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Ungeliebter Erzbischof auf Tauchstation

Wolfgang Haas ist seit 25 Jahren Bischof. Sein reaktionäres Kirchenbild löst in Liechtenstein zunehmend Empörung und Zwietracht aus.
Die öffentlichen Auftritte von Erzbischof Wolfgang Haas – wie hier 2006 bei der Weihe des St. Galler Bischofs Markus Büchel – sind selten geworden. (Bild: Hanspeter Schiess)

Die öffentlichen Auftritte von Erzbischof Wolfgang Haas – wie hier 2006 bei der Weihe des St. Galler Bischofs Markus Büchel – sind selten geworden. (Bild: Hanspeter Schiess)

Zum Festen und Feiern war am 25. März kaum einem zumute. Und gratuliert hat ihm auch keiner. Weder der Regierungschef noch der Landesfürst. Seine Exzellenz Erzbischof Wolfgang Haas musste sein 25-Jahr-Bischofsjubiläum im ganz kleinen Kreis und unter Gleichgesinnten feiern. Wo ihm keiner kritische Fragen zum prekären Zustand der katholischen Kirche Liechtenstein stellte.

Es war eine Notlösung des Vatikans, die 1997 das Bistum Chur für ein paar Jahre beruhigte: In Liechtenstein dagegen war der Wechsel von Wolfgang Haas in das für ihn geschaffene Erzbistum Vaduz bis heute für Zwietracht verantwortlich. Dem Konkordat zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Staat Liechtenstein erwächst immer mehr Widerstand.

Kirche verkommt zu einer Sekte

Es ist etwas Surreales, geradezu Gespenstisches, was sich seit ein paar Jahren in der Landeskirche des Fürstentums abspielt. Auf der einen Seite der einsame 65jährige Oberhirte, der sich in der Öffentlichkeit nur selten blicken lässt. Auf der anderen Seite ein wachsender Teil der Bevölkerung, der sich abwendet von der offiziellen Landeskirche und eigene Strukturen aufgebaut hat. Der «Verein für eine offene Kirche» zählt heute mehrere hundert Mitglieder und lädt regelmässig zu kirchlichen Veranstaltungen. Müssten Liechtensteins Katholiken wie in der Schweiz eine persönliche Kirchensteuer bezahlen, derer sie sich mit einem Austritt entledigen könnten, hätten wohl Tausende seit der Amtseinsetzung von Erzbischof Haas die Kirche verlassen.

«Die katholische Kirche Liechtenstein verkommt immer mehr zu einer Sekte von reaktionären Haas-Anhängern», sagt ein Haas-kritischer Katholik aus Schaan. Aus dem In- und Ausland pilgerten Erzkatholiken zu ihrem Idol und trauerten mit ihm zusammen an Messen und Einkehrtagen der vorkonziliaren Zeit nach. An Gründonnerstag feierte der Erzbischof in der Kathedrale von Vaduz zusammen mit der konservativen Petrusbruderschaft aus Wigratzbad die Chrisammesse im alten tridentinischen Ritus.

Bundesrat sah Frieden in Gefahr

Das Unheil nahm im März 1988 seinen Lauf, als der damalige Churer Bischof Johannes Vonderach Papst Johannes Paul II. bat, den Liechtensteiner Wolfgang Haas zum Churer Weihbischof mit Nachfolgerecht zu ernennen. Das Privileg des Churer Domkapitels auf Mitsprache bei der Bischofswahl wurde glatt missachtet.

Zwei Jahre später konnte der Umstrittene die Nachfolge von Bischof Vonderach antreten. Im Bistum begann eine sieben Jahre dauernde Phase des innerkirchlichen Zwists und Widerstands. Moderne und aufgeschlossene Katholiken machten mobil gegen den weltfremden Kirchenfürsten im Hof zu Chur. Der päpstliche Nuntius in Bern wurde als Vermittler angerufen, der Bundesrat sah gar den religiösen Frieden im Bistum in Gefahr. Am 2. Dezember 1997 hatten die Haas-Kritiker zwischen Zürich und Poschiavo erreicht, wofür sie so hartnäckig gekämpft hatten: Der ungeliebte Bischof wurde in das extra für ihn geschaffene Erzbistum Vaduz abgeschoben.

