseln lebenden Ureinwohner vor der Aussenwelt zu schützen. Zwar besuchten in den 1960er- und 1970er-Jahren Anthropologen einige der einheimischen Stämme, doch schon damals traute sich kaum wer auf Nord-Sentinel. Der kleine Stamm mit nur etwa 100 Mitgliedern, der auf dem Eiland lebt, machte deutlich, dass er keinen Kontakt mit der Aussenwelt wünscht. Als sich ein indischer Anthropologe dem Strand näherte, machte ein junger Eingeborener eine Geste, die zeigen sollte, wie er den Fremden ausweidet. «Er drohte, ich verstand», sagte T. N. Pandit der «New York Times».

Nach dem Tsunami 2004 überflogen Hubschrauber der indischen Armee Nord-Sentinel, um zu sehen, ob die Insulaner überlebt hatten und Hilfe brauchten. Benachbarte Inseln waren komplett überspült worden, Tausende Ureinwohner umgekommen. Auf Sentinel vertrieben Eingeborene die Helikopter mit einem Pfeilhagel. 2006 töteten Stammesangehörige zwei Fischer, deren Boot sich nachts vom Anker losgerissen hatte und an den Strand gespült wurde.

Die Andamanen und Nikobaren wurden Genomanalysen zufolge vor etwa 30 000 Jahren besiedelt. Nur wenige Stämme leben heute noch als Jäger und Sammler, von ihnen sind die Sentinelesen die isoliertesten. Da sie über die Jahrtausende nur minimalen Kontakt mit der Aussenwelt hatten, gelten sie als besonders anfällig für eingeschleppte Krankheitserreger, gegen die sie keine Abwehrkräfte entwickelt haben. Auf grösseren Andamanen-Inseln, die während der ­Kolonialzeit von den Briten zu Handelsstützpunkten ausgebaut und als Strafkolonien genutzt wurden, wurden die Einheimischen durch von Siedlern mitgebrachte Krankheiten dezimiert.

Die Polizei in Port Blair, der Hauptstadt der Inselgruppe, steht vor einer schwierigen Aufgabe. Zwar sind die Sentinelesen dem Buchstaben des Gesetzes nach indische Staatsbürger, doch leben sie in einer Welt, die ihren eigenen Gesetzen gehorcht. Die Insulaner für den Mord an Chau festzunehmen, ist schlicht nicht möglich. Auch Chaus Familie hat sich zu Wort gemeldet: Sie vergebe sowohl den Schützen als auch den sieben Fischermännern, die ihren Sohn nahe Nord-Sentinel abgesetzt hätten, so die Eltern des Getöteten auf Instagram. «Er ist aus freien Stücken losgezogen.»

Verbotene Zone Andamanen und Nikobaren

Die zu Indien gehörenden Andamanen und Nikobaren liegen im Indischen Ozean westlich von Myanmar. North Sentinel wird von den Sentinelesen bewohnt, die sich gegen die Aussenwelt abschotten und schon öfter fremde Ankömmlinge angegriffen haben sollen. Seit den späten 90er-Jahren soll kein Aussenstehender mehr das Eiland betreten haben. Indiens Regierung hat die Insel und das umliegende Gewässer im Radius von drei Seemeilen zur verbotenen Zone erklärt.

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