UBS-Lobbyist bringt McCain in Bedrängnis

Der republikanische US-Präsidentschaftskandidat John McCain hat den Kampf gegen den Einfluss von Lobbyisten in Washington zu seinem Markenzeichen gemacht. Doch sein eigener Wirtschaftsberater, Phil Gramm, half der Schweizer Grossbank UBS in der Immobilienkrise.

Thomas Spang/Washington
Drucken
Teilen

John McCain hat nur Gutes über den ehemaligen Senator aus Texas zu sagen, der mit ihm «als Fuss-Soldat der Reagan-Revolution» in den US-Kongress einzog. Ein ehemaliger College-Professor, der sich zum Vorsitzenden des mächtigen Banken-Ausschusses im Senat hocharbeitete und bis 2002 eine Schlüsselrolle bei der Deregulierung des US-Banken- und Finanzsektors spielte.

750 000 Dollar kassiert

Doch nun sieht sich McCain unter massivem Druck, seit herauskam, dass sein Freund bis April 2008 als Lobbyist für die UBS tätig war. Zusammen mit zwei Kollegen kassierte er 750 000 US-Dollar, die er der Bank für seine Hilfestellungen auf dem Capitol Hill in Rechnung gestellt hatte. Gramm versuchte seine früheren Kollegen für die Anliegen der UBS günstig zu stimmen, die in den USA in schwere Fahrwasser geraten war. Zum einen wegen ihrer Rolle in der Immobilienkrise, welche die Schweizer Grossbank dazu zwang, 19 Milliarden US-Dollar abzuschreiben. Aber auch wegen der Ermittlungen gegen die UBS in Sachen Steuerhinterziehung. Das Bankhaus steht in Verdacht, Vermögenswerte wohlhabender Amerikaner in einer Grössenordnung von 20 Milliarden US-Dollar an der Steuer vorbei auf Offshore-Konten geschleust zu haben.

«Dass er McCain nun in Wirtschaftsfragen berät, wird den Leuten nicht allzu viel Vertrauen einflössen,» sagt der Ökonom Michael Greenberger von der University of Maryland. Schliesslich sei der Verfechter des freien Marktes auch für die enormen Defizite unter Ronald Reagan als auch für die Banken- und Immobilien unmittelbar mit verantwortlich gewesen. «Seine Fingerabdrücke finden sich auf allen Gesetzen, welche die Voraussetzungen dafür schafften.»

Schwieriger Spagat

McCain steht im Dilemma, seinen Freund nicht einfach entlassen zu können – wie zwei andere Lobbyisten in seinem Wahlkampfteam, von denen er sich trennte, weil sie sich gegen Geld für die Diktatur in Burma und das saudische Königshaus eingesetzt hatten. Er versucht nun, sich inhaltlich von dessen Lobby-Arbeit abzugrenzen, aber dennoch an Phil Gramm festzuhalten. Ein Spagat, der laut Beobachtern nicht lange gut gehen kann.

Aktuelle Nachrichten