In der katholischen Kirche Schweiz war der Jubel gross. Im kleinen Fürstentum dagegen machten sich Ernüchterung und Ärger breit. Im Landtag wurde mit 24 zu 1 Stimme eine Erklärung verabschiedet, die festhielt, «dass die Errichtung einer Erzdiözese Vaduz ohne Mitwirkung und Zustimmung des Landtages und des Volkes nicht erwünscht» sei.

Tabula rasa in Liechtenstein

«Viele ahnten schon damals, was auf die bis anhin lebendige katholische Kirche im Land zukommen würde», sagt der Vaduzer Verleger Robert Allgäuer heute. In der Kirche Liechtenstein blieb unter dem neuen Erzbischof kein Stein auf dem anderen. Das Dekanat und die Jugendarbeitsstelle wurden aufgelöst, Haas-kritische Priester und Laientheologen verliessen fluchtartig das Land oder wurden zum Rücktritt gedrängt. Sogar das angeblich linke «Fastenopfer», bisher gemeinsam mit den Schweizer Katholiken eingesammelt, wurde zum Spielball des Erzbischofs. Daraufhin gründete Robert Allgäuer mit Gleichgesinnten die Aktion «Wir teilen – das andere Fastenopfer». Dieser Bischof störe je länger, je mehr den religiösen Frieden und den gesellschaftlichen Zusammenhalt im Land, sagt Allgäuer. Indiz dafür ist die immer lauter geäusserte Kritik von Politikern von links bis rechts am Verhalten des Erzbischofs und seines Generalvikars.

Vorkaufsrecht für einen Franken

Ausgerechnet in dieser durch den Fall Gloria.tv und Doppelbauer (siehe Kasten) zusätzlich angeheizten Stimmung werden in Liechtenstein Details über das mit dem Vatikan geplante Konkordat bekannt. Seit 15 Jahren beschäftigen sich die wechselnden Regierungen in Vaduz mit einer Reform des Staatskirchenrechts. Danach soll die römisch-katholische Kirche ihren Status als «Landeskirche» verlieren. Nur so kann ein Religionsgesetz geschaffen werden, das sich an eine paritätische Grundordnung hält. Zuvor allerdings muss der Staat Liechtenstein mit dem Heiligen Stuhl ein Konkordat abschliessen.

Ob ein solches zwischen Vaduz und Rom je unterzeichnet werden wird, ist fraglicher denn je. «Dieses Konkordat nimmt in seinen 31 Artikeln sehr grundlegende Weichenstellungen vor, bricht teils mit jahrhundertealten Traditionen und greift tief in die Gemeindeautonomie ein», schreibt der Liechtensteiner Theologe Günther Boss in einer Stellungnahme. Während der einen Seite (Kirche) praktisch nur Rechte zugestanden würden, habe die andere Seite (Staat) nur Pflichten zu erfüllen. So bleibt bei der Ämterbestellung in der katholischen Kirche der Staat «ohne Mitwirkung». Sollte der Erzbischof von Vaduz einmal einen Nachfolger erhalten, würde das allein in Rom entschieden. Das Erzbistum bekommt auch das Recht, «im Rahmen der pastoralen Bedürfnisse» Ausländer mit Niederlassungsbewilligung ins Land zu holen. Kirchen und Kapellen, heute fast alle im Besitz der Gemeinden, müssten «zur unbefristeten, unentgeltlichen, alleinigen und unbeschränkten Nutzung» der katholischen Kirche überlassen werden. Auf Kirchen, Kapellen und Pfarrhäuser hat die Kirche ein Vorkaufsrecht von einem Franken.

Alarmglocken läuten

Wo die Details des Konkordats bekannt sind, staunen viele und reiben sich die Augen. Der Erzbischof und sein Generalvikar scheinen bei der Ausarbeitung des Konkordatsentwurfes ganze Arbeit geleistet zu haben. Ob allerdings auch das Liechtensteiner Volk mitmacht, ist eine andere Frage. «Eher wird unser Land zur Republik, als dass wir diesem Konkordat zustimmen», sagt ein Einheimischer.

Markus Rohner

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