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UGANDA: Flüchtlingsnot im medialen Windschatten

Rund eine Million Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland Südsudan haben Aufnahme im Nachbarland Uganda gefunden. Täglich kommen zwischen 2000 und 3000 dazu. Doch von Afrikas grösster Massenflucht liest und hört man in Europa kaum etwas.
Walter Brehm
Szene aus dem Flüchtlingslager Bidi Bidi im Norden Ugandas, in welchem viele Personen aus dem Südsudan untergebracht sind. (Bild: Ben Curtis/AP (9. Juni 2017))

Szene aus dem Flüchtlingslager Bidi Bidi im Norden Ugandas, in welchem viele Personen aus dem Südsudan untergebracht sind. (Bild: Ben Curtis/AP (9. Juni 2017))

Walter Brehm

Wer kennt schon Bidi Bidi im Nordwesten des ostafrikanischen Landes Uganda. Weit über 900000 Flüchtlinge aus Südsudan haben in Uganda Zuflucht gefunden, die Mehrheit in Bidi Bidi. Es ist mit über 250000 Bewohnern heute das grösste Flüchtlingslager der Welt. «Der Zustrom der Menschen nimmt nicht ab», sagt Jean-Luc Anglade, Koordinator der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) in Uganda. Über 85 Prozent der Tag für Tag neu ankommenden Flüchtlingen sind Frauen und Kinder. Das gilt auch für die im Westen ebenso unbekannten Orte Palorinya, Rhino und Imvepi – weitere ugandische Flüchtlingslager, in denen MSF mit medizinischer Versorgung und Geburtenhilfe, mit Ernährungs- und Wasserprogrammen versucht Elend zu lindern. «Eine grosse Herausforderung», sagt Casey O’Conner, Projektleiter in Palorinya.

MFS säubert in dem Lager täglich zwei Millionen Liter Wasser aus dem Nil und kann damit etwa 100000 Menschen versorgen. Allein im April waren es für alle von MSF betreuten Lager 52,5 Millionen Liter. Das Wasser muss aber in Tanks in die Flüchtlingslager gebracht und dort verteilt werden, die bis zu 250 Quadratkilometer gross sind.

Hilfe bisher nur zu 14 Prozent finanziert

Seit der bereits 2013 ethnisch geschürte Machtkampf in Südsudan zwischen Präsident Salvan Kiir und dem ehemaligen Vizepräsidenten Riek Machar 2016 erneut aufgebrochen ist, sprechen Experten von ethnischen Säuberungen und sogar von Völkermord. Der Hass hat bereits auch die Flüchtlingslager erreicht, wo die beiden grössten südsudanesischen Volksgruppen, die Dinka und die Nuer, inzwischen getrennt untergebracht werden müssen. Dennoch hält Uganda noch immer an der Politik der «offenen Türe» fest. Doch die Behörden und die Hilfswerke schaffen es kaum noch, die täglich wachsende Zahl der Neuankömmlinge zu versorgen. Laut dem UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR und dem Welternährungsprogramm (WFP) ist die notwendige Hilfe in Uganda bisher nur zu 14 Prozent finanziert. Bis Ende des Jahres werden etwa 1,4 Milliarden US-Dollar benötigt, um die über zwei Millionen zählenden südsudanesischen Flüchtlinge in Uganda, Sudan, Äthiopien, Kongo und Kenia versorgen zu können. Derweil verschlechtert sich die Lage in Südsudan weiter – eine Kombination aus Gewalt, anhaltender Dürre und Hungersnot.

«Es ist unsere humanitäre Pflicht»

Filippo Grandi, UNO-Flüchtlingskommissar, hat in Genf bereits Mitte Mai erklärt: «Uganda und die anderen Nachbarländer Südsudans haben alles getan, was man erwarten kann. Aber sie werden diese Grosszügigkeit nur aufrechterhalten können, wenn der Rest der Welt bereit ist, die Unterstützung massiv zu verstärken.» Flüchtlingen zu helfen, bedeutet aber nicht nur Soforthilfe. Es bedeutet auch, Regierungen und Gemeinschaften in den Aufnahmeländern zu unterstützen und vor allem auch die lokale Wirtschaft zu stärken. Uganda sollte am Gipfel der G20-Staaten in Hamburg zum Thema werden. An der Berliner Vorbereitungskonferenz diese Woche war dies nicht der Fall, als über die Schaffung von Arbeitsplätzen debattiert wurde, die nötig seien, um Flucht und Armutsmigration zu bekämpfen. Zwar hat die EU-Kommission 2017 bereits 11 Millionen Euro in Bidi Bidi investiert. Doch die Aufnahmeländer sind selber auch von Krisen bedroht. Allein in Uganda sind 80 Prozent der Jugendlichen arbeitslos. Da müsste es europäischen Politikern in den Ohren klingeln, wenn Ugandas Premier Ruhakana Rugunda erklärt: «Wir heissen unsere notleidenden Nachbarn weiter willkommen. Es ist und bleibt unsere humanitäre Pflicht, sie aufzunehmen.»

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