UNO und Afrika besorgt über Putsch

In der Zentralafrikanischen Republik konsolidieren die Rebellen ihre am Wochenende gewaltsam übernommene Macht. Die im Januar auf Druck von aussen gebildete Übergangsregierung, an der sie bereits beteiligt sind, soll im Amt bleiben.

Wolfgang Drechsler
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Rebellenchef Michel Djotodia. (Bild: ap)

Rebellenchef Michel Djotodia. (Bild: ap)

KAPSTADT. Während also Ministerpräsident Nicolas Tiangaye in der Hauptstadt Bangui mit seinem Übergangskabinett weiter regieren soll, ist der gestürzte Präsident François Bozizé anscheinend über die benachbarte Demokratische Republik Kongo nach Kamerun geflohen.

Der UNO-Sicherheitsrat äusserte sich gestern «tief besorgt» über die gewaltsame Machtübernahme der Rebellen und verurteilte die «Versuche der Destabilisierung der Zentralafrikanischen Republik». Und die Afrikanische Union hat die Mitgliedschaft der Zentralafrikanischen Republik ausgesetzt

Streit um Friedensvertrag

Bereits Ende des vergangenen Jahres waren die Rebellen bis kurz vor die Hauptstadt vorgedrungen. Unter internationalem Druck hatten sie ihre Offensive dann jedoch zunächst 75 Kilometer vor Bangui eingestellt. Frankreich, die USA und die zentralafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft schickten damals Truppen in das Krisenland. Mitte Januar wurde in Libreville, der Hauptstadt von Gabun, ein Friedensvertrag unterzeichnet, dessen Nichteinhaltung die Rebellen Präsident Bozizé nun vorwerfen. Wie bereits in Libreville vereinbart, versprechen die Putschisten freie und faire Wahlen binnen drei Jahren.

Truppen Südafrikas im Visier

Die Rebellen hatten Bozizé in den vergangenen Wochen vorgeworfen, zwei ihrer zentralen Forderungen im Januar-Abkommen ignoriert zu haben: die Freilassung von politischen Gefangenen sowie den Abzug der im Land stationierten südafrikanischen Truppen. Die Südafrikaner hatten seit längerem die Präsidentengarde ausgebildet.

Laut dem südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma waren bei der Einnahme der Hauptstadt Bangui durch die Rebellen am Wochenende mindestens 13 südafrikanische Soldaten getötet und 27 verletzt worden. Sichtlich erbost beklagte Zuma gestern den Umsturz in Bangui und bezeichnete die Rebellen als «Banditen».

Ethnische Vetternwirtschaft

Bozizé war vor zehn Jahren ebenfalls durch einen Putsch gegen seinen Vorgänger Patassé an die Macht gekommen. Unter der Bevölkerung des Landes war seine Machtübernahme damals zunächst auch auf breite Zustimmung gestossen. Allerdings machte sich in dem Land schon bald wieder das alte Muster der ethnischen Vetternwirtschaft breit. So regierte Bozizé ausschliesslich über die eigene Volksgruppe. Die Einnahmen des Landes aus der Diamanten- und Goldförderung sowie dem Holzhandel teilten seine Gefolgsleute untereinander auf.

Zwar hatte Bozizé in den Jahren 2005 und 2011 Wahlen deutlich gewinnen können. Dennoch nahmen die ethnischen Spannungen im Land seither nie wirklich ab. Bei den Rebellen handelt es sich um eine Koalition aus vier verschiedenen Gruppen. Auch sie sind ethnisch basiert. Ausser dem Kampf gegen das nun gestürzte Regime haben sie keinerlei inhaltliche Übereinstimmung.

Hilfe von aussen blieb aus

Auf die jüngste Bedrohung durch die erst im August letzten Jahres gegründete Rebellenallianz hatte Bozizé mit Hilferufen an Tschad und Frankreich reagiert. Die ehemalige Kolonialmacht hatte dieses Ansinnen allerdings abgelehnt. Allerdings wurden zur Sicherung des Flughafens zusätzliche Soldaten vom französischen Stützpunkt in Gabon nach Bangui verlegt, wo etwa 1600 Franzosen leben.

Auch Tschad, einst engster Verbündeter von Bozizé, weigerte sich, dem Präsidenten militärisch zu Hilfe zu kommen. Bereits in Mali militärisch stark engagiert, kann sich Tschad eine Intervention in einem zweiten bewaffneten Konflikt ausserhalb der eigenen Grenzen derzeit einfach nicht leisten.

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