Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

«Um den täglichen Horror endlich zu stoppen»

Syrien Nach den infernalischen Bombardements der russischen Luftwaffe ist die syrische Armee in der Altstadt von Aleppo in die Offensive gegangen. Geländegewinne der Truppen von Präsident Bashar al-Assad unweit der berühmten Zitadelle wurden von den Rebellen zwar bestritten.
Michael Wrase/Limassol

Syrien Nach den infernalischen Bombardements der russischen Luftwaffe ist die syrische Armee in der Altstadt von Aleppo in die Offensive gegangen. Geländegewinne der Truppen von Präsident Bashar al-Assad unweit der berühmten Zitadelle wurden von den Rebellen zwar bestritten. «Um den täglichen Horror endlich zu stoppen», erklärten Sprecher der Aufständischen in «Orient TV», reichten «normale Artilleriewaffen» aber nicht mehr aus. Was die «syrische Revolution» jetzt benötige, seien mobile Boden-Luft-Raketen.

Sie zu liefern, sind die Verbündeten der USA im Nahen Osten anscheinend bereit. «Vor allem die Saudis sind fest davon überzeugt, dass die vor 30 Jahren von den afghanischen Mujaheddin gegen die Russen eingesetzten Raketen auch in Syrien ihren Zweck erfüllen würden», sagte ein amerikanischer Regierungsvertreter am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Bislang habe man Riad aber davon überzeugen können, dass die Risiken eines Einsatzes höher seien als der Nutzen.

In Afghanistan gegen Sowjets eingesetzt

Die Rede ist von FIM-92-Stinger-Raketen , die infrarotgelenkt ihr Ziel automatisch über die Hitzeentwicklung des anvisierten Flugobjektes finden. Die «Stinger» könne eine konventionelle Armee paralysieren und zum Rückzug zwingen, schreibt der französische Islamwissenschafter und Terrorismusexperte Gilles Kepel in seinem Buch «Die neuen Kreuzzüge», in dem er blumig feststellt: «Wie Stiche giftiger Insekten bereiteten die Stinger dem Dickhäuter Sowjetunion den Untergang und führten damit zum Zusammenbruch des globalen Kräftegleichgewichts zwischen den Blöcken, die aus der Konferenz von Jalta hervorgegangen waren.»

270 sowjetische Flugzeuge und Helikopter hatten die afghanischen Mujaheddin in nur zwei Jahren mit ihren Stinger-Raketen vom Himmel geholt. Die «Wunderwaffen», welche die russische Luftwaffe am Boden hielten, lieferten dem damaligen russischen Präsidenten Michail Gorbatschow das entscheidende Argument, am 14.Februar 1989 seine Truppen aus der Hindukusch-Republik abzuziehen.

Nur etwa 400 der insgesamt rund 1000 von der CIA gelieferten und von den Saudis bezahlten Stinger-Raketen waren bis zu diesem Zeitpunkt eingesetzt worden. Amerikanische Geheimdienstleute mussten die Waffen daher zum Fünffachen des Orginalpreises (30 000 Euro) zurückkaufen. Dennoch blieben mehr als 100 Raketen verschwunden. Vermutlich gerieten sie in die Hände der Taliban, die nach einem mehrjährigen Bürgerkrieg die Macht in Kabul übernahmen.

Viele Waffen geraten in die falschen Hände

Die Gefahr, dass hocheffektive Abwehrraketen wie die «Stinger» in die falschen Hände geraten, ist auch in Syrien gross. Überfälle auf Waffentransporte sind in dem Bürgerkriegsland an der Tagesordnung. So landeten beispielsweise amerikanische Panzerabwehrraketen vom Typ TOW, die ausschliesslich für moderate Rebellengruppen bestimmt waren, nicht nur in den Arsenalen von Al Qaida. Auch der sogenannte Islamische Staat (IS) verfügt inzwischen über die treffsichere TOW. Die Terrororganisation soll sich die panzerbrechenden Raketen auf dem Schwarzmarkt besorgt haben.

Weitaus grösseren Schaden könnten die «Stinger» anrichten. Die Boden-Luft-Raketen mit einer Reichweite von 4500 Metern werden in Lizenz auch in der Türkei hergestellt. 850 Stück liegen auf Lager. Sie dürfen nur mit dem Einverständnis der Amerikaner weitergegeben werden. Diese befürchten im Fall eines «Stinger»-Einsatzes eine «weitere Eskalation in einem ohnehin entsetzlichen Krieg».

Das letzte Wort scheint aber noch nicht gesprochen zu sein. «Die Opposition in Syrien hat das Recht, sich zu verteidigen», erklärten Gewährsleute im Pentagon – und stellten klar: «Wehrlos werden wir sie nicht länger den verheerenden Bombardements der Russen ausliefern.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.