Undurchsichtige Attacke

Im US-Bundesstaat Texas ist eine Ausstellung mit Mohammedkarikaturen angegriffen worden. Die Angreifer wurden getötet. Allerdings haben auch die Organisatoren einen zweifelhaften Ruf.

Jens Schmitz
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Gastredner in Garland: Der niederländische Islamkritiker und Rechtspopulist Geert Wilders. (Bild: epa/Larry W. Smith)

Gastredner in Garland: Der niederländische Islamkritiker und Rechtspopulist Geert Wilders. (Bild: epa/Larry W. Smith)

WASHINGTON. Beim Anschlag auf eine provokante Mohammed-Ausstellung nahe Dallas in Texas sind am Sonntagabend zwei Angreifer getötet worden, ein Sicherheitsmann wurde verletzt. Die Angreifer sollen ihre Tat zuvor über Twitter als «Heiligen Krieg» angekündigt haben. Organisatoren der Schau sehen sich in einer Reihe mit Anschlagsopfern in Kopenhagen und Paris. Die Polizei wollte den Vorfall gestern noch nicht als Terrorangriff bezeichnen.

«Wir waren vorbereitet»

Die Veranstaltung «Mohammed Kunstausstellung und Cartoon-Wettbewerb» war eben zu Ende gegangen, als beim Curtis Culwell Center in Garland zwei Männer vorfuhren, aus ihrem Auto sprangen und das Feuer eröffneten. Sie trafen einen unbewaffneten Sicherheitsmann am Knöchel, aber 15 Sekunden später waren sie tot: «Wir waren auf so etwas vorbereitet», erklärte ein Polizeisprecher, warum nicht nur normale Beamte, sondern gar ein Sondereinsatzkommando sofort zur Stelle waren. Von den 200 Ausstellungsbesuchern, die alle Metalldetektoren hatten passieren müssen, wurde niemand verletzt. Festredner des Abends war der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders.

Unter Terrorverdacht

Aus Sicherheitsgründen sprengte das FBI das Fahrzeug der Angreifer noch in der Nacht. Einer der Angreifer war gestern identifiziert; er stammt aus Phoenix in Arizona, trägt einen typisch amerikanischen Namen und stand anscheinend schon einmal unter Terrorverdacht. Vor der Tat soll er Nachrichten auf Twitter abgesetzt haben, in denen es etwa hiess: «Möge Allah uns als Mujaheddin annehmen.» Angeblich sympathisierte er mit dem «Islamischen Staat».

Die Polizei durchsuchte gestern ein Apartment in Phoenix; KPNX-TV berichtete, dass die beiden Verdächtigen zusammenwohnten. Weder dazu noch zur Religion der Angreifer legten sich die Ermittler aber fest. «Das wird keine schnelle Untersuchung», erklärte der Sprecher.

Laut Medien kamen auch die meisten Ausstellungsbesucher nicht aus der Gegend. «Die islamischen Jihadisten sind entschlossen, unsere Redefreiheit gewaltsam zu unterdrücken», sagte die Organisatorin der Ausstellung, Pamela Geller. «Sie haben in Paris und Kopenhagen zugeschlagen und nun in Texas.»

Zwielichtige Organisatoren

Gellers «American Freedom Defense Initiative» wird von manchen Organisationen selbst als Gruppierung eingestuft, die Hassbotschaften verbreitet. New York hat für ihre öffentlichen Verkehrsmittel gerade erst ein Verbot politischer Plakate erlassen, weil Geller in mehreren Städten der USA intolerante Passagen aus dem Koran schalten liess, um gegen die Religion Stimmung zu machen. Sie ist in den USA auch als Organisatorin des Widerstands gegen eine Moschee in der Nähe von Ground Zero bekannt.

Gellers Organisation hatte Karikaturisten dazu aufgerufen, Zeichnungen des Propheten Mohammed einzureichen. Dem Sender CNN gegenüber erklärte die Organisation, sie habe über 350 Beiträge erhalten. Dem Sieger sollte ein Preisgeld von 10 000 Dollar winken.

Vertreter moslemischer Gemeinschaften kritisierten gestern die provokative Absicht der Ausstellung, verurteilten aber Gewalt als Reaktion. Imam Zia Sheikh aus Dallas twitterte noch in der Nacht: «Die Gemeinschaft ist der Veranstaltung ferngeblieben. Es sieht nach einem Einzeltäter-Angriff aus. Genau das, was wir vermeiden wollten.»

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