Ungeliebte «Joystick-Krieger»

Die amerikanischen Streitkräfte haben Probleme, Piloten für ihre Drohnen zu finden. Die Arbeit wirkt belastend und wird nur gering geachtet.

Thomas Spang
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WASHINGTON. Peter LeHew kann sich noch genau an die langen Tage in den dunklen Kontrollräumen mit einer Wand flimmernder Bildschirme vor seiner Nase erinnern. «Das ist eine extrem stressige und extrem schwierige Aufgabe», sagte der Drohnen-Pilot der US-Air Force der «Los Angeles Times». Er gab Einblick in die Arbeitsbedingungen seines früheren Jobs. Morgens sei er Aufklärungseinsätze über einem Land geflogen, am Nachmittag habe er dann Ziele in einem anderen bombardiert. «Das war mental erschöpfend.»

Nicht mehr nur Offiziere

2012 hängte LeHew seine Uniform an den Nagel und wechselte in die Industrie. Ein Beispiel, dem viele andere «Joystick-Krieger» folgten. Im vergangenen Jahr stiegen 240 Drohnen-Piloten aus dem aktiven Militärdienst aus, während die Streitkräfte nur 180 neue ausbilden konnten. Gleichzeitig wuchs der Bedarf der Air Force durch den Krieg gegen den «Islamischen Staat» (IS) und andere Terrorgruppen. Das Pentagon ergriff zum Jahresende Sofortmassnahmen, um die klaffende Bedarfs-lücke schliessen zu können. Erstmals in der Geschichte der Air Force müssen Bewerber nicht mehr einen Offiziersrang haben, um eine Drohne steuern zu dürfen. Dies gilt in einem ersten Schritt allerdings nur für Piloten der 130 Millionen Dollar teuren Aufklärungsdrohne «Global Hawk».

Die zuständige Staatssekretärin im Pentagon, Deborah Lee James, deutete an, dass weitere Lockerungen folgen könnten. «Berufssoldaten können alles machen, so lange sie nur das richtige Training erhalten.»

Darüber hinaus bietet die Air Force erfahrenen Piloten einen Bonus von bis zu 125 000 Dollar an, sollten sich diese nach Ablauf ihrer Dienstzeit erneut für fünf Jahre verpflichten.

Ein schlechtes Image

«Alles, was unsere Piloten hören, ist, wie schwierig ihre Arbeit sei, wie wenig geschätzt und ermüdend», sagt Oberst Robert E. Kiebler von der Holloman Air Force Base in New Mexico zu den Problemen bei der Rekrutierung. Auf dieser Basis wird ein guter Teil der 970 Piloten der Kampf-drohnen mit den martialischen Namen «Predator» (Feind oder auch Raubtier) und «Reaper» (auch der Sensenmann) ausgebildet. «Wir müssen dieses Image verändern», sagt Kiebler.

Auch intern verhöhnt

Eine interne Untersuchung an dreizehn Standorten der Air Force zeigt, wie herausfordernd diese Aufgabe schon in den eigenen Reihen ist. Während Hollywood den Piloten moderner Kampfjets mit «Top Gun» ein Denkmal gesetzt hat, werden die Kameraden in den Dunkelräumen als «Chair Force» (Sessel-Krieger) gehänselt. Staatssekretärin James hält es für wenig wahrscheinlich, dass der Druck auf die Streitkräfte nachlässt. Die Konflikte in Afghanistan, Irak und am Horn von Afrika liessen den Bedarf eher weiter steigen. «Wir müssen mehr Leute in das System bringen», sagt James. Die Frage bleibt aber: Wie?

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