Überraschende Wahlhilfe

Im US-Wahlkampf sprechen sich prominente Republikaner und Unabhängige für Obama aus. Die neusten Arbeitsmarktzahlen dürften kaum eine neue Dynamik in den Schlussspurt bringen.

Thomas Spang
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Macht sich für Obama stark: New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg. (Bild: ap/Seth Wenig)

Macht sich für Obama stark: New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg. (Bild: ap/Seth Wenig)

WASHINGTON. Gestern morgen um 8.30 Uhr dürfte Obamas Wahlkampfmanager Jim Messina durchgeatmet haben. Die letzten Arbeitslosenzahlen vor den Wahlen fielen deutlich besser aus, als Analysten erwartet hatten. Die US-Unternehmen stellten im Oktober 171 000 zusätzliche Mitarbeiter ein. Damit blieb die Erwerbslosenquote unter der psychologischen Acht-Prozent-Marke. Mit 7,9 Prozent tritt Obama mit einer höheren Arbeitslosigkeit als jeder seiner Vorgänger zurück bis Franklin D. Roosevelt zur Wiederwahl an. Doch keiner hatte eine Wirtschaft «geerbt», die bei Amtsantritt nur annähernd so düster ausgesehen hatte.

Glas halbvoll oder halbleer?

Der Präsident kann auf seinem Marathon durch die wahlentscheidenden Staaten an diesem Wochenende sagen, dass die USA nun auf 30 Monate an ununterbrochenem Job-Wachstum zurückblicken könnten. In Obamas Lesart ist das Glas halbvoll, während Herausforderer Mitt Romney es weiter halbleer sieht. «Amerika hat die Entscheidung zwischen Stagnation und Wohlstand», kommentierte er die jüngsten Arbeitsmarktzahlen, die er als Beleg für eine gescheiterte Politik wertet.

Analysten sind sich einig, dass diese Zahlen die Dynamik auf der Zielgeraden nicht beeinflussen werden. Jede Seite kann an ihrer Sicht festhalten. Dennoch ist es der Präsident, der genau zum richtigen Zeitpunkt Rückenwind erhält. Am Donnerstag erklärte New Yorks unabhängiger Bürgermeister, Michael Bloomberg, völlig unerwartet seine Unterstützung für Obama.

Auch Colin Powell für Obama

Das Risiko des Klimawandels, das sich in Hurrikan Sandy gezeigt habe, sagte Bloomberg in seiner Erklärung, «sollte alle gewählten Führer dazu zwingen, sofort zu handeln». Romney habe dies früher auch so gesehen, aber seine Position bedauerlicherweise verändert. Das Thema sei zu wichtig, um es nicht auf Ebene des Weissen Hauses anzugehen. Der Milliardär beliess es nicht bei der Klimakritik, sondern rechnete mit Romneys Häutungen ab. «In der Vergangenheit hat er einfühlsame Positionen bezogen bei der Einwanderung, dem illegalen Waffenbesitz, Schwangerschaftsabbruch und Gesundheitsreform. Er hat überall eine Kehrtwende vollzogen und tritt sogar gegen eine Gesundheitsreform an, die er in Massachusetts selber zum Gesetz gemacht hat.»

Gewicht erhält Bloombergs Unterstützung, weil er seit Tagen an der Spitze des Einsatzes gegen die Folgen von «Sandy» in New York steht. Zum Ärger von Romneys Team setzt auch der republikanische Gouverneur des arg gebeutelten Bundesstaates New Jersey, Chris Christie, sein Loblied auf Obama fort. Und der moderate Republikaner Colin Powell ist der Star eines neuen Werbespots, in dem er den Präsidenten zur Wiederwahl empfiehlt.

Das Rennen bleibt knapp

So viel überparteiliche Unterstützung und das gelungene «Sandy»-Krisenmanagement könnten am Dienstag vielleicht den Ausschlag für Obama geben.

Beide Kandidaten werden bis zum Wahltag vor allem im Mittleren Westen auftreten, aber auch in Florida und New Hampshire. Bei der Abschlusskundgebung am Montagabend in Iowa tritt Obama mit Superstar Bruce Springsteen auf.

Das Rennen bleibt knapp und hat durch «Sandy» einen Unsicherheitsfaktor erhalten, der Prognosen zum Ratespiel macht. In nationalen Umfragen überholte Obama erstmals seit Tagen Romney wieder. In der Mehrzahl der acht umstrittenen «Swing-States» ist es bei Obamas knappem Vorsprung geblieben. Im entscheidenden Ohio führt er im Durchschnitt aller jüngsten Erhebungen mit 2,3 Prozent. Der Zahlen-Guru der «New York Times», Nate Silver, der mit seinen Berechnungen früher meist richtig lag, hat eine aktuelle Wahrscheinlichkeit von 80,9 Prozent für einen Wahlsieg Obamas errechnet.

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