Umstrittener Gold-Schütze
Kämpfte dieser Olympiasieger einst für Syriens Diktator Assad?

Der Sieg des iranischen Schützen Javad Foroughi wirft Fragen auf.

Michael Wrase aus Limassol
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Überlegen und umstritten: der iranische Schütze Javad Foroughi.

Überlegen und umstritten: der iranische Schütze Javad Foroughi.

AP

Der Jubel unter den iranischen Hardlinern kannte keine Grenzen mehr: Mit einem «goldenen Schuss» habe «der Revolutionsgardist Javad Foroughi Geschichte geschrieben», titelte die staatliche Tageszeitung «Iran» gestern. Das Blatt feierte den iranischen Pistolenschützen Javad Foroughi, der an den Olympischen Spielen sensationell Gold geholt hatte. Der Rechtshänder war so überlegen, dass er kurz überlegt hatte, ob er seinen letzten Schuss als Jux mit links abfeuern sollte – und hat das dann doch nicht gemacht.

Doch Foroughi ist mehr als nur ein begabter Pistolenschütze: Als Krankenpfleger in einem Feldlazarett der iranischen Revolutionsgardisten soll der frischgebackene Olympionike in Syrien verwundete Kameraden gesundgepflegt haben. Ganz friedlich war der Einsatz der iranischen Gardisten in Syrien allerdings nicht. Eine nahe des Lazaretts gelegener Schrein einer schiitischen Heiligen wurde während des Bürgerkriegs mit Waffengewalt verteidigt.

An den Kampfhandlungen beteiligt war vermutlich auch der iranische Olympiasieger, dessen Einheit von den USA als Terrororganisation eingestuft wird. Dem Einsatz der Revolutionsgardisten hat das Unrechtsregime von Diktator Baschar al-Assad sein Überleben zu verdanken.

Militärischer Gruss bei der Siegerehrung

Hat der Olympiasieger seine Schützenkunst also einst in den Dienst des syrischen Diktators gestellt? Nach eigenen Angaben will sich Javad Foroughi das Schiessen im Keller des Teheraner Baqiyatallah-Krankenhauses beigebracht haben. Dort kümmerte er sich laut iranischen Medienberichten um Coronapatienten.

Gefeiert wurde der umstrittene Held auch vom frischgewählten iranischen Präsidenten Ibrahim Raisi, der in einer Woche sein Amt antritt. Selbst der iranische Revolutionsführer Ali Khamenei liess es sich nicht nehmen, dem Volkshelden persönlich zu gratulieren.

Javad Foroughi selbst hatte bereits während der Siegerehrung am Sonntag mit einem zackigen militärischen Gruss seine Loyalität gegenüber dem Corps der Revolutionsgardisten demonstriert. Dass die USA die iranische Eliteeinheit als Terrororganisation eingestuft haben, spielte in Tokio anscheinend keine Rolle. Schliesslich hätten auch andere Länder Armeeangehörige zu den Olympischen Spielen geschickt, meinte ein iranischer Sportfunktionäre lakonisch.

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