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US-Politikerin stolpert über Kinderbuchskandal

Die Stadtpräsidentin von Baltimore (Maryland) ist zurückgetreten. Dies nachdem die lokale Tageszeitung enthüllt hatte, dass sie sich mit Hilfe von Kinderbüchern finanziell bereichert hatte.
Renzo Ruf, Washington
Catherine Pugh hat sich unterdessen für den Schaden entschuldigt. (Bild: AP)

Catherine Pugh hat sich unterdessen für den Schaden entschuldigt. (Bild: AP)

Wer im Internet-Warenhaus Amazon.com nach der Kinderbuchserie «Healthy Holly» sucht, der stösst auf diese Kritik aus der Feder eines gewissen R.C.: «Ein ausgezeichnetes Buch, höchst empfehlenswert. Ich habe 50 Exemplare gekauft und endlich wurde mir eine Baubewilligung für meine Dachterrasse erteilt.» Das mag klingen wie ein schlechter Scherz; die Affäre um die Autorin der «Healthy Holly»-Bücher deutet aber darauf hin, dass in dieser Kritik ein Körnchen Wahrheit steckt.

Bei der Autorin der Bilderbücher handelt es sich nämlich um Catherine Pugh. Und die Ermittlungsbehörden beschuldigen die 69-jährige Demokratin, die 2016 zur Stadtpräsidentin von Baltimore gewählt worden war, sich mit Hilfe von Holly, der jungen Heldin ihrer Kinderbücher, bereichert zu haben – indem sie ihre Werke zu einem überrissenen Preis an Organisationen verkaufte, die auf gute Kontakte zum politischen Establishment Baltimores angewiesen waren. So bezahlte der Krankenversicherer Kaiser Permanente der Politikerin in den vergangenen vier Jahren insgesamt 100 000 Dollar; im Gegenzug erhielt Kaiser Permanente zum einen gegen 20 000 Kopien eines selbstpublizierten Bilderbuchs.

Zudem ging die Stadtverwaltung, die von Pugh kontrolliert wurde, im September 2017 eine Kooperation mit Kaiser Permanente ein, die dem Krankenversicherer Einnahmen von 48 Millionen Dollar garantierte.

800 000 Dollar mit Büchern eingenommen

Insgesamt 800 000 Dollar soll Pugh mit dem Direktverkauf von «Healthy Holly» an Unternehmen wie Kaiser Permanente oder die Spitalgruppe University of Maryland Medical System eingenommen haben – eine Summe, von der selbst etablierte Kinderbuchautoren nur träumen. Kein Wunder, begannen sich in den vergangenen Wochen die Ermittlungsbehörden für diese seltsame Geschichte zu interessieren, die von der Tageszeitung «Baltimore Sun» aufgedeckt worden war.

Catherine Pugh stellte sich zuerst auf den Standpunkt, sie habe keinen Fehler gemacht. Sie sei eine etablierte Autorin und versuche schon lange, die Gesundheit der Kinder von Baltimore zu verbessern, schrieb sie im März in einer Stellungnahme. Immerhin reichte sie ihren Rücktritt aus Aufsichtsgremien derjenigen Unternehmen ein, die sich ihre Bücher beschaffen hatten.

Pugh nicht «bei klarem Verstand»

Im April liess sich die Stadtpräsidentin krankschreiben, weil sie angeblich an einer Lungenentzündung laboriere. Als die Bundespolizei FBI in enger Zusammenarbeit mit der Steuerverwaltung IRS ihr Büro und ihre Wohnhäuser durchsuchen liess, richtete ihr Anwalt aus, Pugh sei derzeit nicht «bei klarem Verstand» und könne keine Stellungnahme abgeben.

Am Donnerstag schliesslich verkündete derselbe Anwalt, dass die Stadtpräsidentin noch gleichentags zurücktreten werde. Er verlas eine Erklärung Pughs, in der sie sich für «den Schaden», den sie verursacht habe, entschuldigte. Ihre Nachfolge übernimmt nun Jack Young, der interimistisch bereits seit Anfang April als Stadtpräsident amtiert.

Der Demokrat sieht sich mit einem Berg von Problemen konfrontiert. So wurden seit Jahresbeginn in Baltimore (Einwohnerzahl: 600 000) mehr als 90 Menschen ermordet. Zum Vergleich: In New York City starben im gleichen Zeitraum 87 Menschen eines gewaltsamen Todes. In der grössten Stadt Amerikas wohnen mehr als 8,4 Millionen Menschen.

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