Über 800 Millionen Menschen leiden an Hunger

Während in Teilen der Welt immer noch Menschen verhungerten, «stopfen sich andere Teile bis zur Fettleibigkeit voll», erklärte die Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Margaret Chan, vor den Delegierten der UNO-Welternährungskonferenz. Diese tagen seit Mittwoch und noch bis heute in Rom.

Urs Bader
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Während in Teilen der Welt immer noch Menschen verhungerten, «stopfen sich andere Teile bis zur Fettleibigkeit voll», erklärte die Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Margaret Chan, vor den Delegierten der UNO-Welternährungskonferenz. Diese tagen seit Mittwoch und noch bis heute in Rom.

Nicht weniger deutlich war gestern Papst Franziskus, der von einer «moralischen Verpflichtung» sprach, «den wirtschaftlichen Reichtum der Welt zu teilen». Es gebe genug Nahrung für alle. «Nicht alle aber können essen, während die Verschwendung, die Vernichtung, der exzessive Konsum und der Gebrauch von Lebensmitteln zu anderen Zwecken uns allen vor Augen stehen.» Franziskus forderte, die erste Sorge müsse den Menschen gelten, die vor lauter Hunger «aufgehört haben, ans Leben und an die familiären und sozialen Beziehungen zu denken, weil sie nur noch ums Überleben kämpfen».

Viele gegensätzliche Interessen

Der Papst wies auch auf ökonomische Zusammenhänge hin. Der Kampf gegen Hunger und Unterernährung sei durch die «Priorität des Marktes» und durch den «Primat des Profits» behindert. Die Nahrungsmittel seien zu einem Handelsgut wie andere reduziert worden, so dass sie sogar Finanzspekulationen unterworfen seien.

Franziskus hat damit auch das Feld abgesteckt, auf dem der Kampf gegen den Hunger geführt werden muss. Während sich diesem Kampf kaum jemand offen widersetzt, wird es sofort komplizierter, wenn es um konkrete Massnahmen geht. Zwei Fakten mögen dies verdeutlichen: Ganze vier Jahre ist am Abschlussdokument dieser Konferenz, das bereits verabschiedet wurde, gearbeitet worden. Während sich etwa die Agrarindustrie gegen Regulierungen wehrte, hätten Hilfsorganisationen gerne möglichst konkrete Verpflichtungen durchgesetzt. Herausgekommen ist mehr oder weniger eine Absichtserklärung. Bekräftigt wurde die Absicht, gegen die mangelhafte Ernährung von zwei Milliarden Menschen anzukämpfen und insbesondere die Kinder besser zu versorgen.

Dass der Kampf gegen den Hunger auf der Agenda der Staatengemeinschaft nicht immer zuoberst steht, wird durch die Tatsache illustriert, dass die erste und vor Rom einzige Welternährungskonferenz 1992 stattfand.

Die Kinder im Mittelpunkt

Die Zahl der Hungernden ist seit dieser Vorgängerkonferenz UNO-Angaben zufolge von einer Milliarde auf 805 Millionen Menschen zurückgegangen. In Rom wird aber nicht nur über Unter-, sondern auch über Mangelernährung diskutiert: Zwei Milliarden Menschen weltweit fehlen wichtige Nährstoffe. Beim Kampf dagegen soll der Fokus gemäss Abschlusserklärung auf die ersten 1000 Tage im Leben eines Menschen gerichtet werden. Die Todesursache bei Kindern unter fünf Jahren ist in 45 Prozent der Fälle Mangelernährung.

Auf der anderen Seite gelten, ebenfalls laut UNO-Angaben, 42 Millionen Kinder und 500 Millionen Erwachsene als übergewichtig oder fettleibig. Auch dies ist Thema an der Konferenz.