Ukraine-Appell an die «zivilisierten Staaten der Welt»

WARSCHAU. Die neue Regierung in Kiew hat den von Putin gestern abgesegneten Anschluss der Halbinsel Krim an die Russische Föderation abgelehnt.

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WARSCHAU. Die neue Regierung in Kiew hat den von Putin gestern abgesegneten Anschluss der Halbinsel Krim an die Russische Föderation abgelehnt.

Übergangspräsident Oleksandr Turtschinow hofft, dass «kein zivilisierter Staat der Welt» die «Annektierung der Krim» anerkennen werde. «Wir erkennen weder das Abkommen über die Eingliederung der Krim in die Russische Föderation noch die Unabhängigkeit der so genannten Republik Krim an», liess auch das Kiewer Aussenministerium verlauten. Justizminister Pawlo Petrenko kündigte an, die Ukraine werde im Gegenzug nun sämtliche Immobilien des russischen Staates in der Ukraine und im Ausland in seinen Besitz nehmen. Wie das möglich sein soll, liess er indes offen.

Wichtiger war in Kiew ein Appell Jatsenjuks an die Ost-Ukrainer. Er versprach den mehrheitlich russischsprachigen Bürgern im industrialisierten Ostteil des Landes Dezentralisierung und mehr Kompetenzen. Dies werde alles ein Teil einer neuen Verfassung der Ukraine, versprach Jatsenjuk. «Wir haben eigens einen Vizepremier-Posten für Dezentralisierung geschaffen», sagte er. «Es geht um eine grosse Reform, aber im Rahmen der unteilbaren und einheitlichen Ukraine», warb Jatsenjuk.

Auch gestern kam es indes in der Ostukraine zu Unruhen. Erboste prorussische Bürger stürmten in der Hafenstadt Odessa den lokalen Sitz des Geheimdienstes. Dorthin war nach seiner Festnahme am frühen Morgen der prorussische Separatist Antoni Dawidowisch gebracht worden. Kiew hat mit einer Reihe von Festnahmen und Anklagen gegen prorussische Aktivisten den Volkszorn auf sich gezogen.

Auf der Halbinsel Krim wurde in einem Angriff unbekannter Uniformierter auf einen ukrainischen Armeestützpunkt erstmals ein ukrainischer Offizier durch Schüsse verletzt. Zudem soll ein Soldat laut dem Verteidigungsministerium in Kiew getötet worden sein. (P.F.)