TÜRKEI: Türkischer Botschafter räumt Fehler ein

Ein Jahr nach dem versuchten Putsch rechtfertigt der Botschafter in der Schweiz das Vorgehen gegen Regimegegner. Er fordert mehr Verständnis für sein Land.

Roman Schenkel/Isabelle Daniel
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Der türkische Botschafter in der Schweiz, Ilhan Saygili. (Bild: Roger Grütter)

Der türkische Botschafter in der Schweiz, Ilhan Saygili. (Bild: Roger Grütter)

Am Samstag jährt sich der versuchte Militärputsch gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und seine Regierung. Aus diesem Anlass laden die türkischen Vertretungen auf der ganzen Welt am Freitag zu Pressekonferenzen – auch in der Schweiz. "Die Türkei hat ein Imageproblem in Europa", erklärt Ilhan Saygili, türkischer Botschafter in der Schweiz, im Interview die Medienoffensive.

Im Jahr nach dem versuchten Umsturz haben unter dem verhängten Ausnahmezustand in der Türkei mehr als 100'000 Staatsbedienstete ihren Job verloren, über 50'000 Verdächtige sitzen im Gefängnis. Die meisten Betroffenen sollen zur Gülen-Bewegung gehören, die von Ankara für den Putschversuch verantwortlich gemacht wird. Doch die politischen Säuberungen haben auch Tausende kurdische Oppositionelle, kritische Journalisten, Wissenschafter und andere Gegner Erdogans getroffen. Dafür wird die Türkei international scharf kritisiert.


"Bösartige Organisation" für Putsch verantwortlich

Botschafter Saygili räumt ein, dass bei der Aufarbeitung des Putschversuchs Fehler gemacht wurden. Er verlangt aber mehr Verständnis: "Nach dem Putschversuch fühlten wir uns alleingelassen", sagt er. Dabei sei "das Ganze von einer bösartigen Organisation durchgeführt worden, die in den letzten 30 bis 40 Jahren alle staatlichen Institutionen, die Armee, die Polizei, den Bildungssektor unterwandert hat".

Solange die staatlichen Einrichtungen nicht von Mitgliedern von Fetö, so nennt die türkische Regierung Anhänger des Predigers Fethullah Gülen, gesäubert seien, werde der Ausnahmezustand beibehalten. Fetö arbeite "höchst mafiös". Jeden Tag treten laut Saygili neue Details über ihre Methoden zu Tage. Dank des Ausnahmezustandes habe die Türkei die legalen Mittel, um gegen die Bewegung vorzugehen.

Lesen Sie das Interview mit dem türkischen Botschafter in unserer Freitags-Ausgabe