Über 2 Millionen: Spanien hat zehnmal mehr Infizierte als bisher bekannt

2,3 Millionen Menschen haben sich laut einer neuen Studie in Spanien mit dem Coronavirus angesteckt. Bis zu 45000 Tote sind möglich.

Ralph Schulze aus Madrid
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Coronaabstrich in einem Spital in Barcelona: Weil Tests lange fehlten, sind die offiziellen Infiziertenzahlen viel zu niedrig.

Coronaabstrich in einem Spital in Barcelona: Weil Tests lange fehlten, sind die offiziellen Infiziertenzahlen viel zu niedrig.

Alejandro Garcia / EPA

Schon seit Wochen warnen Experten, dass Spaniens offizielle Coronastatistik wenig über die tatsächliche Menge der Infizierten aussagt. Nun bestätigte eine landesweite repräsentative Studie des spanischen Gesundheitsministeriums den Verdacht: Es gibt in Spanien rund zehnmal mehr Infizierte als durch die amtlichen Zahlen erfasst. Der Studie zufolge steckten sich im Königreich bisher rund 2,3 Millionen Menschen, etwa fünf Prozent der Bevölkerung, mit dem Virus an. Spaniens amtliche Corona-Statistik erfasste bis zum Donnerstag dagegen nur 229540 Fälle.

Für die Untersuchung wurden mehr als 60000 Menschen aus allen Landesteilen auf Antikörper getestet. Mit der Forschungsarbeit soll das wahre Ausmass der Epidemie in dem südeuropäischen Land ausgelotet werden.

Spaniens offizielle Statistik hatte bisher nur jene schweren Krankheitsfälle erfasst, die im Krankenhaus behandelt werden mussten. Patienten mit leichten Symptomen, was bei der Mehrzahl der Erkrankten der Fall ist, wurden nicht getestet und somit auch nicht mitgezählt.

Nicht einmal alle erkrankten Ärzte konnte getestet werden

Hintergrund ist, dass Spaniens Gesundheitssystem wochenlang darunter litt, nur eine vergleichsweise geringe Testkapazität zu haben. Was dazu führte, dass nicht einmal erkrankte Ärzte und Pfleger in Hospitälern und Altenheimen konsequent getestet werden konnten. Deswegen wurden Krankenhäuser und Heime in Spanien zu gefährlichen Infektionsherden. 20 Prozent der offiziell gemeldeten Erkrankten sind Angehörige des Gesundheitswesens.

Madrid und Barcelona stark betroffen

Im Ballungsraum Madrid, Spaniens schlimmsten Coronabrennpunkt, infizierten sich der Untersuchung zufolge mehr als elf Prozent der Bevölkerung. In der nordspanischen Metropole Barcelona, Spaniens zweitem grossen Corona-Hotspot, sind es sieben Prozent.

Nach Angaben, die von spanischen Medien verbreitet wurden, starben allein in Spaniens Altenheimen in den letzten Wochen rund 18000 Bewohner mit Coronasymptomen. Die Gesamtzahl der wegen Corona Verstorbenen könnte in Spanien auf 45000 steigen. Damit wäre Spanien das europäische Land mit den meisten Pandemie-Opfern.