Adventskalender
Türchen 20: Die Geschichte von Jakob an der Jesuskrippe in Bethlemen und dem RB Leipzig

Die 20. von 24 Begegnungen auf dem Heiligen Pfad von Nazareth nach Bethlehem: Jakob, ein palästinensischer Ex-Dortmunder, steht an Jesus Geburtsstätte. Minutenlang kritisiert er die fehlende Koordination in Bethlehems grösster Touristenattraktion – dabei dreht sich doch alles nur um Fussball.

Samuel Schumacher
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Jakob will nicht nur dem russischen Reiseführer die Meinung geigen – auch der Bischof soll etwas zu hören bekommen.

Jakob will nicht nur dem russischen Reiseführer die Meinung geigen – auch der Bischof soll etwas zu hören bekommen.

Samuel Schumacher

Vorne drängt schon wieder eine Gruppe aus Russland in die Reihe und Jakob bleibt auch diesmal nichts übrig, als sich beim Mönch zu beklagen. Der steht ungerührt in schwarzer Robe neben der wartenden Menschenmenge in der Geburtskirche und verkauft Postkartensets zu 10 Schekeln pro Stück.

«So kann das nicht weitergehen, das kann einfach nicht sein», schimpft Jakob. Und anstatt dass er der Reisegruppe etwas über den heiligen Ort erzählt, an dem Jesus vor ziemlich genau 2016 Jahren geboren worden sein soll, kritisiert er minutenlang die fehlende Koordination in Bethlehems grösster Touristenattraktion.

Er werde mit dem Bischof sprechen («ein Freund von mir») und ihm die Meinung sagen. Und er werde mit dem russischen Guide sprechen («auch ein Freund von mir») und auch ihm die Meinung sagen, verspricht Jakob.

Und als seine Gruppe dann endlich zuvorderst in der Reihe steht und die Geburtsstelle Jesu betrachtet, nimmt der palästinensische Exil-Dortmunder dem andächtigen Moment endgültig die Magie.

Er blickt auf sein Smartphone und verkündet lautstark: «RB Leipzig hat schon wieder gewonnen!»