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Über 78 Tote bei Feuersbrunst in der bangalischen Hauptstadt Dhaka

Der Brand startete in einem Lager für Chemikalien und frass sich in Minuten durch die extrem dicht besiedelte Altstadt. Dutzende Anwohner werden noch vermisst.
Ulrike Putz, Singapur
Feuerwehrleute prüfen die Lage nach dem verheerenden Brand vom 21. Februar 2019 in der Altstadt von Dhaka. (Bild: Monirul Alam/EPA)

Feuerwehrleute prüfen die Lage nach dem verheerenden Brand vom 21. Februar 2019 in der Altstadt von Dhaka. (Bild: Monirul Alam/EPA)

Nach einem verheerenden Brand in der Altstadt der bangalischen Hauptstadt Dhaka sind gestern 78 teils bis zur Unkenntlichkeit verkohlte Leichen geborgen worden. Der Chef der Feuerwehr, Ali Ahmed, warnte jedoch, dass die ­Opferzahl noch deutlich steigen könne. Dutzende Anwohner des Chawkbazar genannten Teils von Alt-Dhaka gelten noch vermisst. Auch viele Gäste einer Hochzeitsfeier, die in einem nahen Gemeindesaal begangen wurde, sind noch verschollen. In den Leichenschauhäusern der Neunmillionenstadt spielten sich inzwischen herzzerreissende Szenen ab: Viele Angehörige versuchten vergeblich, ihre Familienmitglieder zu identifizieren. Bisher konnten nur 31 Opfer identifiziert werden. Deren Hinterbliebene erhielten noch vor Ort 350 Franken Soforthilfe.

Das Feuer war am späten Mittwochabend ausgebrochen. Augenzeugen sprachen in bangalischen Medien davon, dass es in einem Lager, in dem Chemikalien aufbewahrt wurden, zu einer Explosion gekommen sei. Das darauffolgende Feuer habe sich in Minutenschnelle durch das ­extrem dicht besiedelte Viertel gefressen. Dutzende Menschen seien in ihren Häusern von den Flammen eingeschlossen, ganze Familien ausgelöscht worden. Mehrere weitere Detonationen seien zu hören gewesen, als die Flammen ein Transformerhäuschen, Kochgasflaschen und die Tanks von Autos und Motorrädern erfassten. Da die Fahrzeuge von Fahrern, die vor dem Feuer geflohen waren, die engen Gassen verstopften, konnte die Feuerwehr nicht direkt bis zum Brandherd vordringen. Das Wasser musste von weit her herangepumpt werden. Bis gestern Mittag stand schwarzer, beissender Rauch über der Hauptstadt des 165-Millionen-Landes.

Wand an Wand mit ­Chemiewerkstätten

Alt-Dhaka, das vor 400 Jahren am Ufer des Buriganga-Flusses gegründet wurde, besteht aus Dutzenden Basaren und ist einer der am dichtesten besiedelten Orte weltweit. Eben­er­dig drängen sich hier unzählige Läden, Lebensmittelhändler, Werkstätten, Imbisse. Schulter an Schulter schieben sich Passanten und Fahrradfahrer durch die engen Gassen und versuchen, der allgegenwärtigen Kloake auszuweichen. Autos und Fahrradrikschas zwängen sich unter pausenlosem Gehupe durch das Chaos, Strom- und Telefonleitungen hängen baumstammdick gebündelt zwischen den Häusern.

In den Geschossen über dem Gewimmel hausen Grossfamilien auf engstem Raum. Besonders im Chawkbazar leben sie dabei oft Wand an Wand mit Chemiewerkstätten. Bei den etwa 1000 Betrieben im Viertel handelt es sich meist um nicht viel mehr als ­einen Raum, in dem die Ladenbesitzer aus den unteren Stockwerken ihre Parfüms und Deos anrühren oder Plastikprodukte herstellen. Obwohl es illegal ist, Chemikalien in der Altstadt zu lagern, ignorieren das die meisten Kleinunternehmen. Vor acht Jahren starben 120 Menschen, als ein Chemielager in Flammen aufging – einige Strassen vom jetzigen Brandherd entfernt. Just eine Woche vor der aktuellen Tragödie hatten die Behörden angekündigt, endlich Ernst zu machen und in Alt-Dhaka präsente Chemiewerkstätten zur Not zwangsumzusiedeln. Der Direktor der Nationalen Kommission für Menschenrechte, Kazi Reazul Hoque, sagte, dass eine Untersuchungskommission eingesetzt werden müsse, um die Verantwortlichen ausfindig zu machen.

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