Unter der Fuchtel der Mafia

In Rom hat der Prozess gegen 46 Mitglieder der «Mafia Capitale» begonnen. Trotz des Auffliegens der Bande hat sich in Rom bisher noch wenig gebessert.

Dominik Straub
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ROM. Als Kopf der «Mafia Capitale» gilt der ehemalige rechtsextreme Terrorist Massimo Carminati, genannt «der Einäugige». In den Achtzigerjahren war Carminati bei einem Fluchtversuch von einer Polizeikugel am linken Auge getroffen worden. Der heute 57-Jährige war damals führendes Mitglied der neofaschistischen «Nuclei Armati Rivoluzionari» (Bewaffnete revolutionäre Zellen) gewesen, die für 30 politische Morde verantwortlich gemacht wurden. Später wechselte der Terrorist zur «Magliana-Bande», einem berüchtigten Römer Verbrecher-Kartell.

Die Nummer zwei der «Mafia Capitale», Salvatore Buzzi, stammt aus dem entgegengesetzten politischen Milieu, jenem der linken Genossenschaften. Diese sind immer dann gefragt, wenn mit Millionenbeträgen Sozialwohnungen gebaut, Flüchtlingsheime betrieben oder andere öffentliche Aufgaben wahrgenommen werden. Buzzis Genossenschaften kamen in Rom in den letzten Jahren auffallend oft zum Zug. «Wenn du eine Kuh melken willst, musst du ihr vorher zu fressen geben», beschrieb Buzzi einmal in einem von der Polizei abgehörten Telefonat sein Geschäftsmodell.

Monatslohn von der Mafia

Laut der Staatsanwaltschaft schmierten Buzzi und Carminati reihenweise Stadtpolitiker und Chefbeamte –- und erhielten dafür Millionenaufträge. Unter den 46 Angeklagten findet sich der ehemalige Römer Stadtrat für Wohnungsbau, der ehemalige Fraktionschef der Forza Italia und der Stabschef des früheren Bürgermeisters Walter Veltroni. Einzelne der gekauften Politiker und Beamten erhielten von Buzzis Kooperativen regelrechte Monatslöhne von bis zu 5000 Euro. Angeklagt ist auch der ehemalige Bürgermeister Gianni Alemanno; sein Prozess ist jedoch vom Hauptverfahren abgetrennt worden.

Alemanno ist ein Gesinnungsfreund des einäugigen Carminati: Auch der Ex-Bürgermeister hat eine neofaschistische Vergangenheit. In seiner Amtszeit hatte er Hunderte von Freunden und Verwandten, darunter auch Dutzende ehemaliger «Kameraden» aus der rechtsextremen Szene in der Verwaltung untergebracht.

Korrupt auch ohne Mafia

Das Römer Gericht wird in den nächsten Monaten die Frage beantworten müssen, ob es sich bei den in Rom aufgedeckten Zuständen um gewöhnliche Korruption handelt, – oder ob die Mafia Rom quasi beherrscht hat, wie der Staatsanwalt glaubt. Die Verteidiger erklären, der Mafia-Vorwurf sei «auf Sand gebaut» – er werde wie ein Kartenhaus» zusammenfallen.

Ausser Frage steht, dass die «Mafia Capitale» nicht die alleinige Schuld am erbärmlichen Zustand der Römer Verwaltung trägt. Das lässt sich schon daran ablesen, dass seit den Verhaftungen, bei denen über hundert Personen hinter Gitter wanderten, keine Verbesserung eingetreten ist.