UNO geht Geld für Hilfe aus

Ebola in Westafrika, Bürgerkrieg in Zentralafrika, Massenflucht aus Syrien und Irak: Hilfswerken geht das Geld aus. Die UNO kürzt die Nahrungsmittelhilfe für Syrien um 40 Prozent.

Walter Brehm
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Den syrischen Flüchtlingen droht im eigenen Land und in den Nachbarländern ein Winter mit wenig essen und ungenügenden Unterkünften. (Bild: ap/Burhan Ozbilici)

Den syrischen Flüchtlingen droht im eigenen Land und in den Nachbarländern ein Winter mit wenig essen und ungenügenden Unterkünften. (Bild: ap/Burhan Ozbilici)

Die gleichzeitigen humanitären Krisen vom Mittleren Osten über West- bis Zentralafrika bringen die internationale Gemeinschaft an ihre Grenzen.

Der UNO fehlt das Geld

Allein in Syrien waren schon im August 4,17 Millionen Menschen auf Nahrungsmittelhilfe vom UNO-Welternährungsprogramm (WFP) angewiesen. Nun kürzt das Programm seine Rationen für vertriebene Menschen in Syrien seit gestern um 40 Prozent. Der zuständige UNO-Direktor John Ging sagt: «Im laufenden Monat können nur noch 60 Prozent des Bedarfs geliefert werden, im November ohne neues Geld nur noch 40 Prozent.»

Für die Syrien-Hilfe fehlen dem WFP für die Monate Oktober bis Dezember umgerechnet etwa 350 Millionen Franken. Im syrischen Bürgerkrieg sind bisher nicht nur etwa 200 000 Menschen getötet worden. Neben den insgesamt über 6,5 Millionen Binnenflüchtlingen sind bisher drei Millionen Syrer ins Ausland geflohen. Damit sind fast die Hälfte aller Syrer auf der Flucht.

Elend – und politische Folgen

Deshalb muss wohl auch die Verteilung von Lebensmittelkarten an syrische Flüchtlinge in den Nachbarstaaten Türkei, Jordanien und Libanon eingeschränkt werden.

Besonders problematisch erscheint die Kürzung in Libanon von etwa 30 auf 20 Franken pro Flüchtling und Monat. Das könnte zu einem weiteren Anstieg der Kriminalität und dadurch zu einer wachsenden Ablehnung der Flüchtlinge durch die libanesische Bevölkerung führen. Mittelfristig ist dadurch eine Destabilisierung Libanons zu befürchten, wo schon heute jeder vierte Einwohner ein Flüchtling ist. Ein ähnliches Risiko besteht auch für Jordanien und die Türkei.

Die Kürzungen von Rationen aus Geldmangel beim WFP bedeuten für die Binnenflüchtlinge in Syrien und wohl auch für viele in den Flüchtlingslagern der Nachbarstaaten einen bitteren Winter mit weniger Essen in teilweise nicht wintertauglichen Unterkünften. Laut Experten ist es möglich, dass allein in Syrien bereits im November nur noch Rationen von 825 Kalorien pro Person zur Verfügung stünden. Das wäre weniger als die Hälfte der von Ärzten empfohlenen Menge.

Einig im Kampf gegen IS

Derweil zeigt sich die Staatengemeinschaft einig, dass vor allem der Krieg gegen die Jihad-Bewegung international geführt und intensiviert werden müsse. Einig ist man dabei weniger über die militärischen Einsätze als vielmehr über die Bedrohung vieler Staaten durch die Rückkehr von europäischen und amerikanischen Jihadisten aus den Kriegen in Syrien und Irak.

Keine Pflicht gegenüber Opfern?

Genauso dringlich jedoch ist umfassende humanitäre Hilfe für die Notleidenden in der ganzen Region. Sie muss von der UNO geplant, umgesetzt und koordiniert werden. Doch davon spricht die bisherige Resolution des UNO-Sicherheitsrates kaum. Schärfere Gesetze gegen Jihad-Reisende müssen alle UNO-Staaten anwenden, eine bindende Verpflichtung, sich der humanitären Katastrophe entgegenzustellen, fehlt bisher.

Von einer tabulosen Debatte über politische Massnahmen auch in Staaten der US-geführten Koalition – wie Saudi-Arabien oder Qatar – ganz zu schweigen.