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Joe Biden steigt ins Rennen gegen Donald Trump

Der 76-jährige Joe Biden steigt ins Rennen um die Nomination zum demokratischen Präsidentschaftskandidaten. Er gilt als einer der Favoriten im grossen Feld der Möchtegern-Präsidenten.
Renzo Ruf, Washington
Der ehemalige US-Vizepräsident Joe Biden. Bild: Tasos Katopodis/Getty (Washington, 5. April 2019)

Der ehemalige US-Vizepräsident Joe Biden.
Bild: Tasos Katopodis/Getty (Washington, 5. April 2019)

Wer Joseph Robinette Biden Jr. verstehen will, wer verstehen will, warum der langjährige Berufspolitiker auch im Pensionsalter nicht loslassen kann, der kommt nicht umhin, sich mit zwei tragischen Todesfällen zu beschäftigen. Da ist zum einen die Katastrophe, die den jungen Joe Biden, den frisch gewählten Senator aus dem Kleinstaat Delaware, quasi über Nacht heimsuchte. Am 18. Dezember 1972, als er sich auf sein neues Leben als Berufspolitiker in der amerikanischen Hauptstadt vorbereitete, rammte ein Lastwagenchauffeur in der Nähe von Wilmington (Delaware) den Kombi, in dem sich seine Gattin Neilia, seine Tochter Naomi (1) und seine beiden Söhne Beau (3) und Hunter (2) befanden. Neilia und Naomi starben, Beau und Hunter überlebten den Unfall schwer verletzt. Und Biden, der geborene Politiker, der keine Hand ungeschüttelt lassen kann, war ein gebrochener Mann – der sich nur nach gutem Zureden seiner Vertrauten, darunter seiner Schwester Val, dazu entschied, sein Amt als Senator überhaupt anzunehmen.

Der andere Todesfall? Am 30. Mai 2015 starb Beau Biden an einem Hirntumor. Der 46-Jährige war das Abbild seines Vaters; und es galt als ausgemacht, dass er in seine politischen Fussstapfen treten würde. Der Tod seines ältesten Sohnes warf den damaligen amerikanischen Vizepräsidenten derart aus der Bahn, dass er seine ursprünglich gefassten Pläne, sich um die Nomination zum demokratischen Präsidentschaftskandidaten zu bewerben, fallen liess.

Pragmatiker und Brückenbauer

Mit vier Jahren Verspätung will Biden nun nachholen, was er 2016 verpasst hatte. Am Donnerstag steigt der ehemalige Senator (1973–2009) und Vizepräsident (2009–2017) aller Voraussicht nach ins Rennen um das Weisse Haus – indem er seine Kandidatur um die Nomination zum demokratischen Anwärter auf die Nachfolge von Donald Trump in einem Videofilm ankündigt. Der 76-Jährige wird sich als Erbe von Barack Obama präsentieren, dem Mann also, dem er zuletzt in Washington als Stellvertreter diente. Und als Gegenstück zum amtierenden Präsidenten, der sich nicht an die ungeschriebenen Regeln des amerikanischen Politbetriebs halten will, die Biden jahrelang befolgt hatte.

Auf dem Papier gilt Biden als einer der Favoriten im grossen Feld der demokratischen Möchtegern-Präsidenten. In der Tat besitzt er, auch dank seiner Lebensgeschichte, einen besonderen Draht zur traditionellen Basis der Demokratischen Partei – in der Regierung Obama galt Biden als Politiker, der die Leiden und Freuden der weissen Arbeiterschaft verstand und sich mit Polizisten, Feuerwehrleuten oder Fabrikarbeitern ungezwungen unterhalten konnte. «Uncle Joe» wurde er liebevoll genannt.

Interessanterweise galt Biden auch als Verbindungsmann der Regierung zur Wall Street, verfügen die führenden Banken, Vermögensverwalter und Versicherungen Amerikas doch allesamt über Domizile im wirtschaftsfreundlichen Delaware. Mit Nostalgie allein lässt sich allerdings im Jahr 2020 kein Wahlkampf mehr gewinnen. Biden wird sich auch als Pragmatiker und Brückenbauer präsentieren, und als Politiker, der weiss, dass die hochfliegenden Pläne des linken Flügels seiner Partei nicht realistisch sind. Mit diesen Positionsbezügen wird er sich unter jungen aktivistischen Mitgliedern der Demokraten keine neuen Freunde schaffen.

In diesen Kreisen stösst auch sauer auf, dass Biden die Zeichen der Zeit nicht erkannt hat, und sich über Kritik an seiner Neigung, seinen Gesprächspartnerinnen und -partnern zu nahe zu treten, lustig machte. Problematisch für Biden ist zudem, dass er bisher als Präsidentschaftswahlkämpfer nicht wirklich brillierte. Seine beiden Versuche, zum Kandidaten seiner Partei nominiert zu werden, scheiterten 1988 und 2008 kläglich.

Andererseits: Der Wahlkampf hat eben erst begonnen. Die Wahlversammlungen im Bundesstaat Iowa, der traditionelle Auftakt der Vorwahl-Saison, finden voraussichtlich am 3. Februar 2020 statt – also in mehr als neun Monaten. Da kann noch viel passieren.

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